Unternehmen im Nationalsozialismus
Die „braune Vergangenheit“ deutscher Firmen gehört zu den am meisten erforschten Themen der Unternehmensgeschichte. Ihre Aufarbeitung ist selbst Gegenstand von Studien geworden, gewürdigt als Teil der Erinnerungskultur und kritisiert als eine von den Medien angeheizte Auftragsforschung. Unstrittig ist, dass auf der Grundlage dieser zahlreichen Veröffentlichungen heute ein valides Bild von der Rolle der Unternehmen in der NS-Zeit besteht, das sich immer weiter ausdifferenziert. Die nationalsozialistische Politik hat sich der Wirtschaft für ihre Ziele bedient und sie darauf ausgerichtet. Innerhalb dieses Rahmens konnten die privatwirtschaftlichen Unternehmen aber auf der Mikroebene relativ eigenständig agieren. Im Blick der Forschung stehen daher die Handlungs- und Entscheidungsmuster in den Unternehmen, besonders im Zusammenhang mit ihrer Teilhabe an nationalsozialistischem Unrecht.Das Forschungsfeld – Entstehung und Konturen
Wer sich über Unternehmen im Nationalsozialismus informieren wollte, war lange auf Firmenchroniken angewiesen, in denen diese Zeit als dunkle Jahre ständiger Bedrohung beschrieben wurde. Sofern in Jubiläumsreden und Festschriften überhaupt darauf eingegangen wurde, dominierte das Narrativ, wonach die Unternehmen in der Zwangswirtschaft der nationalsozialistischen Diktatur einem allmächtigen Staat ausgeliefert gewesen seien. Solche Deutungen blieben damals unwiderlegt, auch weil die Archive der Unternehmen nur für handverlesene Journalisten und Historiker zugänglich waren.1
Dass sich die Sicht änderte und eine wissenschaftliche Aufarbeitung der NS-Unternehmensgeschichte entstand, wird im Rückblick oft auf den Druck durch die 1996 einsetzende „Nazigold“-Debatte und die anschließenden Sammelklagen von NS-Opfern gegen deutsche Unternehmen zurückgeführt. Doch ging der entscheidende Anstoß von der in den 1980er-Jahren aufkommenden Erinnerungskultur aus. Die bis dahin als abgeschlossen geltende Entschädigungsfrage wurde zunächst von Aktivisten, dann in den Medien und in der Politik neu gestellt. Durch die Diskussion über den Umgang mit „vergessenen Opfern“ wurde der kriegswirtschaftliche „Reichseinsatz“ von Millionen Frauen und Männern aus vielen Ländern ab 1986 in einer breiteren Öffentlichkeit der Bundesrepublik als Zwangsarbeit und NS-Unrecht wahrgenommen.2 Beschönigende Darstellungen konnten jetzt zu einem Reputationsschaden führen wie bei der ersten, von Daimler-Benz zum 100-jährigen Unternehmensjubiläum 1986 bei der Gesellschaft für Unternehmensgeschichte (GUG) in Auftrag gegebenen NS-Studie. Vor diesem Hintergrund entstand eine unternehmenshistorische Auftragsforschung, die in wissenschaftlicher Unabhängigkeit durchgeführt wird. Als erste dieses Formats erschienen in den Jahren 1994 bis 1996 Studien der GUG über die Zwangsarbeit bei Daimler-Benz, von Hans Mommsen und Manfred Grieger über das Volkswagenwerk in der NS-Zeit und eine von mehreren Historikern verfasste Geschichte der Deutschen Bank. Maßstäbe für eine NS-Unternehmensgeschichte hatte bereits die 1987 veröffentlichte Dissertation des amerikanischen Historikers Peter Hayes über die I.G. Farben gesetzt.3
An dieses Modell knüpften viele Unternehmen unter dem Druck der Sammelklagen an, indem sie Historiker und nicht selten ganze Historikerkommissionen beauftragten. Im Vordergrund dieser stark medial begleiteten Welle von Forschungsprojekten standen nun auch die „Arisierung“ jüdischer Vermögen, die Ausplünderung besetzter Gebiete, die Raubgoldgeschäfte der Banken und der Umgang der Versicherungsgesellschaften mit Lebensversicherungen jüdischer Kunden. Rückblickend wurde die Aufarbeitung in dieser zweiten Phase, den in den 2000er-Jahren erschienenen Studien, als „Sonderkonjunktur“ der Unternehmensgeschichte beschrieben.4 Dabei blieb sie weitgehend auf Flaggschiffe der deutschen Wirtschaft beschränkt (Allianz, BASF, Bertelsmann, BMW, Commerzbank, Degussa-Hüls, Deutsche Bank, Dresdner Bank, Hoechst, Linde, MTU).
Nach der „legal closure“ der Zwangsarbeiterentschädigung wurde gemutmaßt, dass es sich bei dieser Welle um ein vorübergehendes Phänomen handeln würde. Dann wurden weitere Projekte in noch größerer Zahl in Auftrag gegeben, eben weil ein Standard der Erinnerungskultur gesetzt worden war, hinter dem andere Unternehmen nicht zurückbleiben konnten oder wollten. In dieser dritten Phase erfolgte die NS-Aufarbeitung stärker als Schwerpunkt in der Gesamtdarstellung einer Unternehmenshistorie, was eine Einordnung in längerfristige Zusammenhänge ermöglicht. Auch die Monografien dieses Formats wurden vorwiegend zu Großunternehmen verfasst (Adidas, BayernLB, Beiersdorf, Bosch, Brenntag, Commerzbank, Deutsche Bank, DZ Bank, KraussMaffei, MAN, Münchener Rückversicherung, Otto Wolff, Porsche, Ruhrgas, Sartorius). Hinzu kamen NS-Studien zu weiteren Unternehmen (Auto-Union/Audi, Continental, DEA, Lufthansa, LVM Versicherung, Südzucker, VGH Versicherungen, Wintershall). Ein großer Teil der Projekte ging nun von Familienunternehmen und Unternehmerfamilien aus, häufig angestoßen von Generationenwechseln oder einer kritischen Berichterstattung in den Medien. Neben Industriekonzernen (Flick, Freudenberg, Henkel, Merck, Oetker, Quandt, Reemtsma, Thyssen) und führenden Handelsunternehmen (C&A, Hertie, Tengelmann), rückten dabei mittlere und kleinere Firmen der NS-Zeit in den Blick (Bahlsen, Benckiser/Reimann, Birkenstock, Boehringer Ingelheim, Dachser, Hugo Boss, Isabellenhütte Heusler, Messer, Metzler, Miehle, Seidensticker). Auch zu einzelnen Regionalbanken, Sparkassen, Stadtwerken und Wirtschaftsverbänden liegen neuere Studien vor.
Dieses Forschungsfeld vermittelt ein Bild von den Rahmenbedingungen in der NS-Wirtschaft. Der wichtigste Ertrag liegt aber darin, Handlungsmuster und Strategien auf der Unternehmensebene aufzuzeigen. Ganz überwiegend geht die Forschung von einer „partiellen Autonomie“ der Privatwirtschaft im System der NS-Diktatur aus.5 Abgesehen von der Verfolgung jüdischer und politisch missliebiger Unternehmer und Manager wurde eher selten direkter Zwang ausgeübt. Die zentrale Frage ist daher, „wie die Unternehmen mitmachten und wozu sie die dadurch sich ergebenden Handlungsspielräume nutzten“.6 Die Antworten fallen in der Forschung je nach Ansatz und Untersuchungsgegenstand unterschiedlich aus, sind aber aus der Gesamtbetrachtung in vielem komplementär. Die Wirtschaftshistoriker Christoph Buchheim und Jonas Scherner legten am Beispiel von Investitionsentscheidungen im Rüstungs- und Autarkiesektor dar, dass die Industrie weitgehend unbeeinträchtigt handeln konnte. Die Unternehmen seien in der Lage gewesen, die Verträge mit dem Staat nach wirtschaftlich rationalem Kalkül auszuhandeln, ausgerichtet auf das Ziel langfristiger Gewinnmaximierung.7 Dem wurde entgegengehalten, dass sich die Unternehmen der nationalsozialistischen Diktatur nicht entziehen konnten. Gestützt auf Studien über die I.G. Farben und die Degussa sieht der Unternehmens- und Holocausthistoriker Peter Hayes die NS-Wirtschaft auf eine Verbindung aus marktwirtschaftlichen Prinzipien und staatlicher Reglementierung ausgerichtet, über die das Verhalten der Unternehmen vom Regime konditioniert wurde.8 Der Wirtschafts- und Unternehmenshistoriker Gerald D. Feldman plädiert in seiner Studie über die Allianz und die Versicherungswirtschaft im „Dritten Reich“ dafür, die „politische und moralische Ökonomie“ in den Blick zu nehmen. Indem die Unternehmensleitungen unter den Bedingungen des Regimes handelten, hätten sie im Geschäftsverhalten Anstand und Moral verloren.9
Das Verhalten kann aus jeder dieser Perspektiven letztlich nur im Einzelfall beurteilt und im Kontext anderer Fallbeispiele eingeordnet werden. Formale Kriterien geben darüber wenig Aufschluss. So drückte sich in einer NSDAP-Mitgliedschaft, zu der niemand gezwungen wurde, Zustimmung zum Regime aus. Sofern der Parteieintritt nicht schon vor 1933 erfolgt war, handelte es sich aber oft um eine opportunistische „Loyalitätsbekundung“, verbunden mit einer teilweisen politischen Übereinstimmung und in der Wirtschaft auch mit einem geschäftlichen Hintergrund.10 Bemessen lässt sich das Verhalten vielmehr daran, wie sehr sich ein Unternehmen in den Dienst des Regimes stellte, ob es den politischen Apparat gezielt für geschäftliche Vorteile nutzte und wie sich die Leitung gegenüber nationalsozialistischem Unrecht verhielt.
1933 – Die rasche Anpassung an die NS-Diktatur
Vor der Machtübernahme Hitlers gehörte die große Mehrheit der deutschen Unternehmer zum rechtsbürgerlich-konservativen Lager um die Parteien DVP und DNVP. Nur wenige Industrielle förderten die NSDAP mit Großspenden, aber sehr viele trugen indirekt, durch Bekämpfung der Weimarer Demokratie und Unterstützung autoritärer Herrschaftsformen, zum Aufstieg Hitlers bei.11 Im Frühjahr 1933 passte sich das Unternehmertum umgehend an das System der neuen Machthaber an, zum Teil aus Überzeugung oder aus Begeisterung über den verkündeten „nationalen Aufbruch“ und die Zerschlagung der Gewerkschaften, mitunter auch unter dem Eindruck des beispiellosen Terrors, vor allem aber, weil damit zu rechnen war, dass das nationalsozialistische Regime längere Zeit an der Macht bleiben wird. In manchen Unternehmen trat nun wie beim Reifenhersteller Continental die gesamte Leitung in die NSDAP ein.12 Nach der Studie von Paul Windolf und Christian Marx über NSDAP-Mitglieder in der Wirtschaftselite erfolgten über 40 Prozent der Parteieintritte schon 1933. Darin drückte sich eine frühe Zustimmung aus und auch ein hohes Maß an opportunistischem Verhalten, besonders in den jüngeren Jahrgängen. Insgesamt lag der Anteil der NSDAP-Mitglieder bei Vorstands- und Aufsichtsratsmitgliedern von Großunternehmen mit 37,6 Prozent signifikant höher als im Durchschnitt der Bevölkerung, aber niedriger als bei Medizinern und Richtern.13 Darüber hinaus bestand fast im gesamten Unternehmertum eine generelle Zustimmung zum Regime.14 Nur eine kleine Minderheit dürfte die nationalsozialistische Herrschaft grundsätzlich abgelehnt haben.
Die Spitzen der Industrie beteiligten sich aktiv an der Gleichschaltung ihrer Verbände, und der Einführung der „Adolf Hitler-Spende der deutschen Wirtschaft“ die bald zur Zwangsabgabe wurde und Hitler zur persönlichen Verfügung zufloss. Die Ausgrenzung und Verfolgung der Juden wurde in der Großindustrie mitunter aus liberaler Überzeugung missbilligt. Doch keiner protestierte. Es blieb bei einer belanglosen Denkschrift, in der vor nachteiligen Folgen für die Wirtschaft gewarnt wurde.15 Im Umgang mit jüdischen Mitarbeitenden und Geschäftspartnern bestanden für die meisten Unternehmen damals noch Spielräume, da die private Wirtschaft nicht dem im April 1933 erlassenen Berufsverbot für Juden im Öffentlichen Dienst unterlag. Viele jüdische Vorstandsmitglieder wurden aber schon im Frühjahr 1933 in vorauseilender Anpassung zum Rücktritt genötigt, nur wenige konnten sich noch einige Jahre halten. Die Entlassung jüdischer Mitarbeitender erfolgte besonders frühzeitig und rigoros in Unternehmen, die wie die Warenhauskonzerne unter politischem Druck standen. Wo dies nicht der Fall war, wurde sie unterschiedlich gehandhabt. Vor allem auf leitende Angestellte, Spezialisten aus Technik oder Forschung und schwer entbehrliche Vertreter wollten die Unternehmen nicht verzichten. Sie hielten an ihnen bis zu den Nürnberger Rassengesetzen von 1935 und in wenigen Fällen auch noch bis zu der 1938 einsetzenden Radikalisierung der Verfolgung fest. Jüdischen Mitarbeitenden und Vertretern im Ausland musste gekündigt werden, nachdem Zahlungen an sie 1938 genehmigungspflichtig geworden waren.16
Rüstungskonjunktur und Autarkieprojekte
Die nationalsozialistische Herrschaft profitierte in hohem Maße von dem Aufschwung nach der großen Weltwirtschaftskrise. Nichts stärkte die Zustimmung zum NS-Regime wohl so sehr wie das einsetzende Wirtschaftswachstum und der Rückgang der Massenarbeitslosigkeit. Tatsächlich hatte die Erholung der Wirtschaft schon Mitte 1932 begonnen, in Deutschland wie in Großbritannien und den Vereinigten Staaten. Sie wurde von den spät einsetzenden Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen der Regierung Hitler nicht entscheidend beeinflusst und ging bald in eine Rüstungskonjunktur über.17 Doch damals wurde das „Wirtschaftswunder“, das viele Unternehmen vor dem Untergang bewahrte, nicht nur von der Propaganda und in devoten Loyalitätsbekundungen Hitler als Verdienst zugeschrieben. Mit dem Aufschwung verschwanden in der Wirtschaft alle Zweifel an seiner Befähigung und der früher als erratisch wahrgenommenen wirtschaftspolitischen Ausrichtung seiner Partei. Ein bekanntes Beispiel ist die Automobilindustrie. Mit gezielter Förderung durch den Staat erlebte die von der Weltwirtschaftskrise hart getroffene Branche vorübergehend einen von der Propaganda wirkungsvoll glorifizierten Wachstumsschub.18

Mit dem „Neuen Plan“ des Reichswirtschaftsministers Hjalmar Schacht wurde im September 1934 eine vollständige Bewirtschaftung des Außenhandels eingeführt. Wegen des chronischen Devisenmangels wurden über die seit 1931 bestehende Devisenbewirtschaftung hinaus die Rohstoff- und Warenimporte gedrosselt, die Ausfuhr mit aufwendigen, von der Industrie finanzierten Subventionen gefördert. Die Importbeschränkungen trafen vor allem die Textil- und Lederindustrie, Ssie musste auf die Fertigung importsubstituierender „Ersatzstoffe“ ausweichen, damit die Belieferung rüstungsrelevanter Industrien mit unverzichtbaren Rohstoffimporten gesichert war.19 Die Regulierungen standen im Gegensatz zu den früheren wirtschaftsliberalen Vorstellungen vieler Industrieller, wurden jetzt aber als unausweichlich allgemein akzeptiert. Auch weil Autarkiebestrebungen seit Anfang der 1930er- Jahre in vielen Ländern zunahmen und international als zeitgemäße Politik galten.
Von dem einseitig von der Inlandsnachfrage getragenen Wachstum profitierten vor allem die Großeisenindustrie, die Metallindustrie und das Baugewerbe. Dagegen blieb die Textilindustrie wegen der Importbeschränkungen zurück, die Kreditinstitute konnten die Folgen der Bankenkrise von 1931 noch länger nicht überwinden und der Einzelhandel litt unter der Verfolgung der zahlreichen jüdischen Firmeninhaber.
Die zunächst verdeckt anlaufende Aufrüstung konnte sich in der Wirtschaft auf einen breiten Konsens stützen, weil sie ein sicheres, aussichtsreiches Geschäft mit öffentlichen Aufträgen bot und die vollständige Beseitigung der im Versailler Vertrag erzwungenen Beschränkungen weithin als nationale Pflicht galt. Die Waffenschmieden aus der Zeit des Kaiserreichs konnten ihre Kapazitäten rasch wieder ausweiten. Der Schwerpunkt der Aufrüstung lag auf der Fertigung von Waffen in den Schlüsseltechnologien für einen Angriffskrieg. An erster Stelle stand hier die Luftrüstung. Oberste Priorität hatte zudem die Fertigung von synthetischem Treibstoff, später auch von synthetischem Kautschuk (Buna), um in kritischen Ressourcen der Kriegsführung von Importen unabhängig zu werden.
Die Rüstungs- und Autarkieprojekte wurden in der Regel von staatlichen Stellen an Unternehmen herangetragen und in Verhandlungen unter der Prämisse vereinbart, dass der Staat das Risiko für wirtschaftlich unrentable Projekte zu Teilen oder vollständig übernahm. Der Chemiegigant I.G. Farben erklärte sich nach Zusage staatlicher Preis- und Abnahmegarantien bereit, in die großtechnische Herstellung synthetischer Kraftstoffe einzusteigen, Spinnereiunternehmen beteiligten sich auf der Grundlage von Preisgarantien, steuerlichen Vorteilen und günstigen Krediten an den neu errichteten regionalen Zellwollewerken.20 Daimler-Benz, BMW und Auto-Union errichteten für staatliche Großaufträge Flugmotorenwerke. Um die Privatwirtschaft für die Errichtung unrentabler Rüstungsfabriken einzuspannen, wurde vielfach ein Modell praktiziert, bei dem die dem Heereswaffenamt unterstellte Verwertungsgesellschaft für Montanindustrie (MONTAN) den Bau finanzierte und das Werk anschließend an eine Betreiberfirma verpachtete.21
Das Regime zögerte nicht, Unternehmen gegenüber Zwang anzuwenden, wenn in Verhandlungen über politisch priorisierte Projekte keine Einigung erreicht werden konnte. So wurde die Braunkohlenwirtschaft per Verordnung zu einem Zwangskartell zur Herstellung synthetischer Kraftstoffe, der BRABAG, zusammengeschlossen.22 Wenn es um Machtfragen ging, erzwangen NS-Größen skrupellos Enteignungen und Übertragungen. So wurde Hugo Junkers, der Inhaber des größten deutschen Flugzeugherstellers, für die Errichtung eines rüstungswirtschaftlichen Machtblocks um das neue Reichsluftfahrtministerium Hermann Görings enteignet – ein Fall, der der gesamten Wirtschaft als Warnung vor Augen stand.23 Beim Ausbau des NSDAP-Zentralverlags zu einem monopolistischen Pressekonzern wurden auch Großindustrielle wie Paul Reusch und Robert Bosch gezwungen, ihre Zeitungsverlage abzugeben. Häufiger kam es vor, dass gierige regionale Machthaber nach Unternehmen griffen. Die Thüringische Landesregierung konnte vom Reichswirtschaftsministerium noch daran gehindert werden, die Betriebe der Carl-Zeiss-Stiftung unter ihre Kontrolle zu bringen. Der thüringische Gauleiter Fritz Sauckel errichtete dann auf der Grundlage des „arisierten“ Simson-Konzerns ein eigenes Wirtschaftsimperium.24 Der ostpreußische Gauleiter Erich Koch eignete sich einen persönlichen Konzern aus Zeitungsverlagen, Industriebetrieben und Landgütern an.25
„Betriebsführer“ in der „Betriebsgemeinschaft“
Innerhalb der Betriebe erhielten die Unternehmensleitungen durch das nationalsozialistische Arbeitsrecht weitreichende Befugnisse. Das Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit vom 20. Januar 1934 wertete den Unternehmer zum „Betriebsführer“ auf und stattete ihn mit einem Weisungsrecht gegenüber der zu Gehorsam verpflichteten „Gefolgschaft“ aus. In der Leitung der Unternehmen wurde das „Führerprinzip“ nur formal gehandhabt, die Entscheidungshierarchien bestanden fast unverändert fort, aber die Stellung des Vorstands war nun deutlich stärker, nach dem Aktiengesetz von 1937 auch gegenüber dem Aufsichtsrat.
Gerne beschworen Unternehmer und Manager das im Arbeitsordnungsgesetz eingeführte Leitbild der „Betriebsgemeinschaft“ als Vorstufe der „Volksgemeinschaft“, besonders bei Propagandaveranstaltungen wie den von der DAF durchgeführten Betriebsappellen. Die gängige Parole dürfte in vielen Unternehmen zur ideologischen Durchdringung beigetragen haben. Über die tatsächlichen Verhältnisse sagte sie ebenso wenig aus wie das bei den Betriebsappellen zelebrierte Bild einer angeblichen Einheit aus Arbeitgebern, Angestellten- und Arbeiterschaft. Faktisch konnten die Unternehmensleitungen in innerbetrieblichen Angelegenheiten seit Beseitigung der gewählten Betriebsräte im Frühjahr 1933 weitgehend eigenmächtig handeln. Der aus Arbeiternehmern bestehende Vertrauensrat durfte den „Betriebsführer“ nur beraten und tagte unter dessen Vorsitz. Für die Vorstände war dieses Gremium in der Regel nicht mehr als ein Hilfsorgan der Unternehmensleitung, mit dem sie auf einzelnen Gebieten wie dem Arbeitsschutz zusammenarbeiteten.26
Mit wenig Erfolg versuchte die DAF, über ihre Betriebsfunktionäre und die Vertrauensräte in den Unternehmen Einfluss zu gewinnen. Über den ab 1936 jährlich stattfindenden „Leistungskampf deutscher Betriebe“ gelang es der DAF zwar, ihre Ideologie weiter zu verankern, aber auf die Unternehmen konnte sie nicht wirklich Druck ausüben. Der Wettbewerb war in der Arbeitnehmerschaft beliebter als bei den Arbeitgebern, weil die Auszeichnungen für eine vorbildliche Gestaltung der „Betriebsgemeinschaft“ auch nach sozialen Leistungen der Bewerber vergeben wurden. Fast 300 Unternehmer erhielten bis 1940 die höchste Auszeichnung als „Nationalsozialistischer Musterbetrieb“. In diesem propagandistisch wirksamen Bekenntnis zur nationalsozialistischen Betriebsideologe spiegelte sich wohl zumeist die politische Haltung des Vorstands wider.27 In den ersten Kriegsjahren wurden dann auch Unternehmen als Musterbetriebe ausgezeichnet, in denen die Leitung ein konfliktreiches Verhältnis zu DAF-Funktionären hatte.28
Die Raubwirtschaft der „Arisierungen“
In Deutschland erfolgte die „Arisierung“ jüdischen Firmenbesitzes ohne gesetzliche Vorgabe bis die Inhaber ab dem Frühjahr 1938 unter wachsendem staatlichen Verkaufsdruck standen und durch die „Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben“ vom 12. November 1938 gezwungen wurden, ihr Geschäft zu schließen oder zu verkaufen.29 Die Motive der Käufer waren vielfältig, aber die meisten waren im weitesten Sinne ökonomisch, nur wenige handelten aus ideologischem Antrieb. Zu den „Ariseuren“ gehörten Konjunkturritter, die sich aus Raffgier planlos bereicherten, ebenso wie Investoren, die unterbewertete Firmen aufkauften, und Angestellte, die durch den Kauf zu Unternehmern wurden. In den größeren bekannten Fällen handelten die Käufer eher nach einem unternehmerischen Kalkül, indem sie einen Konzern gezielt erweiterten, einen Wettbewerber übernahmen oder sich neue Kundenkreise und Absatzgebiete erschlossen.
Unterschiedlich war auch das Verhalten der „Ariseure“. Ein großer Teil drückte den Kaufpreis skrupellos über die generelle Unterbewertung hinaus, andere begnügten sich damit, von dem bestehenden Verfolgungsdruck mit einer äußerlich korrekt durchgeführten Besitzübertragung zu profitieren. Eine Minderheit, nach einer Schätzung für Hamburg zählten dazu rund 20 Prozent, war bemüht, einen „fairen“ Preis zu zahlen.30 Niemand musste sich an den „Arisierungen“ beteiligen. Dennoch erfolgten in Frankfurt am Main über 40 Prozent aller „Arisierungen“ vor Ende 1937, also unter dem Druck systematischer Ausgrenzungen und Ressourcenverknappung, aber noch ohne gesetzlich verordneten Zwang. In Berlin ging die Zahl jüdischer Gewerbebetriebe in diesem Zeitraum um fast 30 Prozent zurück.31 Insgesamt wurde der kleinere Teil des jüdischen Firmenbesitzes durch Besitzübertragung auf Nichtjuden „arisiert“. Die meisten Betriebe wurden liquidiert.
Die Ausgrenzung der Juden führte schnell zu einem enthemmten Geschäftsverhalten ihnen gegenüber. Was früher als unmoralisch und Verstoß gegen die Geschäftsbedingungen gegolten hätte, entsprach jetzt dem Standard. Etwa wenn Banken nicht mehr die Interessen jüdischer Firmenkunden verfolgten und ihnen Kredite verweigerten oder kündigten, um den „Ariseuren“ zu günstigen Übernahmen zu verhelfen. Die Übervorteilung der Verkäufer bis hin zur völligen Ausplünderung gehörte zu den Regeln dieser Besitzübertragungen, die nichts anderes als staatlich legalisierter Raub waren und in den Fällen, in denen Kaufinteressenten die Gestapo einschalteten, auch räuberische Erpressung. Eine „Erosion der Kaufmannsmoral“ hatte es schon früher gegeben, besonders in der Inflationszeit, aber nicht im Rahmen rassistischer Verfolgung und einer Gewaltherrschaft.32
Unter den zahllosen Profiteuren der „Arisierungen“ sind Friedrich Flick und Günther Quandt die Prominentesten. Beide nutzten die Käufe zu einem planmäßigen Ausbau ihrer Konzerne in den jeweiligen Branchen, wobei Flick mehr als jeder andere Großindustrielle von der Gunst Görings profitierte.33 In Branchen wie dem Einzelhandel und dem Textilsektor, in denen der Anteil jüdischer Geschäftsinhaber sehr hoch lag, eröffneten sich für „Ariseure“ Chancen, wie es sie sonst nicht gab. Der Jungunternehmer Josef Neckermann konnte im Alter zwischen 23 und 26 Jahren mehrere Zwangsverkäufe verfolgter Juden zu einem steilen Aufstieg nutzen, der Kaufmann Helmut Horten im Alter zwischen 27 und 30 Jahren.34 Der Versandhausgründer Gustav Schickedanz konnte seinen Besitz durch die Übernahme mehrerer Firmen aus jüdischem Eigentum substantiell erweitern, unterlag aber im „Arisierungswettlauf“ um eine Papierfabrik trotz Protektion durch zwei Gauleiter dem Zigarettenpapierfabrikanten Fritz Kiehn, der noch hochrangigere politische Verbindungen hatte.35 Eine besondere Rolle spielten die Banken, die vor allem von der „Arisierungs“-Vermittlung profitieren und darin eine Expertise als eine Art Serviceangebot entwickelten, um Kaufinteressenten aus der Kundschaft an sich zu binden und neue Geschäftsverbindungen zu gewinnen.36
Im Übergang zur Kriegswirtschaft
Nach Verkündung des Vierjahresplans im September 1936 und Errichtung der mit weitreichenden Kompetenzen ausgestatteten, von Göring geleiteten Vierjahresplanbehörde war die deutsche Wirtschaft vollends von einer Staatskonjunktur geprägt. Mehr als die Hälfte aller industriellen Investitionen entfiel jetzt auf besonders kriegswichtige Bereiche. Da dieses Programm rasch zu Engpässen bei der Stahlversorgung führte, wurde im Februar 1937 eine Kontingentierung für Eisen und Stahl nach politischen und rüstungswirtschaftlichen Prioritäten eingeführt, von der praktisch die gesamte Industrie betroffen war.37 Großinvestitionen konnten nur noch nach Vorgaben des Regimes erfolgen.

Bekannte Beispiele zeigen, dass die Unternehmen auf der Mikroebene weiterhin den Spielraum hatten, sich nicht auf politisch initiierte Projekte einzulassen, wenn keine Gewinne zu erwarten waren – aber ebenso, dass der Staat sie in jedem Fall durchsetzen konnte. Die Montankonzerne des Ruhrgebiets, vor allem der „Stahltrust“ Vereinigte Stahlwerke, hielten es für zu riskant und unrentabel, in die von der Politik geforderte Verhüttung „armer“ inländischer Eisenerze zu investieren. Sie konnten sich dem entziehen, aber nicht verhindern, dass Göring ihre Erzfelder bei Salzgitter enteignete und einen nach ihm benannten Staatskonzern zur Durchführung dieses rüstungs- und autarkiewirtschaftlichen Großprojekts gründete.38 Der Reichsverband der Deutschen Automobilindustrie konnte sich für ein unrentables Lieblingsprojekt Hitlers, den von seinem Günstling Ferdinand Porsche konstruierten „Volkswagen“, nicht begeistern. Hitler übertrug daraufhin den Bau des Volkswagenwerks der DAF. Den Automobilindustriellen gab er eine unverhohlene Drohung mit: „Entweder die sogenannte freie Wirtschaft ist fähig, die Probleme zu lösen oder sie ist nicht fähig, als freie Wirtschaft weiterzubestehen!“39
Im Umkehrschuss bedurfte es überall dort nicht staatlicher Eingriffe, wo die „freie Wirtschaft“ dem Regime gute Dienste leistete. So wurden die in der Bankenkrise von 1931 verstaatlichten Großbanken, die Dresdner Bank und die Commerzbank, 1936/37 reprivatisiert. In der Versicherungswirtschaft drängte die mit „Alten Kämpfern“ der NSDAP besetzte Führung der Wirtschaftsgruppe öffentlich-rechtliche Versicherung wiederholt vergeblich auf eine Verstaatlichung der privaten Versicherer. Hitler wollte an der bestehenden Struktur der Branche festhalten, zumal die privaten Versicherer den Erwartungen des Regimes entsprachen wie im November 1938 beim Umgang mit den Schäden aus der Pogromnacht.40
Die deutsche Wirtschaft war jetzt eine andere als 1933. Viele Unternehmer und Manager, die damals nicht in die NSDAP eingetreten waren, entschlossen sich 1937, nach Lockerung der seit vier Jahren bestehenden Aufnahmesperre, dazu.41 Die Motive waren auch jetzt unterschiedlich. Allgemein war die Zustimmung zur nationalsozialistischen Herrschaft noch stärker geworden, zumal die Gewinne in der Industrie seit 1935 auf einem Niveau lagen, das in der Weimarer Republik nie erreicht worden war.42 Häufig war auch die stark gewachsene Bedeutung der öffentlichen Aufträge ausschlaggebend. Wie weit sich damit eine ideologische Nähe zum Regime verband, kann auch bei diesen Parteieintritten nur im Einzelfall beurteilt werden. Selbst der Ehrentitel “Wehrwirtschaftsführer“, mit dem nun Unternehmer, Manager und Ingenieure in großer Zahl bedacht wurden, belegt nicht mehr als eine besondere rüstungswirtschaftliche Bedeutung der Träger.43
Verstärkt buhlten jetzt Spitzen der Wirtschaft mit und ohne Parteibuch um die Gunst des Machtzentrums, hielten sich nicht mit Spenden an den für seine Raffgier berüchtigten Göring zurück und überwiesen bei einer Einladung in den „Freundeskreis Reichsführer SS“ hohe Beträge auf ein Sonderkonto Heinrich Himmlers. Geschäftlich erfolgreich waren auch Konzerne, die ohne solche Verbindungen auskamen wie die Gutehoffnungshütte des „Ruhrbarons“ Paul Reusch. Doch eine zielstrebige Expansion, wie sie der Großindustrielle Friedrich Flick zu allen Zeiten skrupellos betrieb, war nur mit politischer Protektion und im Zusammenspiel mit dem Regime möglich.
Von entscheidender Bedeutung wurden politische Verbindungen besonders bei Firmenübernahmen im 1938 annektierten Österreich, im neuen Reichsgau Sudetenland und dann auch im Protektorat Böhmen und Mähren. Vermittler und Käufer waren hier an Entscheidungen politischer Instanzen gebunden. Entsprechend wurde der Staatskonzern Reichswerke „Hermann Göring“ zum größten Profiteur der „Neuordnung“ in diesen Gebieten. Die Deutsche Bank und die Dresdner Bank konkurrierten hart um die dortigen Großbanken und stellten sich dabei als Dienstleister des Reichs dar. Der Branchenprimus Deutsche Bank erhielt in Wien den Vorrang, die regimenähere Dresdner Bank in Prag, was es ihr ermöglichte, eine Schlüsselrolle bei der „Arisierung“ und „Germanisierung“ der Montanindustrie in der zerschlagenen Tschechoslowakei einzunehmen.44
Die „Arisierungen“ wurden in den annektierten Gebieten auf der Grundlage der 1938 im Reich erfolgten Radikalisierung durchgeführt. Die jüdischen Firmeninhaber durften über ihr Vermögen nicht mehr verfügen und mussten unter staatlichem Zwang verkaufen. Im annektierten Österreich erfolgten die Zwangsverkäufe nach einer Phase „wilder Arisierungen“ bei Großunternehmen unter der Regie des Reichswirtschaftsministerium, bei anderen Firmen über die 1938 als „Arisierungsbehörde“ errichtete Vermögensverkehrsstelle.45
Mobilisierung der Ressourcen: Unternehmensstrategien in der Kriegswirtschaft
Bei Kriegsbeginn konnten die Lenkungsinstanzen der NS-Wirtschaft an die bestehenden Regulierungen und Bewirtschaftungen anknüpfen. Nun drängten sich auch Unternehmen nach Wehrmachtsaufträgen, die dies bislang vermieden hatten.46 So weit wie möglich hielten die Unternehmen an zivilen Fertigungen fest. Da allgemein nicht von einer längeren Dauer des Krieges ausgegangen wurde, wollte man auf die anschließende „Friedenszeit“ vorbereitet sein. Die Konsumgüterindustrie wurde hart von Kürzungen der Rohstoffzuteilung getroffen. So ging die Fertigung von Schuhen für den zivilen Bedarf im ersten Kriegsjahr um 50 Prozent zurück.47 Doch die Nahrungs- und Genussmittelhersteller fuhren mit der zivilen Nachfrage trotz der bei Kriegsbeginn eingeführten Lebensmittelrationierung weiterhin gut. Für Oetker waren die Puddingpulverlieferungen an das Heeresverpflegungsamt eher ein werbewirksames Nebengeschäft, Bahlsen legte großen Wert darauf, dass seine Backwaren als „beinahe friedensmäßig“ geschätzt wurden und nicht als „Kriegsware“ galten.48 Bei den Kraftfahrzeugherstellern brach dagegen die zivile Nachfrage durch die Bewirtschaftungsbestimmungen weg. Sie stellten weitgehend auf Rüstungslieferungen um, produzierten Lastwagen und Motorräder für das Heer, Motoren für die Kriegsmarine und vor allem Flugmotoren für die Luftwaffe. Das vor Kriegsbeginn gegründete Werk für den stark propagandistisch beworbenen „Volkswagen“ fertigte nach seiner Eröffnung nur Kübelwagen, Bomben und Flugzeugteile für die Wehrmacht.49
In der Erwartung, von den Eroberungen der Wehrmacht profitieren zu können, expandierten viele Unternehmen in besetzte Länder. Von den Behörden mussten sie nicht dazu gedrängt werden. Als Anreiz reichten die Aussicht auf Erweiterung des Geschäfts und das Interesse, diese Chance nicht der Konkurrenz zu überlassen. Die Formen der Expansion waren so unterschiedlich wie die geschäftliche Ausrichtung der beteiligten Firmen und die politischen Vorgaben. In der Montanindustrie Lothringens wurden die Hüttenwerke nach einem Verteilungsplan des Reichswirtschaftsministeriums vergeben, der die Reichswerke „Hermann Göring“ vorrangig bedachte. Dahinter kam der Flick-Konzern zum Zug, während Krupp leer ausging.50 Chemieunternehmen interessierten sich besonders für Übernahmen und „Verflechtungen“ in den Niederlanden. Doch dort konnten die Inhaber einen Verkauf ablehnen, nur „arisierte“ Firmen wurden zum Kauf frei gegeben.51 Mittlere Unternehmen, vor allem aus der Textil- und Bekleidungsindustrie, suchten Betriebe aus ihrer Branche zum Kauf, um die Fertigung durch Verlagerungen auszubauen oder aufrechtzuerhalten. Sie konnten sich häufig durch Übernahmen in den annektierten Gebieten der Tschechoslowakei passend erweitern, während die Rüstungsproduzenten im großen Stil Wehrmachtsaufträge in französische, belgische und niederländische Unternehmen verlegten.52
In den annektierten polnischen Gebieten ging die Raubwirtschaft der Besatzer mit einer gewaltsamen „Germanisierung“ durch Zwangsumsiedlung und Deportation der Bevölkerung einher. Die Betriebe jüdischer wie nichtjüdischer Inhaber wurden vom Reich beschlagnahmt, unterstanden der Haupttreuhandstelle Ost (HTO) und wurden von ihr veräußert.53 Kaufinteressenten aus der deutschen Wirtschaft setzten auf die Rassen- und Siedlungsideologie vom „Lebensraum im Osten“, wenn sie, in der Regel über Banken, mit der HTO in Verhandlungen eintraten. Wo die vertriebenen Geschäftsinhaber verblieben waren, wurde nicht hinterfragt. Aber jeder wusste es.
Im Frühjahr 1942 wurde unter dem neuen Rüstungsminister Albert Speer ein System von Ausschüssen und Ringen zur Lenkung der Rüstungswirtschaft gebildet, das mit führenden Industriellen besetzt und als „Selbstverwaltung der Industrie“ propagiert wurde.54 Tatsächlich hatten diese Organe zwar Weisungsbefugnisse gegenüber den Unternehmen, aber keinen Spielraum gegenüber der gleichzeitig errichteten Zentralen Planung. Ihre eigentliche Aufgabe lag darin, auf der betrieblichen Ebene Vorgaben der Planung in Verbindung mit Rationalisierungen und Produktivitätssteigerungen umzusetzen. Die Kapazitäten der Investitionsgüterindustrie wurden in große Rüstungsprogramme für den Panzerbau, den Bau der „V2“-Rakete (A 4-Programm) und die Luftrüstung eingebunden. Um für die Rüstungsfertigung zusätzliche Kapazitäten zu gewinnen, wurden in großem Umfang Unternehmen ohne „kriegswichtige Erzeugnisse“ und „Sonderaufträge“ stillgelegt. Betroffen waren viele Textilunternehmen, aber auch die Büromaschinenhersteller und Teile des Lokomotivbaus. Mit den berüchtigten „Auskämmaktionen“ in den Werken wurden Beschäftigte in kriegswichtige Betriebe umgesetzt oder den Arbeitsämtern als „kriegsverwendungsfähig“ gemeldet, um in der Wehrmacht nach den schweren Verlusten im Osten die Reihen wiederaufzufüllen.
Es schien, als könne sich kein Betrieb dieser rigiden Lenkung entziehen. Zwar waren bis zu 12.000 an der Rüstungsproduktion beteiligte Firmen von Speers Apparat nicht vollständig zu kontrollieren, aber die Unternehmen waren auch im eigenen Interesse bestrebt, ihr Rüstungsgeschäft auszubauen.55 Dabei ging es weniger um die Höhe der Gewinne, deren Besteuerung während des Krieges schärfer geworden war.56 Wichtiger war die Zuteilung von Ressourcen, um die Fertigung aufrechterhalten zu können und möglichst gut ausgerüstet in die Nachkriegszeit zu kommen. Dafür waren als besonders kriegswichtig priorisierte Aufträge nicht nur hilfreich, sondern geradezu unverzichtbar.57 Seit Beginn der großflächigen Luftangriffe hatten die Verlagerungen in Ausweichwerke eine ähnlich hohe Priorität. War man früher eher auf Drängen des Militärs und der Rüstungsbehörden zur Errichtung aufwendiger Parallelfertigungen in scheinbar luftkriegssicheren Regionen übergegangen, so kam es nun zu einem Wettlauf um entlegene Ausweichstandorte.
Nach Zunahme der schweren Luftangriffe begannen 1943 Untertageverlagerungen, erst für den Bau der A4 („V“)-Rakete, dann für die Fertigung des ebenfalls als „Wunderwaffe“ geltenden Düsenjägers Me 262 der Messerschmitt GmbH („Jägerfabriken“), später auch für Hydrierwerke von mehr als einem Dutzend Unternehmen („Mineralölsicherungsplan“). Die Großbaustellen und Fertigungsstätten der unterirdischen Fabriken wurden zur Mordmaschinerie für die in Massen eingesetzten KZ-Häftlinge und Kriegsgefangenen.58 Ab dem Frühjahr 1944 ordnete das Speer-Ministerium großflächig Untertageverlagerungen kriegswichtiger Fertigungen aus mehreren Branchen, vor allem dem Maschinen- und Fahrzeugbau, an. Die meisten Vorhaben scheiterten an fehlenden Arbeitskräften und bautechnischen Hindernissen. Die verlagernden Unternehmen waren auch in die Bauarbeiten eingebunden. Gegenüber der Errichtung komplexer Fertigungen in Bergwerkstollen und Steinbrüchen gab es technische Einwände, doch war das Interesse groß, Ausrüstungen dort in Sicherheit zu bringen, die nach dem Krieg gebraucht würden.59
Seit dem Sommer 1944 rückte der Kriegsausgang ständig näher. Unter der Hand ließ in manchen Unternehmen das Interesse an Wehrmachtsaufträgen nach. Die Degussa löste sich aus einigen Verträgen für kriegswichtige Fertigungen, bei Daimler-Benz waren schon Anfang 1944 Werkzeugmaschinen aus dem Panzerbau in die Lastkraftwagenfertigung verlegt worden.60 Andere Unternehmen setzten weiterhin auf eine Steigerung der Rüstungsproduktion. Die HASAG fuhr im Herbst 1944 auf Anordnung Hitlers und Speers die Fertigung von Panzerfäusten hoch.61 Bei den I.G. Farben kamen in völliger Verkennung der Realität noch Anfang 1945 Überlegungen auf, ein weiteres Buna-Werk zu errichten.62 Die Großbanken waren durch das System der Kriegsfinanzierung an das Schicksal des Reichs gebunden. Längst bestand der größte Teil ihrer Aktiva aus Staatspapieren.63 Koordinierte Transfers großer Vermögen in neutrale Länder hat es nicht gegeben, sie entstanden erst als Legende eines alliierten Nachrichtendiensts.
Die Zwangsarbeit und die Verantwortung der Unternehmen
Da die Stammbeschäftigten der Unternehmen in immer größerem Umfang zur Wehrmacht einberufen wurden, wäre es in der NS-Kriegswirtschaft ohne den Einsatz von Millionen Zwangsarbeitskräften nicht möglich gewesen, das Produktionsniveau zu steigern oder auch nur zu halten. Während des Zweiten Weltkrieges waren im Reich rund 13,5 Mio. Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter eingesetzt, darunter 8,4 Mio. Zivilisten aus besetzten Gebieten und anderen Ländern, 4,6 Mio. Kriegsgefangene und 1,7 Mio. KZ-Häftlinge und „Arbeitsjuden“.64 Nach der vom NS-Staat vorgegebenen rassenideologischen Hierarchie waren Zivilarbeiter und Kriegsgefangene aus westeuropäischen Ländern ungleich bessergestellt als Zwangsarbeitskräfte aus Polen und die aus besetzten Gebieten der Sowjetunion verschleppten „Ostarbeiter“, die mit Hungerlöhnen abgefunden wurden. Am unteren Ende standen hinter den sowjetischen Kriegsgefangenen die KZ-Häftlinge, die ab Spätsommer 1942 in großem Umfang von der SS an die Rüstungsindustrie ausgeliehen wurden.65
Innerhalb der Industrie richtete sich die Zuteilung der Zwangsarbeitskräfte nach der rüstungswirtschaftlichen Bedeutung der Betriebe. Ihr durchschnittlicher Beschäftigtenanteil lag im Sommer 1944 in der Industrie bei rund 25 Prozent, im Handel bei zehn Prozent.66 Am höchsten lag dieser Anteil in Werken, die als Ausweichbetriebe für Rüstungsfertigungen errichtet worden waren wie das Flugmotorenwerk von Daimler-Benz in Genshagen, wo Ende 1944 rund zwei Drittel der Belegschaft aus Kriegsgefangenen und ausländischen Zivilarbeitern bestanden. Ähnlich hoch lag der Anteil im Volkswagenwerk, das vor dem Krieg noch keine Fertigung hatte.67 Am schlechtesten waren die Verhältnisse in Betrieben, in denen KZ-Häftlinge eingesetzt wurden. Hier waren der Barbarei keine Grenzen gesetzt wie im Werk Gröditz des Flick-Konzerns, wo auf 900 KZ-Häftlinge 170 Hinrichtungen kamen.68
Nach dem Krieg berief sich die deutsche Wirtschaft lange darauf, dass sie auf den staatlich gelenkten Einsatz ausländischer Arbeitskräfte während des Krieges keinen Einfluss gehabt hätte. Tatsächlich hatte der deutsche Staat die Hauptverantwortung, doch die Unternehmen waren als Einsatzträger mitverantwortlich. Es steht außer Zweifel, dass die Zuteilung ausländischer Zivilarbeiterinnen und Zivilarbeiter nach anfänglichen Vorbehalten zumeist von Anforderungen der Unternehmen ausging. Sie waren für die Unterbringung in den Baracken, die Verpflegung, die Einrichtung der Arbeitsplätze und den Umgang mit Verstößen zuständig. Hier bestanden erhebliche Spielräume. Die „Fremdarbeiter“ waren der Willkür von Werkmeistern, Küchenchefs und Lagerleitern ausgesetzt, besonders auch der Observierung durch die Abwehrbeauftragten in den Betrieben, die einen direkten Draht zur Gestapo hatten. Die Unternehmensleitungen setzten sich am ehesten für die Verbesserung einzelner Versorgungsmängel ein, unter denen ganz offensichtlich die Leistungsfähigkeit der Zwangsarbeiter litt.
Beispiele aus vielen Unternehmen zeigen, dass das Verhalten gegenüber ausländischen Zwangsarbeitskräften von rassistischer Diskriminierung geprägt war. Während gegenüber „Westarbeitern“ Standards eingehalten wurden, an die man sich gebunden fühlte, konnten „Ostarbeiter“ und sowjetische Kriegsgefangene selten mit Nachsicht rechnen. Sie waren häufiger willkürlicher Gewalt ausgesetzt, wurden bereitwilliger denunziert und härter bestraft. Oft wurden sie auch für die schwersten Arbeiten eingesetzt. So kamen Ende 1944 im Ruhrbergbau rund zwei Drittel aller ausländischen Arbeitskräfte aus der Sowjetunion.69 Unter dem Trommelfeuer der Goebbels-Propaganda gab es in Betrieben wie in der Öffentlichkeit Beschwerden über eine angeblich zu gute Behandlung der russischen Zwangsarbeiter, wie sie zum Umgang mit den besser gestellten französischen Zwangsarbeitern nicht vorgebracht wurden („Ob es deutsche Frauen und Mädchen im politischen Russland wohl ebenso gut hätten?“).70 Doch gibt es auch Belege für solidarisches Verhalten in der deutschen Belegschaft gegenüber „Ostarbeitern“ wie gegenüber „Westarbeitern“ und Beispiele, in denen Leistungen von „Ostarbeiterinnen“ und „Ostarbeitern“ vorbehaltlos Anerkennung fanden.71
Betriebswirtschaftlich gesehen profitierten die Unternehmen am stärksten vom Einsatz der „Ostarbeiter“. Im Verhältnis zu deutschen Arbeitskräften war hier der Abstand bei den Arbeitskosten größer als bei der Arbeitsproduktivität, während Zivilarbeiter aus westeuropäischen Ländern vergleichsweise „teuer“ waren.72 Gleichwohl waren die Unternehmen bemüht, vorrangig „Westarbeiter“ zugeteilt zu bekommen. Dabei mögen Ressentiments mitgespielt haben, doch entscheidend wird die zumeist bessere Ausbildung der Zwangsarbeiter aus Westeuropa gewesen sein. Priorität hatte für die Unternehmen offensichtlich nicht die Kostenersparnis, sondern das Interesse, die Anforderungen der Kriegswirtschaft zu erfüllen und auf einem hohen Produktionsniveau durch den Krieg zu kommen. Dieses Kalkül ging aber nur auf, indem alle verfügbaren Arbeitskraftreserven, als letzte die aus den Konzentrationslagern, ausgeschöpft wurden.
Bis zu 370.000 Häftlinge aus KZ-Außenlagern wurden während der letzten Kriegsjahre in Industrieunternehmen und unterirdischen Verlagerungsprojekten eingesetzt, darunter in Werken von BMW, Daimler-Benz, Steyr-Daimler-Puch, Auto Union, Junkers, Krupp, Rheinmetall-Borsig, Siemens, Bosch, Degussa, I.G. Farben, BRABAG und im Volkswagenwerk.73 Gezwungen war dazu kein Unternehmen. Wenn die Initiative zur Zuteilung von KZ-Häftlingen von den Rüstungsbehörden ausging, konnten sie noch ablehnen. In den meisten Fällen erfolgte die Zuteilung aber auf Antrag der Unternehmen.74

Siemens nutzte alle Möglichkeiten, Häftlinge zugewiesen zu bekommen. Als die seit 1940 in den Berliner Werken zwangsweise im „geschlossenen Arbeitseinsatz“ beschäftigten Juden zunehmend deportiert wurden, errichtete der Konzern Fertigungsstätten neben dem Frauenkonzentrationslager Ravensbrück. Dann kamen ein Außenlager des KZ Sachsenhausen in Siemensstadt sowie Ausweichfertigungen im KZ Groß-Rosen und einem Außenlager des KZ Auschwitz-Birkenau hinzu.75 Andere Unternehmen nutzten die Ghettos und Konzentrationslager in Polen als Arbeitskräftereservoir. Mehrere Firmen der Bekleidungsindustrie, an erster Stelle die Josef Neckermanns, konnten sich ab 1941 große Aufträge sichern, indem sie in den Schneidereien des Ghettos Litzmannstadt (Łódź) fertigen ließen.76 Der Rüstungskonzern HASAG betrieb im Generalgouvernement eine umfangreiche Produktion mit „Arbeitsjuden“ aus den Ghettos, von denen nach Schätzungen rund 14.000 in den Lagern der Werke starben.77 Die I.G. Farben kam mit der Entscheidung, ihr viertes Buna-Werk in Schlesien zu errichten, den Behörden und dem Militär entgegen. An dem neuen Standort Auschwitz (Oświęcim) konnte der Konzern produktionstechnische und topografische Vorteile nutzen, aber auch von dem bereits bestehenden Konzentrationslager (Stammlager) profitieren.78 Mit dem Bau des KZ Auschwitz III (später KZ Monowitz) auf dem Werksgelände band sich die I.G. Farben hier eng an die SS. Mehr als zwei Drittel der bis zu 12.000 Häftlinge sind in diesem Konzentrationslagers gestorben oder nach Überstellung in das nahegelegene Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau ermordet worden.79
Geschäfte mit der SS
Die SS hatte vielseitige Geschäftsbeziehungen zur Privatwirtschaft, die sich 1938 mit der Errichtung eines Wirtschaftsimperiums aus Häftlingsbetrieben noch verstärkten. So versicherten vom Allianz-Konzern geführte Konsortien Werkstätten der SS-Betriebe in mindestens sieben Konzentrationslagern, auch in Auschwitz, und schlossen Verträge mit dem Ghetto in Lodz ab.80 Bei der Dresdner Bank spielten die Geschäfte mit der SS eine besondere Rolle, weil sie mit einer politischen Verbindung in Zusammenhang standen. Über die Vorstandsmitglieder Emil Meyer und Karl Rasche, die Ehrenoffiziere der SS waren und dem „Freundeskreis Reichsführer SS“ angehörten, wurden Kredite für Häftlingsbetriebe eingefädelt. Zu den Kunden der Bank gehörten ganze Einheiten der SS und auch das Reichssicherheitshauptamt.81
Wie die Dresdner Bank hatten die Deutsche Bank und die Commerzbank Firmenkunden, die am Bau der Krematorien im Vernichtungslager Auschwitz beteiligt waren.82 Bei den Banken wird man von diesen Aufträgen ihrer Kunden gewusst haben, aber wie genau das Wissen war, muss offenbleiben. Näheres ist über den Krematoriumsanlagenhersteller Topf & Söhne bekannt, der bei allen drei Filialgroßbanken zu den Firmenkunden gehörte. Das Erfurter Familienunternehmen belieferte mehrere Konzentrationslager mit Krematoriumsöfen und stellte Entlüftungsanlagen für die Gaskammern in Auschwitz her, die wie die Öfen vor Ort installiert wurden. Wirtschaftlich waren diese Aufträge für das Unternehmen, das seinen Umsatz vor allem mit Dampfkessel- und Mälzereianlagen bestritt, ohne größere Bedeutung. Aber die Firmeninhaber und die beteiligten Ingenieure sahen darin eine technische Leistung, auf die sie stolz waren.83
Zu den Unternehmen, die von Verbrechen in den Konzentrationslagern profitierten, gehörten auch Firmen aus der Konsumgüterindustrie. Auf einer vom Reichsamt für Wirtschaftsausbau im KZ Sachsenhausen eingerichteten „Schuhprüfstrecke“ ließen Schuhhersteller wie Fagus, Freudenberg und Salamander, aber auch der Gummi-Konzern Continental, mit tödlichen Menschenversuchen die Haltbarkeit von Sohlen und Absätzen aus Lederersatzstoffen testen.84
Der Chemie- und Edelmetallkonzern Degussa profitierte auf zwei Gebieten von Geschäften mit Verbrechen in den Vernichtungslagern. Als führende deutsche Scheideanstalt verarbeitete die Degussa für das Reich außer großen Mengen konfiszierten Edelmetalls der jüdischen Bevölkerung und geraubter Edelmetalle aus besetzten Ländern das Zahngold von KZ-Opfern, das dann von der Reichsbank, auch über die Deutsche und die Dresdner Bank, „verwertet“ wurde.85 Als maßgeblicher Großaktionär stand die Degussa mit der Degesch in enger Verbindung, die das Giftgas Zyklon B über ihre Vertriebsfirma Tesch & Stabenow (Testa) für die Gaskammern in Auschwitz und an fünf weitere Konzentrationslager lieferte.86 Die Geschäftsführer der Degesch und der Testa wussten sehr genau, wozu die Lieferungen dienten. Dass es ihnen fern lag, sich der Beteiligung an diesem verbrecherischen Geschäft zu entziehen, kann nicht mit wirtschaftlichen Interessen erklärt werden. Dazu war der Anteil am Umsatz zu gering. Wie die Degussa-Studie von Peter Hayes zeigt, ging es Degesch-Geschäftsführer Gerhard Peters darum, „seinem Produkt, der Firma und seinen politischen Überzeugungen zu dienen“.87
Zur Logik des unternehmerischen Verhaltens im Nationalsozialismus
In manchem unterschied sich das Unternehmertum im „Dritten Reich“ nicht viel von anderen Eliten der damaligen deutschen Gesellschaft. Gemeinsam war ihnen das hohe Maß an grundsätzlicher Zustimmung zum Regime und ein weit über dem Durchschnitt der Bevölkerung liegender Anteil von NSDAP-Mitgliedern. Doch sagt dies wenig über das Verhalten aus. Es greift auch zu kurz, in den Unternehmern und Managern „willfährige Partner“ Hitlers zu sehen.88 Die meisten passten sich auch aus eigenen Erwartungen und Interessen heraus an. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme musste ihnen das Angebot des Regimes zur Mitarbeit verlockend erscheinen: Privateigentum und Vertragsfreiheit wurden unter Exklusion der rassisch und politisch Verfolgten grundsätzlich respektiert, die Position des Unternehmers wurde durch Zerschlagung der Gewerkschaften und der Arbeiterparteien gestärkt und zur Überwindung der katastrophalen Wirtschaftskrise wurden öffentliche Aufträge in bislang nicht gekanntem Umfang in Aussicht gestellt. Die Zustimmung zur nationalsozialistischen Herrschaft ging in der Wirtschaft denn auch weit über die Reihen der überzeugten Anhänger und der aus Opportunismus eingetretenen Parteimitglieder hinaus. Mit dem Aufschwung der folgenden Jahre und dem sprunghaften Anstieg der Gewinne verfestigte sie sich weiter.
Auch konnten sich Unternehmer den Mechanismen der Diktatur nicht entziehen. Mancher rechtfertigte damit seinen Opportunismus wie der Degussa-Vorstandsvorsitzende Ernst Busemann 1937 mit der lakonischen Bemerkung: „Es hat keinen Zweck gegen den Strom zu schwimmen.“89 Doch selbst Industrielle und Kaufleute, die in Distanz zum Regime standen, schwammen nicht gegen den Strom. Unternehmer vermieden dies zu allen Zeiten, weil es eine gewinnorientierte Geschäftstätigkeit nicht zulässt, sich offen gegen das Umfeld zu stellen. Im „Dritten Reich“ bedeutete „mitschwimmen“ aber, die Geschäfte – auch solche, die scheinbar „unpolitisch“ waren – unter den Konditionen einer Diktatur zu führen.
Dabei wurde eine Grenze überschritten, wenn sich Unternehmen an nationalsozialistischem Unrecht beteiligten, obwohl sie anders hätten handeln können. Sie konnten sich dem System nicht entziehen, hatten aber in ihrer Geschäftstätigkeit und betrieblichen Angelegenheiten Spielräume. Kein Unternehmen musste sich an jüdischem Eigentum bereichern, kein Unternehmen musste sich an der Ausplünderung besetzter Länder beteiligen, kein Unternehmen musste mit der SS Geschäfte machen, keine Unternehmensleitung musste die Misshandlung von Zwangsarbeitern dulden. Gleichwohl hielten sich nicht viele von solchem Unrecht fern, das auch gegen Werte verstieß, die vor 1933 noch gegolten hatten. Zu erklären ist dies nur begrenzt durch blinden Fanatismus und ausgeprägte Regimenähe. Stärker wirkten die Anreize, mit denen der NS-Staat die Wirtschaft lenkte, die Aussicht auf geschäftliche Vorteile, hohe Gewinne und oft rasche Bereicherung. Auch zeigt sich in diesem Verhalten ein hohes Maß an moralischer Indifferenz, zu dem die Gewöhnung an nationalsozialistisches Unrecht wesentlich beigetragen hatte. Wurden die „Arisierungen“ zumindest noch von einer Minderheit der Wirtschaftselite kritisch gesehen, bestanden gegen die Praktiken der Annexions- und Besatzungspolitik allenfalls vereinzelt Skrupel. Die Zwangsarbeit ausländischer Zivilistinnen und Zivilisten wurde auch später nicht als Unrecht und Verstoß gegen das Kriegsvölkerrecht, sondern nur als kriegswirtschaftliches Erfordernis wahrgenommen. Gerne wurde darauf hingewiesen, dass die Produktion nicht anders hätte aufrechterhalten werden können. Aber es gab auch keinerlei Unrechtsbewusstsein gegenüber den massenhaft damit verbundenen Verbrechen.
Im unternehmerischen Verhalten zeigen sich schließlich auch mentale Prägungen, die dem Selbstverständnis der Wirtschaftselite entsprachen. So sind bislang sind keine Fälle bekannt, in denen Vorstandsmitglieder zurückgetreten wären, um sich unrechtmäßigem Handeln zu entziehen. Sucht man nach Industriellen, die aus eigenem Antrieb das Land verlassen haben, lassen sich nur Sonderfälle wie Fritz Thyssen und August Rosterg finden.90 Dass Eigentümerunternehmer ihre Verantwortung nicht freiwillig aus der Hand gaben, ist gut nachvollziehbar. Offenbar haben sich aber angestellte Vorstände ebenso für unverzichtbar im Unternehmen gehalten. Zudem vermied es das Regime, in die Leitung privatwirtschaftlicher Konzerne einzugreifen. Die Zahl der erzwungenen Rücktritte von Industriellen ohne Verfolgungshintergrund ist sehr überschaubar. Sie nahmen erst im Laufe des Krieges zu und hingen in den prominenten Fällen Paul und Hermann Reusch, Louis und Wilhelm Merck mit politisch initiierten Machtkämpfen innerhalb des Konzerns zusammen.91
Es kam wohl nicht selten vor, dass Unternehmer und Manager einzelnen jüdischen Mitarbeitenden oder Geschäftsfreunden halfen, sich schützend vor sie stellten oder ihnen die Emigration ermöglichten ohne dabei größere Risiken für sich selbst und das Unternehmen einzugehen. Selten wagten dagegen Industrielle, einer größeren Zahl von Juden durch verdeckte finanzielle Unterstützung zur Emigration zu verhelfen, wie der Bosch-Vorstand Hans Walz. Ganz wenige gingen hohe Risiken ein, um verfolgte Juden zu retten. Von den mehr als 600 Deutschen, die in der Internationalen Holocaust Gedenkstätte Yad Vashem als „Gerechter unter den Völkern“ geehrt werden, gehörten nicht viele zur Wirtschaftselite. Die meisten waren Hausfrauen, Geistliche, Lehrer und Ärzte.92 Die bekanntesten Retter aus der Wirtschaft – Berthold Beitz, Hermann Graebe und Oskar Schindler – handelten in Polen und in der Ukraine unter dem unmittelbaren Eindruck der Massenmorde. Noch weniger als am Rettungswiderstand war die Wirtschaft am politischen Widerstand beteiligt. Außer dem im Umfeld Robert Boschs entstandenen „Bosch-Kreis“ sind nur die Industriellen Walter Cramer, Eduard Schulte und Carl Wentzel zu nennen.93 Von diesen Ausnahmen abgesehen, haben die Unternehmer keinen Widerstand gegen das NS-Regime geleistet, obwohl sie vielseitige Kontakte hatten und vergleichsweise frei reisen konnten, auch ins neutrale Ausland.94
Als plausibelste Erklärung gilt die bereits von Hans Mommsen beschriebene „ausschließliche Fixierung auf den Bestand und das Überleben des Betriebes“.95 Für eine gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmern, wie sie früher in Teilen der deutschen Wirtschaftselite bestanden hatte, ließ der NS-Staat keinen Raum. In der Öffentlichkeit erschienen auch prominente Industrielle fast nur noch in politisch inszenierten Rollen. Als sich in den letzten Kriegsjahren keine Chancen mehr eröffneten, der Druck des Rüstungsapparats stieg und die Luftkriegsschäden zunahmen, war es naheliegend, sich ganz auf das ureigenste Ziel unternehmerischen Handelns, die Sicherung des Fortbestands, auszurichten. Trotz der zunehmenden Gewaltverbrechen spielte es keine Rolle, mit welchen Praktiken man diesem Ziel näherkommen konnte. Es ist daher sehr zutreffend, die Unternehmer und Manager der NS-Zeit als „moralisch indifferenzierte Kapitalisten“ zu bezeichnen.96
Als das „Dritte Reich“ unterging, war kein Unternehmer bereit, nach Hitlers „Nero-Befehl“ Produktionsanlagen zu zerstören. Allenfalls sprengten sich Fanatiker selbst wie HASAG-Generaldirektor Paul Budin.97 Die meisten waren dabei, sich bereitwillig auf neue Verhältnisse einzustellen und das Wissen um Opfer zu verdrängen.
Alles aufgearbeitet?
Die umfangreiche Forschung zur NS-Unternehmensgeschichte kann auf den ersten Blick den Eindruck erwecken, die „Aufarbeitung“ sei geleistet. Doch Geschichte ist nie „aufgearbeitet“, sie wird immer wieder neu verstanden, und in der NS-Unternehmensgeschichte bestehen nach wie vor große Lücken. Verdeckt wird dies davon, dass die vergleichsweise gut erforschten Großunternehmen im Vordergrund stehen. Für acht der 24 DAX-Unternehmen, die (einschließlich Vorgängerunternehmen) vor 1945 gegründet worden sind, liegen Studien zur NS-Zeit vor, für weitere zwölf ein NS-Kapitel im Rahmen einer größeren Veröffentlichung zur gesamten Geschichte des jeweiligen Unternehmens. Mit insgesamt 91 Prozent ist der Anteil der untersuchten DAX-Unternehmen gegenüber 2018 (70 Prozent) noch einmal gestiegen.98 Dagegen ist über mittlere und kleine Unternehmen, Firmen aus der Bauwirtschaft, dem Einzelhandel und dem Brauereigewerbe, öffentliche Unternehmen und Sparkassen immer noch wenig bekannt.
Bedingt sind diese Lücken oft durch das Fehlen einer Archivüberlieferung, was durch korrespondierende Bestände in staatlichen Archiven und regionalen Wirtschaftsarchiven zumindest teilweise kompensiert werden kann. Dagegen sind zu Unternehmen, die seit längerer Zeit nicht mehr bestehen, nur selten ergiebige Bestände überliefert. Häufig sind solche Lücken auch durch spätere Fusionen und Übernahmen entstanden. Zwar werden zunehmend Studien über untergegangene Unternehmen von Stiftungen in Auftrag gegeben, die von früheren Inhabern gegründet worden sind (Hertie, Schöpflin). Doch besteht für die Unternehmensgeschichte auch wegen des hohen Anteils der Auftragsforschung das Problem, dass in der Regel überlebende Unternehmen, somit die „Gewinner“, untersucht werden. Dabei ist die Geschichte der „Verlierer“ noch aufschlussreicher.
Die größten Lücken bestehen aber, weil sich die meisten Firmen nach wie vor einer fundierten Aufarbeitung verschließen. Nach den 2024 von Andrea Schneider-Braunberger und Philipp Meder veröffentlichten Daten haben aus einem Sample von 1.250 deutschen Unternehmen, die vor 1945 aktiv waren, nur acht Prozent eine wissenschaftliche Studie zur Aufarbeitung ihrer NS-Geschichte in Auftrag gegeben. Für weitere zehn Prozent ist dies im Rahmen einer unternehmenshistorischen Gesamtstudie erfolgt. 58 Prozent haben es bei Erwähnungen in Publikationen und Online-Auftritten belassen, fast 20 Prozent schweigen sich dazu in den Veröffentlichungen aus.99
Literaturliste
Referenzen
1 Hierzu grundlegend Sebastian Brünger, Geschichte und Gewinn. Der Umgang deutscher Konzerne mit ihrer NS-Vergangenheit, Göttingen 2017.
2 Vgl. Henning Borggräfe, Zwangsarbeiterentschädigung. Vom Streit um „vergessene“ Opfer zur Selbstaussöhnung der Deutschen, Göttingen 2014, 29 ff. u. 124 ff.
3 Hans Pohl u.a., Die Daimler-Benz AG in den Jahren 1933 bis 1945. Eine Dokumentation, Wiesbaden 1986; Barbara Hopmann u.a., Zwangsarbeit bei Daimler-Benz, Stuttgart 1994; Hans Mommsen/Manfred Grieger, Das Volkswagenwerk und seine Arbeiter im Dritten Reich, Düsseldorf 1996; Lothar Gall u.a., Die Deutsche Bank, 1870–1995, München 1995; Peter Hayes, Industry and ideology. IG Farben in the Nazi Era, Cambridge 1987.
4 Ralf Banken, Vom “Verschweigen“ über die „Sonderkonjunktur“ zur „Normalität“? Der Nationalsozialismus in der Unternehmensgeschichte der Bundesrepublik, in: Zeitgeschichte-online, 1. Dezember 2012, URL: https://zeitgeschichte-online.de/themen/vom-verschweigen-uber-die-sonderkonjunktur-hin-zur-normalitat [Letzter Zugriff 26.8.2025]. Vgl. ferner Neil Gregor, Wissenschaft, Politik, Hegemonie. Zum Boom der NS-Unternehmensgeschichte, in: Norbert Frei/Tim Schanetzky (Hrsg.), Unternehmen im Nationalsozialismus. Zur Historisierung einer Forschungskonjunktur,. Göttingen 2010, 79-93; Tim Schanetzky, After the Gold Rush. Ursprünge und Wirkungen der Forschungskonjunktur „Unternehmen im Nationalsozialismus“, in: Zeitschrift für Unternehmensgeschichte Bd. 631 (2018), H. 1, 7-32;
5 Neil Gregor, Stern und Hakenkreuz. Daimler-Benz im Dritten Reich, London 1997, 376; Paul Windolf/Christian Marx, Die braune Wirtschaftselite. Unternehmer und Manager in der NSDAP, Frankfurt a.M. 2022, 95.
6 Werner Plumpe, Unternehmen im Nationalsozialismus. Eine Zwischenbilanz, in: Werner Abelshauser u.a. (Hrsg.), Wirtschaftsordnung, Staat und Unternehmen. Neue Forschungen zur Wirtschaftsgeschichte des Nationalsozialismus. Festschrift für Dietmar Petzina zum 65. Geburtstag, Essen 2003, 266.
7 Christoph Buchheim, Unternehmen in Deutschland und NS-Regime 1933-1945. Versuch einer Synthese, in: Historische Zeitschrift 2822 (2006),:351-390; Jonas Scherner, Das Verhältnis zwischen NS-Regime und Industrieunternehmen. Zwang oder Kooperation, in: Zeitschrift für Unternehmensgeschichte 512 (2006), 166-190; Christoph Buchheim/Jonas Scherner, Corporate Freedom of Action in Nazi Germany. A Response to Peter Hayes, in: Bulletin of the German Historical Institute 45 (2009), 43-50.
8 Peter Hayes, Corporate Freedom of Action in Nazi Germany, in: Bulletin of the German Historical Institute 45 (2009), 29-42; ders., Rejoinder, in: ebd, 52-55. Zusammenfassend und weiterführend: ders., Profits and Persecution. German Big Business in the Nazi Economy and the Holocaust, Cambridge 2025.
9 Gerald D. Feldman, Die Allianz und die deutsche Versicherungswirtschaft 1933–1945, München 2001, 11.
10 Christian Marx, Wirtschaftselite und NS-Staat, in: Marcel Boldorf/Jonas Scherner (Hrsg.), Handbuch Wirtschaft im Nationalsozialismus, Berlin 2023, 111 (Zitat); Windolf/Marx, Wirtschaftselite, 93 ff. u. 252 f.
11 Henry A. Turner, Die Großunternehmer und der Aufstieg Hitlers, Berlin 1985; Windolf/Marx, Wirtschaftselite, 62 ff.
12 Paul Erker, Zulieferer für Hitlers Krieg. Der Continental-Konzern in der NS-Zeit, Berlin 2020, 10.
13 Marx, Wirtschaftselite, 109 ff: Windolf/Marx, Wirtschaftselite, 136, 161 f. u. 249 f. Der Anteil der NSDAP-Mitglieder lag demnach in der Bevölkerung bei 11,7 Prozent, in der Ärzteschaft bei 51,3 Prozent, unter den Strafrichtern bei 77,7 Prozent.
14 Vgl. Plumpe, Unternehmen, 256; Scholtyseck, Der Aufstieg der Quandts. Eine deutsche Unternehmerdynastie, München 2011, 231.
15 Werner Abelshauser, Gustav Krupp und die Gleichschaltung des Reichsverbandes der Deutschen Industrie, in: Zeitschrift für Unternehmensgeschichte 471 (2002), Nr. 1, 16 ff.
16 Vgl. hierzu die Fallstudien in: Feldman, Allianz, 160-175; Dieter Ziegler, Die Dresdner Bank und die deutschen Juden, München 2006, 13-118. Zu den Warenhauskonzernen vgl. Johannes Bähr/Ingo Köhler, Verfolgt, „arisiert“, wiedergutgemacht? Wie aus dem Warenhauskonzern Hermann Tietz Hertie wurde, München 2023, 69 u. 93 ff. Zu jüdischen Vertretern im Ausland u.a. Feldman, Allianz, 164; Erker, Zulieferer, 225 ff.; Carsten Burhop u.a., Merck 1668–2018. Von der Apotheke zum Weltkonzern, München 22018, 306; Benno Nietzel, Handeln und Überleben. Jüdische Unternehmer aus Frankfurt am Main 1924–1964, Göttingen 2012, 226 f.
17 Christoph Buchheim, Das NS-Regime und die Überwindung der Weltwirtschaftskrise in Deutschland, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 563 (2008), H. 3, 381-414.
18 Vgl. hierzu u.a. Gregor, Stern, 56 f.; Heidrun Edelmann, Vom Luxusgut zum Gebrauchsgegenstand. Die Geschichte der Verbreitung von Personenwagen in Deutschland, Frankfurt a.M., 140 ff. u. 157 ff.
19 Vgl. Christopher Kopper, Hjalmar Schacht. Aufstieg und Fall von Hitlers mächtigstem Bankier, München 2006, 260 ff.; Mark Spoerer, Textilproduktion und -versorgung, in: Boldorf./Scherner (Hrsg.), Handbuch, 353 ff.;: Gerd Höschle, Die deutsche Textilindustrie zwischen 1933 und 1939. Staatsinterventionismus und ökonomische Rationalität, Stuttgart 2004, 31-45.
20 Jonas Scherner, Die Logik der Industriepolitik im Dritten Reich, Stuttgart 2008, 84-102 u. 165-223; Mark Spoerer/Marin Götz, Von einer NS-Autarkiegründung zum Exportunternehmen. Die Entwicklung des Chemiefaserwerks in Kelheim von 1935 bis 2004, Stuttgart 2025, 33 ff.
21 Barbara Hopmann, Von der MONTAN zur Industrieverwaltungsgesellschaft (IVG) 1916–1951, Stuttgart 1996. Bis 1943 stieg die Zahl dieser Betriebe auf 126. Ebd., 111. Eine Übersicht über die Betreiberfirmen findet sich in: ebd., 79 f.
22 Scherner, Logik, 103-124; Rainer Karlsch/Raymond G. Stokes, Faktor Öl. Die Mineralölwirtschaft in Deutschland 1859–1974, München 2003, 182 ff.; Manfred Grieger/Rainer Karlsch, Treibstoff für den Weltkrieg. Die Deutsche Erdöl AG, 1933-1945, Frankfurt a.M. 2024, 127 ff.
23 Lutz Budraß, Flugzeugindustrie und Luftrüstung in Deutschland 1918–1945, Düsseldorf 1998, 320-335.
24 Johannes Bähr, Selbstbehauptung, Anpassung und Wandel. Die Carl-Zeiss-Stiftung und die Stiftungsbetriebe im „Dritten Reich“, in: Werner Plumpe (Hg.), Eine Vision - zwei Unternehmen, 125 Jahre Carl-Zeiss-Stiftung, München 2014, 149-157; Ulrike Schulz, Simson. Vom unwahrscheinlichen Überleben eines Unternehmens 1856-1993, Göttingen 2013, 114-238
25 Frank Bajohr, Parvenüs und Profiteure, Korruption in der NS-Zeit, Frankfurt a.M. 2001, 41 ff.
26 Vgl. Matthias Frese, Betriebspolitik im „Dritten Reich“. Deutsche Arbeitsfront, Unternehmer und Staatsbürokratie in der westdeutschen Großindustrie 1933-1939, Paderborn 1991; Martin Becker, Die Betriebs- und die Volksgemeinschaft als Grundlage des „neuen“ NS-Arbeitsrechts. Arbeitsrechtsideologie im NS-Rechtssystem, in: Marc Buggeln/Michael Wildt (Hrsg.), Arbeit im Nationalsozialismus, München 2014, 107-121. Exemplarisch zum Vertrauensrat bei Continental: Erker, Zulieferer, 42 f. u. 87.
27 Frese, Betriebspolitik, 421-432. Als Beispiele vgl. Erker, Zulieferer, 199 ff. u. 523 ff. (zu Continental); Andreas Wirsching u.a., Dr. Oetker und der Nationalsozialismus. Geschichte eines Familienunternehmens 1933–1945, München 2013,. 170-178.
28 Als Beispiele vgl. Johannes Bähr/Paul Erker, Bosch. Geschichte eines Weltunternehmens, München 2013, 179; Rüdiger Stutz, Der ungeliebte „Nationalsozialistische Musterbetrieb“. Carl Zeiss und die Deutscher Arbeitsfront, in: Frank Markowski (Hg.), Der letzte Schliff. 150 Jahre Arbeit und Alltag bei Carl Zeiss, Berlin 1997, 118.
29 Unter „Arisierung“ wird im Folgenden die Übertragung von Werten aus dem Eigentum von Juden an Nichtjuden in der Zeit des Nationalsozialismus verstanden. Siehe hierzu Ingo Köhler, Die „Arisierung“ der Privatbanken im Dritten Reich. Verdrängung, Ausschaltung und die Frage der Wiedergutmachung, München 22008, 271. Aus der neueren Forschung vgl. Christoph Kreutzmüller, Vernichtung der jüdischen Gewerbetätigkeit im Nationalsozialismus. Abläufe, Blickwinkel und Begrifflichkeiten, in: http://docupedia.de/zg/Kreutzmueller_vernichtung_der_juedischen_Gewerbetaetigkeit_v2_de_2020 [Letzter Zugriff 24.9.2025].
30 Frank Bajohr, „Arisierung“ in Hamburg. Die Verdrängung der jüdischen Unternehmer 1933-1945, Hamburg 21998, 317 ff.
31 Benno Nietzel, Handeln und Überleben. Jüdische Unternehmer aus Frankfurt am Main 1934–1964, Göttingen 2012, 159; Christoph Kreutzmüller, Ausverkauf. Die Vernichtung der jüdischen Gewerbetätigkeit in Berlin 1930–1945, Berlin 22013, 246.
32 Dieter Ziegler, Erosion der Kaufmannsmoral. „Arisierung“, Raub und Expansion, in: Frei/Schanetzky (Hrsg.), 156-167.
33 Kim C. Priemel, Flick. Eine Konzerngeschichte vom Kaiserreich bis zur Bundesrepublik, Göttingen 2007; Norbert Frei u.a., Flick. Der Konzern, die Familie, die Macht, München 2009; Johannes Bähr u.a., Der Flick-Konzern im Dritten Reich, München 2008, 307-343; Scholtyseck, Aufstieg, 391-407.
34 Steffen Radlmaier, Neckermann und der „Wäschejude“. Wie Karl Joel um sein Lebenswerk gebracht wurde, in: Matthias Henkel/Eckart Dietzfelbinger (Hrsg.), Entrechtet. Entwürdigt. Beraubt. Die Arisierung in Nürnberg und Fürth, Petersberg 2012, 91-102; Peter Hoeres/Maximilian Kutzner, Der Kaufhauskönig. Helmut Horten – Biografie, Freiburg i.Br. 2024.
35 Hartmut Berghoff/Cornelia Rauh-Kühne, Fritz K. Ein deutsches Leben im zwanzigsten Jahrhundert, Stuttgart 2000, 119-140.
36 Dieter Ziegler, Die Dresdner Bank und die deutschen Juden, München 2006.
37 Ulrich Hensler, Die Stahlkontingentierung im Dritten Reich, Stuttgart 2008, 53 ff.; Adam Tooze, Ökonomie der Zerstörung. Die Geschichte der Wirtschaft im Nationalsozialismus, München 2007, 274 ff.
38 Alexander Donges, Die Vereinigte Stahlwerke AG im Nationalsozialismus. Konzernpolitik zwischen Marktwirtschaft und Staatswirtschaft, Paderborn 2014, 225-287.
39 Zitiert nach: Wolfram Pyta u.a., Porsche. Vom Konstruktionsbüro zur Weltmarke, München 22017, 210.
40 Feldman, Allianz, 200-226 u. 277-284.
41 Windolf/Marx, Wirtschaftselite, 161.
42 Mark Spoerer, Von Scheingewinnen zum Rüstungsboom. Die Eigenkapitalrendite der deutschen Industrieaktiengesellschaften 1925–1941, Stuttgart 1996, 169.
43 Der Titel „Wehrwirtschaftsführer“ wurde bis 1942 ohne politische Überprüfung verliehen. Schon vor Kriegsbeginn erfolgten über 600 Ernennungen. Scholtyseck, Aufstieg, 271; Paul Erker, Industrie-Eliten in der NS-Zeit. Anpassungsbereitschaft und Eigeninteresse von Unternehmern in der Rüstungs- und Kriegswirtschaft 1936–1945, Passau 1993, 95-103.
44 Harald Wixforth, Die Expansion der Dresdner Bank in Europa, München 2006, 55-394.
45 Vgl. Ulrike Felber u.a. (Hrsg.), Ökonomie der „Arisierung“. Zwangsverkauf, Liquidierung und Restitution von Unternehmen in Österreich 1938 bis 1969, 2 Teile, Wien 2004.
46 So z.B. das sächsische Maschinenbauunternehmen Wanderer-Werke AG. Michael Schneider, Unternehmensstrategien zwischen Weltwirtschaft und Kriegswirtschaft. Chemnitzer Maschinenbauindustrie in der NS-Zeit 1933–1945, Essen 2005, 245 ff.
47 Joachim Scholtyseck, Freudenberg. Ein Familienunternehmen in Kaiserreich, Demokratie und Diktatur, München 2016, 196.
48 Wirsching u.a., Dr. Oetker, 298 ff.; Hartmut Berghoff/Manfred Grieger, Die Geschichte des Hauses Bahlsen. Keks – Krieg – Konsum 1911–1974, Göttingen 2024, 204.
49 Hans Mommsen/Manfred Grieger, Das Volkswagenwerk und seine Arbeiter im Dritten Reich 1933–1948, Düsseldorf 1996, 363-405.
50 Bähr u.a., Flick, 438-450.
51 Alfred Reckendrees, Beiersdorf. Die Geschichte des Unternehmens hinter den Marken NIVEA, tesa, Hansaplast & Co., München 2018, 137 ff.; Friederike Sattler, Der Handelstrust West in den Niederlanden, in: Wixforth, Expansion, S. 722-761.
52 Julia Schnaus, Kleidung zieht jeden an. Die deutsche Bekleidungsindustrie 1918 bis 1973, 242ff.; Elena Dickert, Die „Nutzbarmachung“ des Produktionspotentials besetzter Gebiete durch Auftragsverlagerungen im Zweiten Weltkrieg. Staatliche Regulierung und Verlagerungsverhalten von Maschinenbau- und Automobilunternehmen, Diss., Trondheim 2013, 37 ff.
53 Wixforth, Expansion, 446-494 u. 517 ff.
54 Marcel Boldorf, Wirtschaftsordnung und Wirtschaftslenkung, in: ders./Scherner (Hrsg.), Handbuch, 35 ff.
55 Jonas Scherner, Anreiz statt Zwang, Wirtschaftsordnung und Kriegswirtschaft im „Dritten Reich“, in: Frei/Schanetzky (Hrsg.), Unternehmen, 152.
56 Vgl. Ralf Banken, Hitlers Steuerstaat. Die Steuerpolitik im Dritten Reich, Berlin 2018, 453 f.
57 Mark Spoerer, Zwangsarbeit, in: Boldorf/Scherner (Hrsg.), Handbuch, 569.
58 Marc Buggeln, Das System der KZ-Außenlager. Krieg, Sklavenarbeit und Massengewalt, Bonn 2012, 111 ff. Zum unterirdischen Raketenbau der reichseigenen Mittelwerk GmbH: Jens-Christian Wagner, Produktion des Todes. Das KZ Mittelbau-Dora, Göttingen 22004; zum Mineralölsicherungsplan: Karlsch/Stokes, Faktor Öl, 237-243.
59 Als Beispiele aus der unternehmenshistorischen Forschung: Gregor, Stern, 362 ff. (zu Daimler-Benz); Mommsen/Grieger, Volkswagenwerk, 801-865; Erker, Zulieferer (zu Continental), 748-762; Constanze Werner, Kriegswirtschaft und Zwangsarbeit bei BMW, München 2005, 341 ff.
60 Scholtyseck, Aufstieg, 711 f.; Peter Hayes, Die Degussa im Dritten Reich. Von der Zusammenarbeit zur Mittäterschaft, München 2004, 322; Gregor, Stern, 371.
61 Karlsch u.a., Waffeningenieure, 209 ff. Als weiteres Beispiel vgl. Andrea H. Schneider-Braunberger, Miele im Nationalsozialismus. Ein Familienunternehmen in der Rüstungs- und Kriegswirtschaft, München 2023, 127 f.
62 Raymond G. Stokes, Chemische Industrie, in: Boldorf/Scherner (Hrsg.), Handbuch, 295 f.
63 Stephan Paul u.a., Hundertfünfzig Jahre Commerzbank 1870–2020, München 2020, 213 ff.; Bähr, Dresdner Bank, 193 ff.
64 Mark Spoerer, Zwangsarbeit unter dem Hakenkreuz. Ausländische Zivilarbeiter, Kriegsgefangene und Häftlinge im Deutschen Reich und im besetzten Europa 1939–1945, Stuttgart 2001, 223. Zur Definition der Zwangsarbeit ebd., 15 f.
65 Ebd., 90-115; Jochen Fleischhacker/Mark Spoerer, Forced Laborers in Nazi Germany: Categories, Numbers and Survivors, in: The Journal of Interdisciplinary History 332 (2002), 169-204; Marc Buggeln, Unfreie Arbeit im Nationalsozialismus. Begrifflichkeiten und Vergleichsaspekte zu den Arbeitsbedingungen im Deutschen Reich und in den besetzten Gebieten, in: ders./Wildt (Hrsg.), Arbeit, 240 ff.
66 Spoerer, Zwangsarbeit, 226.
67 Gregor, Stern, 278; Mommsen/Grieger, Volkswagenwerk, 532 u. 1027 (Tabelle 6).
68 Anna Friebel/Josephine Ulbricht (Hrsg.), Zwangsarbeit beim Rüstungskonzern HASAG. Der Werksstandort Leipzig im Nationalsozialismus und seine Nachgeschichte, Berlin 2023; Rainer Karlsch u.a., Waffeningenieure im Zwielicht. Die Mauserwerke, die HASAG und die Gründungsgeschichte von Heckler & Koch, München 2024, 185 f. u. 209-224. Zu Gröditz vgl. Axel Drecoll, Flick vor dem Gericht. Die Verhandlungen vor dem alliierten Militärtribunal 1947, in: Bähr u.a., Flick, 553 ff.
69 Hans-Christoph Seidel, Der Ruhrbergbau im Zweiten Weltkrieg. Zechen – Bergarbeiter – Zwangsarbeiter, Essen 2010, 403.
70 Aushang des Bosch-Personalleiters vom 11.8.1942, zitiert nach Bähr/Erker, Bosch, 233.
71 Spoerer, Zwangsarbeit, 193 ff.; Cornelia Rauh-Kühne, Hans Constantin Paulssen: Sozialpartnerschaft aus dem Geiste der Kriegskameradschaft, in: Paul Erker/Toni Pierenkemper (Hrsg.), Deutsche Unternehmer zwischen Kriegswirtschaft und Wiederaufbau. Studien zur Erfahrungsbildung von Industrie-Eliten, München 1999, 148; Bähr/Erker, Bosch, 230.
72 Spoerer, Zwangsarbeit, 183-190.
73 Vgl. hierzu u.a. Buggeln, System.
74 Mark Spoerer, Profitierten Unternehmen von KZ-Arbeit? Eine kritische Analyse der Literatur, in: Historische Zeitschrift Bd. 2681 (1999), 61-95.
75 Wilfried Feldenkirchen, Siemens 1918–1945, München 1995, 205 ff.; Ulrich Herbert u.a. (Hrsg.), Die nationalsozialistischen Konzentrationslager – Entwicklung und Struktur, Bd. 1, Göttingen 1998, 233;, Karl Heinz Roth, Zwangsarbeit im Siemens-Konzern (1938-1945). Fakten – Kontroversen – Probleme, in: Hermann Kaienburg (Hg.), Konzentrationslager und deutsche Wirtschaft, 1939-1945, Opladen 1996, 149-168.
76 Schnaus, Kleidung, 144-156.
77 Karlsch u.a., Waffeningenieure, 183 ff.
78 Raymond G. Stokes, Chemische Industrie, in: Boldorf/Scherner (Hrsg.), Handbuch, 290 f.
79 Bernd Wagner, IG Auschwitz. Zwangsarbeit und Vernichtung von Häftlingen des Lagers Monowitz 1941–1945, München 2000, 19 u. 37-59; Susanne Willems, Monowitz (Monowice), in: Wolfgang Benz/Barbara Distel (Hrsg.), Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, Bd. 5: Hinzert, Auschwitz, Neuengamme, München 2007, 276-284.
80 Feldman, Allianz, 471-488.
81 Johannes Bähr, Die Dresdner Bank in der Wirtschaft des Dritten Reichs, München 2006, 477-542.
82 Ebd., 555-570; zusammenfassend Ingo Loose, Die Commerzbank und das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau, in: Ludolf Herbst (Hg.), Die Commerzbank und die Juden 1933-1945, München 2004, 272-309.
83 Annegret Schüle, Industrie und Holocaust. Topf & Söhne – die Ofenbauer von Auschwitz, Göttingen 2010; Aleida Assmann u.a. (Hrsg.), Firma Topf und Söhne – Hersteller der Öfen für Auschwitz. Ein Fabrikgelände als Erinnerungsort?, Frankfurt a.M. 22002, hier v.a. 18 f.
84 Anne Sudrow, Der Schuh im Nationalsozialismus. Eine Produktgeschichte im deutsch-britisch-amerikanischen Vergleich, Göttingen 2010, 529-555 u. 791; Scholtyseck, Freudenberg, 321-361; Erker, Zulieferer, 358 ff.
85 Ralf Banken, Edelmetallmangel und Großraumwirtschaft. Die Entwicklung des deutschen Edelmetallsektors im „Dritten Reich“ 1933–1945, Berlin 2009.
86 Hayes, Degussa, 472.
87 Hayes, Degussa, 364.
88 Tooze, Ökonomie, 166.
89 Zitiert nach Hayes, Degussa, 95.
90 Fritz Thyssen, ein langjähriger Förderer Hitlers, setzte sich aus Protest gegen den Kriegsbeginn in die Schweiz ab. Wintershall-Generaldirektor, ebenfalls ein früher Unterstützer der NSDAP, wollte 1944 sein Vermögen als Reserve für den Konzern retten, indem er die Alliierten kontaktierte und sich in Schweden niederließ. Felix de Taillez, Zwei Bürgerleben in der Öffentlichkeit. Die Brüder Fritz Thyssen und Heinrich Thyssen-Bornemisza, Paderborn 2017, 377-423; Manfred Grieger u.a., Expansion um jeden Preis. Studien zur Wintershall AG zwischen Krise und Krieg, 1929–1945, Frankfurt a.M. 2020, 155–163.
91 Vgl. Christian Marx, Paul Reusch und die Gutehoffnungshütte. Leitung eines deutschen Großunternehmens, Göttingen 2013, 482-510; Burhop u.a., Merck, 316 ff.
92 Daniel Fraenkel, Die deutschen Gerechten unter den Völkern, in: Israel Gutman/Sara Bender (Hrsg.), Lexikon der Gerechten unter den Völkern. Deutsche und Österreicher, Göttingen 2005, 27.
93 Andreas von Mettenheim, Unternehmertum und Widerstand – Carl Wentzel-Teutschenthal, in: Frank-Lothar Kroll/Rüdiger von Voss (Hrsg.), Für Freiheit, Recht, Zivilcourage. Der 20. Juli 1944, Berlin 2020, 175-196; Beatrix Heintze, Walter Cramer – ein Leipziger Unternehmer im Rettungswiderstand, in; ebd., 197-212. Zum „Bosch-Kreis“: Bähr/Erker, Bosch, 236-244; Joachim Scholtyseck, Robert Bosch und der liberale Widerstand gegen Hitler 1933-1945, München 1999.
94 Mettenheim, Unternehmertum, 176. So auch schon Henry Turner, Unternehmen unter dem Hakenkreuz, in: Gall/Pohl (Hrsg.), Unternehmen, 21.
95 Hans Mommsen, Können Unternehmer im Nationalsozialismus apolitisch bleiben?, in: Gall/Pohl (Hrsg.), Unternehmen, 69; vgl. Mettenheim, Unternehmertum, 176.
96 Windolf/Marx, Wirtschaftselite, 86.
97 Karlsch u.a., Waffeningenieure, 228.
98 Andrea Schneider-Braunberger/Philipp Meder, Verantwortung gegenüber der eigenen Geschichte. Eine Bestandsaufnahme der nationalsozialistischen Vergangenheit deutscher Unternehmen, in: Zeitschrift für Unternehmensgeschichte 692 (2024), H. 2, 370 f.; Schanetzky, Gold, 8.
99 Schneider-Braunberger/Meder, Verantwortung, 368-376.