Multinationale Unternehmen
Multinationale Unternehmen (MNU) prägen die Globalisierung seit dem 19. Jahrhundert und sind heute zentrale Akteure der Weltwirtschaft. MNU werden als grenzüberschreitend tätige Einheiten gefasst, deren Internationalisierung auf Direktinvestitionen beruht; die Abgrenzung zu Portfolioinvestitionen bleibt dabei nicht immer trennscharf. Der Forschungsstand reicht von frühen Arbeiten zur historischen Genese und zu Organisationsformen (u.a. free-standing company, hybride Auslandsgesellschaften) bis zu neueren Perspektiven auf politisches Risiko, Regulierung, Umwelt- und Steuerfragen sowie auf die problematische „Nationalität“ internationaler Unternehmen. Zur Erklärung von Entstehung und Verbreitung werden wirtschaftswissenschaftliche und managementorientierte Ansätze gebündelt: Eigentumsvorteile und Ressourcenargumente, Produktzyklus- und Internalisierungstheorien, das OLI-Paradigma sowie Prozess- und Strukturmodelle der Internationalisierung. Historisch zeigt sich eine Abfolge von Expansion, Krisen- und Kriegsbrüchen, Reorganisation und erneuter Ausdehnung – bis hin zu globalen Wertschöpfungsketten, Outsourcing/Offshoring und den Verwerfungen seit der Finanzkrise 2008/09.Einleitung
Multinationale Unternehmen (MNU) gehören zu den zentralen Akteuren der heutigen Weltwirtschaft und haben die jüngste Globalisierung massiv vorangetrieben. Im Jahr 2015 hatten die 100 größten MNU (ohne die Finanzbranche) ein Gesamtvermögen von 12,9 Bill. US-Dollar und erzielten mit ihren mehr als 16 Mio. Beschäftigten einen Umsatz von 7,7 Bill. US-Dollar. Der Anteil ihres Auslandsumsatzes am Gesamtumsatz nahm zwischen 1995 und 2015 von 48 auf 65 Prozent zu, zugleich stieg der Anteil ihrer im Ausland Beschäftigten an der Gesamtbeschäftigung von 48 auf 58 Prozent.1 Die größten MNU setzten ihre Internationalisierung folglich auch noch zu Beginn des 21. Jahrhunderts fort und erwirtschafteten 2015 rund zwei Drittel ihres Umsatzes außerhalb ihres Heimatstandortes. Dabei sind MNU nicht immer Großunternehmen, auch wenn kleinere und mittlere Unternehmen geringere Chancen zur geografischen Ausdehnung haben.
Der Begriff des multinationalen Unternehmens ist in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften wie auch in der Geschichtswissenschaft am stärksten verbreitet, um wirtschaftliche Einheiten zu umschreiben, die auf Direktinvestitionen basieren und grenzüberschreitend tätig sind. Dabei wird oftmals zwischen Direkt- und Portfolioinvestitionen unterschieden. Während Direktinvestitionen mit Kontroll- und Entscheidungsbefugnissen im Ausland verbunden sind, bspw. bei ausländischen Tochtergesellschaften, dienen Portfolioinvestitionen lediglich den Renditeinteressen der Investoren, ohne Einfluss auf das operative Geschäft zu haben. Allerdings kann nicht in allen Fällen trennscharf zwischen beiden Investitionsarten unterschieden werden, zumal auch die Beteiligungshöhe kein eindeutiges Differenzierungsmerkmal bietet, auch wenn einige Studien Beteiligungen von bis zu zehn oder sogar 25 Prozent grundsätzlich als Portfolioinvestment ansehen.2
General Electric, Toyota, Volkswagen AG, Royal Dutch Shell, BMW AG, Bayer AG oder BASF AG sind in der gegenwärtigen Weltwirtschaft omnipräsent, doch waren multinationale Unternehmen bereits zentrale Akteure der ersten Globalisierung vor dem Ersten Weltkrieg. Sie nutzten ihre spezifischen Vorteile in Form technologischer oder organisatorischer Überlegenheit, um mit Produktionsstätten in ausländische Märkte vorzudringen oder mit eigenen Betrieben natürliche Ressourcen im Ausland auszubeuten. Der folgende Beitrag möchte einen Überblick über die Geschichte multinationaler Unternehmen seit dem frühen 19. Jahrhundert geben. Im Folgenden werden hierfür zunächst der Forschungsstand sowie dann einige Erklärungsansätze zur Entstehung und Verbreitung von MNU vorgestellt, bevor im dritten Teil ein historischer Abriss zu ihrer historischen Entwicklung erfolgt.
Forschungsstand
Obschon die deutsche Wirtschaft schon seit dem 19. Jahrhundert stark international verflochten ist, wurde die globale Ausdehnung deutscher Unternehmen lange Zeit kaum systematisch untersucht. Die angelsächsische Geschichtsschreibung nahm die Ausbreitung multinationaler Unternehmen hingegen früher in den Blick. So beschäftigte sich Mira Wilkins in den 1960er und 70er Jahren mit der weltweiten Ausdehnung US-amerikanischer Unternehmen: von ihrer Entstehung vor dem Ersten Weltkrieg bis zur Verbreitung am Ende des 20. Jahrhunderts.3 Zudem wies sie auf die Bedeutung des frei-stehenden Unternehmens (free-standing company) hin, bei dem ein ausländischer Investor seine Hauptgeschäftstätigkeit in einem anderen Land als dem Sitz des Unternehmens ausübt.4 Darüber hinaus offerierte Wilkins ein Erklärungsmodell zur geographischen Ausbreitung multinationaler Unternehmen, das fünf Parameter beinhaltet: (1) Marktchancen, (2) politische Stabilität, (3) Vertrautheit mit dem Land (in Bezug auf Sprache und Kultur), (4) geographische Nachbarschaft, und (5) Erfahrungen aus vorangegangenen Investitionen.5 Diesem Modell zufolge würden Unternehmen somit Länder als Investitionsziel vorziehen, die sich durch gute Marktaussichten, eine hohe politische Stabilität und kulturelle Ähnlichkeiten auszeichneten.
Ferner sind hier die zahlreichen Arbeiten von Geoffrey Jones zu nennen. Sein Überblickswerk über multinationale Unternehmen und den globalen Kapitalismus reicht vom 19. bis zum 21. Jahrhundert.6 Jones macht darauf aufmerksam, dass sich viele Auslandsgesellschaften zu hybriden Organisationen entwickelten, die sowohl Charakteristika des Heimat- als auch des Gastlandes aufwiesen.7 Allerdings zeigt er, dass die steigende Autonomie ausländischer Gesellschaften kein unumkehrbarer Prozess war, sondern zahlreiche US-Unternehmen in den 1960er Jahren begannen, ihr Nordamerika- und Europageschäft wieder stärker zu integrieren – nicht zuletzt als Reaktion auf die neuen Kommunikationsmöglichkeiten mittels des Computers. Zudem veranschaulicht er, dass die grenzüberschreitende Verlagerung des Unternehmenssitzes angesichts anhaltender Kapitalrestriktionen in den 1970er Jahren anhielt.8
Am Beispiel des niederländisch-britischen Konsumgüterproduzenten Unilever hat Jones überdies die Bedeutung von Kontakten zu lokalen Wirtschafts- und Regierungseliten nachgewiesen.9 Jenes Verhältnis zwischen multinationalen Unternehmen und politischen Entscheidungsträgern gewann insbesondere in Ländern mit autoritären Regimen, Importbeschränkungen oder Kapitalrestriktionen immer wieder an Relevanz, wie beispielsweise ein Band von Neil Forbes, Takafumi Kurosawa und Ben Wubs verdeutlicht.10 Auch Sabine Pitteloud hebt in ihrer Studie über die Internationalisierung schweizerischer Unternehmen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts deren politische Rolle hervor, indem sie auf die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Verflechtungen unternehmerischen Handelns verweist.11 Die Akteure multinationaler Unternehmen waren sich ihrer politischen Macht durchaus bewusst, allerdings suchten sie nicht immer das Licht der Öffentlichkeit – auch um einer möglichen Kritik zu entgehen. Als internationale Organisationen wie die OECD, die ILO oder die Europäische Gemeinschaft in den 1970er Jahren die Schaffung von Richtlinien zur Regulierung multinationaler Unternehmen vorantrieben, mobilisierten die Firmen ihre Kräfte, um möglichen Beschränkungen zu entgehen.12 Stattdessen traten die Führungskräfte großer US-Multinationals – wie Janick Schaufelbuehl dargelegt hat – konsequent für eine immer stärkere Deregulierung der Märkte ein und trieben damit die Globalisierung voran.13 Das Verhältnis von Staat und Wirtschaft wurde in jüngster Vergangenheit zudem in Studien beleuchtet, die sich mit der Durchsetzung von Umweltstandards und der Besteuerung multinationaler Unternehmen befassen.14
Mit Blick auf die jüngste Phase der Globalisierung sind zudem Forschungen zur Entwicklung des globalen Kapitalismus zu nennen. Neben Schaufelbuehl und Pitteloud ist hier erneut auf Werke von Jones aufmerksam zu machen, der die wachsende Zahl grenzüberschreitender Fusionen und Akquisitionen seit den 1980er Jahren herausgearbeitet hat und die Rolle von Desinvestments betont. Damit ergänzt er die geradlinigen, auf das innere Wachstum fokussierenden wirtschaftswissenschaftlichen Erklärungsansätze entscheidend.15 Insofern ist der Forderung von Peter Buckley zuzustimmen, dass unternehmenshistorische Studien an theoretische Konzepte rückzubinden sind, aber zugleich eigene Ideen entwickeln und bestehende Ansätze fortentwickeln sollten.16 Hierzu gehört beispielsweise die Problematisierung der Nationalität von multinationalen Unternehmen, denn obschon viele von ihnen mit einer spezifischen Nationalität werben (wie Made in Germany), sind sie letztlich einer Vielzahl von länderspezifischen, rechtlich und kulturell konstruierten Nationalitäten im In- und Ausland ausgesetzt – und wurden im Kontext eines ökonomischen Nationalismus oftmals ausgegrenzt, sanktioniert oder gar enteignet.17
Daneben ist eine Reihe weiterer Sammelbände und Einzelstudien über multinationale Unternehmen unter spezifischen historischen Fragestellungen entstanden, die hier nicht allesamt aufgeführt werden können. So reicht eine ältere von Alice Teichova, Maurice Lévy-Leboyer und Helga Nussbaum herausgegebene Aufsatzsammlung von multinationalen Unternehmen in Westeuropa in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis hin zu Aktivitäten in der „Dritten Welt“.18 Neben dem Sammelband von Geoffrey Jones und Harm Schröter über multinationale Unternehmen in Kontinentaleuropa19 sowie einer von John Dunning und Peter Robson herausgegebenen Darstellung über den Zusammenhang von multinationalen Unternehmen und Europäischer Gemeinschaft20 ist hier ferner der kompakte von Alfred D. Chandler und Bruce Mazlish herausgegebene Band über multinationale Unternehmen und die Globalgeschichte zu nennen, der neben längsschnittartigen Überblicksartikeln zur Verbreitung von Multis auch Beiträge über die Führungskräfte und Eigentümer von multinationalen Unternehmen enthält.21 Einen formidablen Überblick über die Geschichte multinationaler Unternehmen bietet außerdem das jüngst erschienene Kompendium von Geoffrey Jones und Sabine Pitteloud, dessen Themenweite von Umwelt-, Gender- und Beschäftigtenaspekten bis zur Rolle von multinationalen Unternehmen in imperialistischen und diktatorischen Regimen reicht.22
Darüber hinaus entstanden weitere Untersuchungen über einzelne Firmen und Länder.23 So beschäftigte sich Jones intensiv mit multinationalen Handels- und Finanzunternehmen in Großbritannien im 19. und 20. Jahrhundert.24 Christina Lubinski, Jeffrey Fear und Paloma Fernández Pérez haben exemplarisch die Multinationalität von Familienunternehmen in den Mittelpunkt gerückt.25 Und für den deutschsprachigen Raum bis in die Zwischenkriegszeit hat Harm G. Schröter mehrere Analysen vorgelegt, die die starke internationale Vernetzung der deutschen Wirtschaft unterstreichen.26 Mit Blick auf die Internationalisierung deutscher bzw. westeuropäischer Unternehmen nach 1945 sind ferner die Arbeiten von Claudia Nieke (Volkswagen AG), Annika Biss (BMW AG), Ulrich Kreutzer (Siemens AG) und Christian Marx (Bayer AG, Hoechst AG, Akzo, Rhône-Poulenc) hervorzuheben.27 Biss erläutert, wie der Münchener Autobauer, der vor 1945 noch keinerlei ausländische Produktionsstandorte besaß, bis Anfang der 1980er Jahre weltweite Konzernstrukturen aufbaute, die selbst dem Dauerkonkurrenten Daimler-Benz AG überlegen waren.28 Die vergleichende Studie von Marx arbeitet Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Internationalisierung mehrerer Chemiekonzerne im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts heraus, als sich die Koordinaten der Weltwirtschaft infolge des Zusammenbruchs des Währungssystems und der Ölpreiskrisen bei gleichzeitigem Aufstieg asiatischer Staaten verschoben und die ausländischen Direktinvestitionen in die Höhe schnellten.29
In der Unternehmensgeschichte ist darüber hinaus eine ganze Reihe weiterer Studien entstanden, welche einzelne, international tätige Unternehmen über einen längeren Zeitraum in den Blick nehmen, in denen der Ausbau des Auslandgeschäfts jedoch meist nicht im Mittelpunkt des Erkenntnisinteresses steht.30 Auch wenn diese Werke nur eingeschränkt zur methodischen Weiterentwicklung des unternehmenshistorischen Instrumentenkastens beitragen, liefern sie dennoch wichtige empirische Befunde, um längerfristige Entwicklungen nachzuzeichnen und zu synthetisierenden Ergebnissen zu kommen. Gleichwohl sind mit Blick auf die deutsche Wirtschaft noch Leerstellen in der geschichtswissenschaftlichen Erforschung von multinationalen Unternehmen zu konstatieren.
Motive und Theorien
Im Jahr 1960 wies Stephen Hymer erstmals darauf hin, dass multinationale Unternehmen nicht nur als ökonomische Einheiten zu betrachten sind, die Kapital von einem Land in ein anderes Land transferieren. Vielmehr betonte er, dass ausländische Direktinvestitionen immer mit der Übertragung eines ganzen Pakets von Ressourcen einhergehen. Ihm zufolge brauchten multinationale Konzerne eine Art von Vorteil, damit sie in einer fremden Umgebung investieren würden. Denn für Unternehmen sei es grundsätzlich schwieriger, ihre Geschäfte im Ausland zu organisieren, weshalb sie Exporte grundsätzlich vorziehen würden.31 Auch das von Raymond Vernon in den 1960er Jahren erstmals entwickelte Produktzyklus-Modell verwies darauf, dass Unternehmen eine Produktion am Heimatstandort bevorzugen würden, da sie dort enge Kontakte zu Lieferanten und Kunden hätten.32 Erst wenn Produkt und Produktion in eine Standardisierungsphase eingetreten seien, würde die Produktion ins Ausland verschoben. Beide Ansätze rekurrierten damit auf das Argument der Eigentumsvorteile (ownership advantages).
Darüber hinaus machte eine Reihe institutionenökonomischer Ansätze auf die überlegene Koordinationsfähigkeit multinationaler Unternehmen im Vergleich zu grenzüberschreitenden Markttransaktionen aufmerksam. Denn eine Zusammenarbeit mit einem ausländischen Partnerunternehmen konnte sich konfliktreich gestalten und bot aufgrund von Informationsasymmetrien Möglichkeiten für opportunistisches Verhalten und Betrug. Auslandsvertretungen arbeiteten oftmals nicht ausschließlich für ein Unternehmen und zeigten deshalb weniger Einsatzbereitschaft für die spezifischen Interessen einer einzelnen Firma. Zudem bestand die Gefahr, dass sich Lizenznehmer das Know-how über Produktionsprozesse aneigneten. Die Gründung oder der Kauf einer ausländischen Tochtergesellschaft war daher vielfach mit geringeren Transaktionskosten zu begründen. Peter Buckley und Mark Casson weisen in diesem Kontext auf Probleme bei der Übertragung immaterieller Ressourcen hin: Wissen und vor allem Erfahrung lassen sich nur schwerlich über Märkte transferieren, weshalb die Internalisierung von Unternehmensbereichen oftmals als überlegene Lösung grenzüberschreitender Transaktionen angesehen wird.33
Auf dieser Grundlage entwickelte John Dunning in den 1970er Jahren sein eklektisches OLI-Paradigma, welches auf unternehmensspezifische Faktoren (ownership-specific advantages), Standortfaktoren am Zielort (location-specific advantages) sowie die bereits genannten Internalisierungsvorteile (internalization incentive advantages) zielt.34 Es gilt bis heute als der dominierende Ansatz über den Zusammenhang von multinationalen Unternehmen und Direktinvestitionen. Während Eigentumsvorteile in überlegenen Technologien, Verfahren oder Produkten, einer leistungsfähigeren Organisation, dem privilegierten Zugang zu Kapital, Skalen- und Synergieeffekten (economies of scale / scope) oder dem erleichterten Zugang zu Rohstoffen bestehen, sind Standortfaktoren oftmals an tarifäre und nicht-tarifäre Handelshemmnisse, politische Investitionsanreize, die Marktgröße und Kaufkraft im Gastland, die Faktorausstattung, niedrigere Löhne, Restriktionen im Kapitaltransfer oder Wechselkursverhältnisse gebunden. Die Internalisierung von Teilbereichen, d.h. die Eingliederung von Elementen in die hierarchischen Strukturen des Unternehmens, muss den Managern gewinnbringender erscheinen als der Rückgriff auf den Markt oder eine lose Kooperation mit einem ausländischen Unternehmen.35 Diese Zusammenstellung unterschiedlicher Faktoren kann das interne Wachstum von multinationalen Unternehmen gut erklären, allerdings widmet der Ansatz der steigenden Bedeutung externen Wachstums über Fusionen und Akquisitionen nur wenig Raum. Dabei wurden Merger & Acquisitions für die Entwicklung multinationaler Unternehmen immer bedeutsamer. Es konnte sogar vorkommen, dass Standortnachteile in Kauf genommen wurden, um gegenüber Konkurrenten auf einen bestimmten Markt vorzudringen.36 „By the 1990s, cross-border mergers and acquisitions had become the main driving force of world FDI.“37
Tabelle: Vorteile multinationaler Unternehmen
| unternehmensspezifische Faktoren (ownership-specific advantages) | Standortfaktoren am Zielort (location-specific advantages) | Internalisierungsvorteile (internalization advantages) |
|---|---|---|
| - Eigentumsrechte und immaterielle Werte - Ueberlegene Technologie, Verfahren oder Produkte - Leistungsfaehige Organisation - Privilegierter Zugang zu Kapital - Skaleneffekte (economies of scale) - Synergien (economies of scope) - Zugang zu Rohstoffen | - Tarifaere und nicht-tarifaere Handelshemmnisse (Importkontrollen) - politische Investitionsanreize - Marktgroesse, Kaufkraft, Dynamik im Zielland - Faktorausstattung und Infrastruktur (Rohstoffe, Qualifikationen, Transport) - niedrigere Faktorkosten (z. B. Loehne) - Kapitaltransferrestriktionen oder Wechselkursvorteile - Rechtssystem (Sicherheit des Eigentums) - Risikoausgleich durch Standortmix | - Vermeidung von Such- und Verhandlungskosten - Vermeidung moralischer Risiken (moral hazards) - Vermeidung gebrochener Vertraege - Vermeidung von Kaufunsicherheiten (Qualitaet der Produkte) - Kontrolle ueber Lieferungen - Moeglichkeiten von Verrechnungspreisen (transfer pricing) |
Quelle: Hartmut Berghoff, Moderne Unternehmensgeschichte. Eine themen- und theorieorientierte Einführung, München 22016, 131-134; John H. Dunning/Sarianna M. Lundan, Multinational Enterprises and the Global Economy, Cheltenham 22008, 101-102, 318-329; eigene Zusammenstellung.
Ebenso wurden der Transfer von Vorteilen aus den Auslandsgesellschaften an das Mutterunternehmen und der Prozesscharakter der Internationalisierung in frühen Fassungen des OLI-Paradigmas nur wenig berücksichtigt. Dunnings eklektischer Ansatz erfuhr in den folgenden Jahren daher viele Ergänzungen und Ausdifferenzierungen. Hierzu gehörte nicht zuletzt die Rückbindung des Paradigmas an Theorien über Institutionen, ihren Transfer und ihren Wandel über den Zeitverlauf.38 Letztlich umfasste es sowohl die Innen- und Außenbeziehungen des Unternehmens, die Rolle von Technologien und Innovationen, Aspekte der Personalführung als auch Implikationen für das Verhältnis von multinationalen Unternehmen und Politik. Damit steht ein breites Potpourri möglicher Analyserichtungen und -formen zur Verfügung.
Zwar betont Dunning, dass sein Ansatz an der Schnittstelle zwischen makroökonomischen Theorien über internationalen Handel und mikroökonomischen Theorien über Unternehmen angesiedelt sei und das Unternehmen daher nicht länger als „black box“ verstanden würde, tatsächlich argumentiert er aber stark auf der Ebene internationaler Direktinvestitionen. Für die empirisch gestützte, historische Unternehmensforschung scheint es dahingehend lohnenswert, sich management- und prozessorientierten Ansätzen zuzuwenden, um die facettenreiche Entwicklung multinationaler Unternehmen erfassen zu können.
Viele wirtschaftswissenschaftliche Studien zum Aufbau und der Führung von multinationalen Unternehmen folgen der Chandlerschen Annahme „structure follows strategy“,39 d.h. sie beschreiben die Management- und Organisationsstrukturen als Ausfluss der Unternehmensstrategie. Mit der Ausbreitung weltweit agierender US-Konzerne entwickelten sich vor allem in den USA seit den 1960er Jahren zahlreiche Konzepte, um die empirisch beobachtbaren Veränderungen jener Strukturen zu erklären. So begründete beispielsweise Howard V. Perlmutter ein viel beachtetes Stufenmodell, das die Strategieentwicklung internationaler Unternehmen plausibel machen wollte und der Frage nachging, ob die strategische Ausrichtung und die Managementmethoden des Mutterunternehmens auf die verschiedenen ausländischen Tochtergesellschaften oktroyiert werden können oder angepasst werden müssen.40
Hierbei ging Perlmutter davon aus, dass die Internationalisierung eines Unternehmens mit einfachen Aktivitäten im Ausland – wie dem Export – beginnt, welche (ethnozentrisch) von der Konzernzentrale gesteuert würden. Anschließend würden die Wertschöpfung im Ausland und der Einsatz ausländischer Führungskräfte zunehmen; die stärkere Orientierung am Gastland würde mit einer erhöhten Anpassung der Produkte an die Bedürfnisse des lokalen Marktes einhergehen. Auf diese Weise würde sich der Einfluss der Zentrale auf die Auslandsgesellschaften reduzieren und eine polyzentrische Managementstruktur entstehen. Schließlich würde sich die Eigenständigkeit der ausländischen Tochtergesellschaften ausweiten, welche im Rahmen einer dezentralen, weltmarktorientierten (geozentrischen) Struktur zunehmend zentrale Aufgaben für den Gesamtkonzern übernehmen würden. Jene drei Perspektiven wurden später um die Idee einer regiozentrischen Orientierung ergänzt, bei der die Ausrichtung, die Organisation und das Management in bestimmten Regionen vereinheitlicht würden – beispielsweise durch den Aufbau regionaler Produktionszentren.41
Aus geschichtswissenschaftlicher Perspektive ist Perlmutters Vorstoß einerseits reizvoll, da er im Gegensatz zu anderen wirtschaftswissenschaftlichen Ansätzen den Wandel von Unternehmensstrukturen unter den Bedingungen der Internationalisierung betont und die Herausforderungen beschreibt, die sich in international tätigen Unternehmen durch die Kompetenzverteilung zwischen Mutter- und Auslandsgesellschaften ergeben; andererseits bildet jenes deterministische Stufenmodell jedoch nur begrenzt die Bandbreite unternehmerischer Entwicklungsverläufe ab. Mit dem weltweiten Aufstieg japanischer Unternehmen und der Verbreitung der japanischen Arbeitsorganisation in den 1970er und 80er Jahren gewannen Fragen interkultureller Differenzen und der möglichen Übertragbarkeit von Managementmodellen weiter an Bedeutung.42
Im Unterschied zu Perlmutter entwickelten Christopher A. Bartlett und Sumantra Goshal auf der Grundlage mehrerer Fallstudien aus den USA, Europa und Japan eine Typologie weltweit tätiger Unternehmen, die nicht zuletzt für die Begriffsklärung hilfreich ist.43 Hierbei steht das Spannungsverhältnis zwischen einer notwendigen Anpassung an die lokalen Bedingungen des Gastlandes (local responsiveness) und dem Bestreben des Mutterunternehmens, die Kontrolle über die Auslandsgesellschaften zu behalten (global integration), im Mittelpunkt. Während internationale Unternehmen demnach die Strategien und das Wissen der Muttergesellschaft weitgehend übernehmen und sich wenig gegenüber dem Gastland anpassen, zeichnen sich multinationale Unternehmen durch selbstständige Tochtergesellschaften und eine hohe Anpassung an die lokalen Bedürfnisse und Gegebenheiten aus. Daneben sahen Bartlett und Goshal das globale Unternehmen, welches versuchte, den Weltmarkt mit einer möglichst zentralisierten Wertschöpfung im Heimatland zu bedienen, um auf diese Weise Skaleneffekte und Kostenvorteile (economies of scale) zu erzielen. Die zentrale These lautet, dass jene drei Unternehmensformen bei fortschreitender Internationalisierung in Richtung einer transnationalen Struktur konvergieren, welche sich aus vielen weltweit verstreuten, weitgehend eigenverantwortlichen und kontextgebundenen Einheiten zusammensetzt – ähnlich zum geozentrischen Unternehmen von Perlmutter. Der Unternehmenszentrale kommt in dieser netzwerkartigen Organisationslösung lediglich die Koordination der an die lokalen Märkte angepassten Einheiten zu.44
International operierende Unternehmen unterlagen demnach einem doppelten Druck: Zum einen mussten sie ihre Auslandsgesellschaften an die lokalen Gegebenheiten des Auslands anpassen; zum anderen waren sie bestrebt, eine einheitliche, länderübergreifende Organisationsstruktur zu schaffen. Im Ergebnis würde diese Gleichzeitigkeit lokaler Differenzierung und globaler Integration zu einem transnationalen Unternehmen führen.45 Jene Lesart räumte der Gleichzeitigkeit gegensätzlicher Entwicklungen nur wenig Platz ein. Die Kritik am Vorschlag von Bartlett/Goshal richtete sich folglich gegen die Idee eines konvergenten Entwicklungspfads und die Vorstellung von Unternehmen als Wirtschaftseinheiten ohne nationalspezifische Bindungen sowie gegen die Annahme einer bruchlosen Durchsetzung von Managementstrategien, ohne die Akteure in den Niederlassungen zu berücksichtigen.46 Stattdessen ist davon auszugehen, dass Unternehmen stets unterschiedliche strategische Optionen zur Verfügung standen und ihre Strategien in nationalspezifische Wirtschaftssysteme eingebettet waren.47 Der fruchtbare Beitrag von Bartlett/Goshal besteht vor allem darin, dass ihre Typologie auf unterschiedliche Begriffsformen und Organisationslösungen international agierender Unternehmen verweist, auch wenn sich eine exakte Grenzziehung zwischen den verschiedenen Führungsstrategien empirisch als schwierig erweist.48
Die Ansätze von Perlmutter und Bartlett/Goshal verweisen auf den Wandel von Organisations- und Managementstrukturen infolge der zunehmenden Internationalisierung.49 Am deutlichsten haben die beiden Wirtschaftswissenschaftler Jan Johanson und Jan-Erik Vahlne diesen Prozesscharakter fortschreitender Auslandstätigkeit herausgestellt.50 Das schon in den 1970er Jahren entwickelte, sogenannte Uppsala-Modell ging davon aus, dass die Internationalisierung von Unternehmen bestimmten Mustern folgt, die sich in gleicher oder ähnlicher Abfolge immer wieder beobachten lassen. Dieses verhaltensorientierte Modell besagt, dass sich die Unternehmensakteure zunächst dafür entscheiden, über den Export in (kulturell wie geographisch) nahegelegene Auslandsmärkte vorzudringen, um aufgrund von Lernprozessen anschließend Vertriebs-, Lager- und Serviceeinrichtungen im Ausland zu etablieren sowie Lizenzen dorthin zu vergeben. Johanson/Vahlne gehen in diesem Zusammenhang von einer psychischen Distanz (psychic distance) zwischen dem Heimat- und dem Gastland aus, die sich aus der Summe der Faktoren zusammensetzt, welche den Informationsfluss zum Markt verhindern – wie Sprache, Ausbildung, Managementpraktiken oder kulturelle Spezifitäten. Häufig folgte auf die Etablierung von Vertriebsstrukturen dann der Aufbau ausländischer Produktionsstätten.51 Indem die Autoren auf kulturell voneinander abweichende Verhaltensformen zwischen dem Heimat- und dem Gastland aufmerksam machten, ebneten sie den Weg für eine Forschungsrichtung, die sich mit den Nachteilen beschäftigt, welche ein Unternehmen aufgrund seiner Fremdartigkeit auf einem ausländischen Markt hat (liability of foreigness) – neben geringen Kenntnissen über die Marktbeschaffenheit gehörten hierzu beispielsweise wenig Vertrauen der ausländischen Kunden oder die Diskriminierung seitens der ausländischen Gesetzgebung.52
Im Jahr 2009 erweiterten Johanson/Vahlne ihr Modell, indem sie den Markt nicht mehr als Spielfeld unabhängiger Anbieter und Nachfrager im neoklassischen Sinne konstruierten, sondern als Beziehungsgeflecht ansahen. Damit wurde die Zugehörigkeit zu bestimmten Netzwerken wichtiger für die Reduzierung von Unsicherheit als psychische Distanz.53 Während das Uppsala-Modell grundsätzlich gut geeignet ist, um das Vordringen von Unternehmen auf neue Produktmärkte zu erklären, ist seine Aussagekraft hinsichtlich einer ressourcenbasierten Internationalisierung begrenzt. Ebenso wenig kann es die Verlagerung von Produktionskapazitäten, den Rückzug aus bestimmten Märkten oder die Zunahme von Desinvestitionen seit den 1980er Jahren begreiflich machen.54 In dieser Hinsicht sind die wirtschaftswissenschaftlichen Entwicklungsmodelle mittels empirisch gestützter historischer Befunde weiterzuentwickeln.55
Phasen multinationaler Unternehmen
Mit dem Durchbruch der industriellen Revolution, der Entstehung des modernen Unternehmens und der Festigung von Nationalstaaten im 19. Jahrhundert nahmen grenzüberschreitende Wirtschaftsaktivitäten rasch zu. Schon in der Frühindustrialisierung hatte die Beschaffung ausländischer Rohstoffe an Bedeutung gewonnen, doch häufig handelte es sich hierbei um zeitlich begrenzte Projekte. Auch die im kolonialen Kontext entstandenen Handelsgesellschaften verfügten selten über eigene Gewerbebetriebe außerhalb ihres Heimatstandorts.
Seit Jahrtausenden agierten Händler und Bankiers über politische Grenzen hinweg. Die Medici aus dem Florenz des 15. Jahrhunderts gelten als erste multinationale Bank. Zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert bauten europäische Händler internationale Netzwerke auf, insbesondere im Rahmen des transatlantischen Sklavenhandels. Europäische Regierungen verliehen Handelsgesellschaften Monopolrechte, aus denen „proto-multinationale Unternehmen“ hervorgingen, wie etwa die britische Royal African Company. Ein besonders bedeutendes Beispiel eines solchen proto-multinationalen Unternehmens war die British East India Company mit einem Handelsmonopol für Asien. Gemeinsam mit der niederländischen Konkurrenz dominierte sie den Handel zwischen Europa und Asien im 17. und 18. Jahrhundert.56 Auch individuelle Unternehmer, die ihr Kapital in Nord- und Südamerika anlegten, oder (britische) Finanzkapitalisten, die ihr in der frühen Industrialisierung akkumuliertes Kapital im Ausland investierten, ohne technologische Kenntnisse zu transferieren oder dort Managementaufgaben zu übernehmen, gelten als Vorläufer des multinationalen Unternehmens.57
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als der Rohstoff- und Energiebedarf der Industrieunternehmen massiv zunahmen, verstetigten sich internationale Wirtschaftsbeziehungen, die auf die Beschaffung von Rohstoffen und den Verkauf von Fertigwaren zielten. Folglich entstanden in den 1840er Jahren die ersten modernen multinationalen Unternehmen. Nach dem Ende der Napoleonischen Kriege begann 1815 eine etwa 100-jährige Phase, in der nur relativ wenige, kurze und begrenzte Kriege ausgetragen wurden. Infolgedessen bot sich ab Mitte des 19. Jahrhunderts zahlreichen Unternehmen aus Europa und Nordamerika die Chance, im Ausland zu expandieren. Angetrieben durch Industrialisierung, Rohstoffbedarf und neue Absatzchancen leiteten sie die erste Globalisierungswelle ein. Schutzmaßnahmen wie Zölle führten dazu, dass Firmen Produktionsstätten im Ausland gründeten, um Märkte direkt zu bedienen. Ebenso brachten Unternehmen nach einer Anlaufphase im Inland ihre Eigentumsvorteile im Ausland zur Geltung. Da noch nicht alle Weltteile gleichermaßen von der Industrialisierung ergriffen waren, konnten die industriellen Fertigungsunternehmen einerseits ihre technischen und organisatorischen Vorteile im Ausland ausspielen, andererseits griffen viele von ihnen auf die natürlichen Ressourcen im Zielland zurück. So nutzte Siemens seine technologische Überlegenheit, um in vielen Ländern der Welt Telegrafenbaugesellschaften zu gründen. Die Expansion wurde durch die Kolonialpolitik, das internationale Rechtssystem, den sich herausbildenden Goldstandard sowie neue Technologien (Dampfschiffe, Eisenbahnen, Telegraf) erleichtert, die den Austausch von Informationen und Waren beschleunigten.58

Dabei entwickelten multinationale Unternehmen zunehmend komplexe Organisationsstrukturen. Die Weltmarktführerschaft des Nähmaschinenherstellers Singers basierte auf dessen technologischen Vorsprung, der effizienten Verkaufsorganisation und einem flächendeckenden Kundendienst. Nach schlechten Erfahrungen mit der Vergabe von Lizenzen ins Ausland setzte das Unternehmen auf eine eigene Auslandsproduktion und eröffnete 1867 eine Fabrik in Glasgow. Ähnlich spielten auch die deutschen Chemiefirmen ihre technologische Überlegenheit aus und dominierten am Ende des 19. Jahrhunderts den globalen Markt der Farbenchemie. In der verarbeitenden Industrie entwickelten sich Direktinvestitionen häufig aus einer gewissen Ressourcenabhängigkeit oder aus Exportgeschäften, deren zunehmender Umfang eine effizientere Organisation sinnvoll machte und zur Gründung ausländischer Produktionsstätten führte.59 Daneben gab es viele Firmen – besonders in Großbritannien –, die in ihrem Heimatland nur über ein kleines Hauptquartier verfügten und deren operative Hauptaktivitäten im Ausland lagen. Mira Wilkins hat für dieses Organisationsdesign den Begriff der „free-standing company“ etabliert, deren wesentliche Unternehmensvorteile im Zugang zu Kapital und ihrer Organisationskompetenz lagen.60
Bis 1914 floss rund die Hälfte der globalen Auslandsinvestitionen in den Rohstoff- und Nahrungsbereich, ein weiteres Drittel in dazugehörige Dienstleistungen wie Versicherungen oder Transport. Großbritannien dominierte vor dem Ersten Weltkrieg mit fast der Hälfte der weltweiten Auslandsinvestitionen, gefolgt von den USA und Deutschland mit jeweils 14 Prozent. Auch Unternehmen aus kleineren Ländern wie den Niederlanden, Schweden und der Schweiz waren im Ausland aktiv. Die Investitionen konzentrierten sich oft auf rohstoffreiche Länder wie Indien, Argentinien oder Mexiko. Große Teile der globalen Rohstoffversorgung wurden auf diese Weise von europäischen und nordamerikanischen Unternehmen beherrscht.61
Der Erste Weltkrieg war für multinationale Unternehmen ein schwerer exogener Schock. Er leitete das Ende einer Ära ein, in der ausländische Firmen in den meisten Ländern zu denselben Bedingungen wie einheimische Unternehmen tätig sein konnten. Mit dem Weltkrieg sank der Bestand deutscher Direktinvestitionen infolge der fast vollständigen Enteignung deutscher Tochtergesellschaften durch die Regierungen der USA, Großbritanniens und anderer Alliierter nahezu auf Null. Noch schwerer als der Verlust von Gebäuden wog die Konfiskation immaterieller Güter wie Patente und Markenrechte. Ferner büßten viele ausländische Firmen aufgrund der Russischen Revolution ihren Auslandsbesitz ein. Frankreich und Belgien verloren infolgedessen rund zwei Drittel ihrer gesamten Auslandsinvestitionen.62
Die Zwischenkriegszeit erwies sich für multinationale Unternehmen als ambivalent. Während die ökonomischen Turbulenzen jener Jahre eine Berechenbarkeit langfristiger Investitionen erschwerten und die Mobilität des Kapitals international eingeschränkt wurde, wuchsen die Direktinvestitionen dennoch weiter an. Insbesondere das Problem der Doppelbesteuerung nahm in jenen Jahren deutlich zu, da viele Staaten ihre Steuern zur Finanzierung der Kriegskosten erhöhten. Vor diesem Hintergrund und angesichts der Gefahr zukünftiger Enteignungen versuchten einige multinationale Firmen ihre Eigentümerschaft zu verschleiern.63
Mit der Weltwirtschaftskrise verschärften viele Staaten ihre protektionistischen Maßnahmen, um mit Zöllen und anderen Handelsbarrieren ihre Wirtschaft zu schützen. Dadurch war einerseits ein Anreiz für zusätzliche Auslandsinvestitionen gegeben, doch andererseits wirkten die international angespannte Lage und Restriktionen im internationalen Kapitalverkehr der Investitionsbereitschaft entgegen. Multinationale Unternehmen expandierten daher nur begrenzt; zugleich behinderten Regierungen ausländische Importe, Kapitalströme und Einwanderer. Diese Umkehrung der Globalisierung erfolgte trotz weiterer Innovationen im Transport- und Kommunikationsbereich, die die Kosten der geografischen Entfernung weiter senkten.64 Die scharfen Devisenverkehrsbestimmungen des NS-Regimes, die ausländischen Firmen einen Transfer ihrer Gewinne untersagten, führten schließlich dazu, dass ausgerechnet die US-amerikanischen Direktinvestitionen in Deutschland trotz der zunehmenden politischen Spannungen anstiegen. Unter den Bedingungen des Zweiten Weltkriegs setzte das NS-Regime die Eigentumsrechte ausländischer Unternehmen immer offener außer Kraft – bis hin zur systematischen Beschlagnahmung von Großunternehmen in den besetzten Ländern. Dieser Raubpolitik stand der erneute Verlust des deutschen Auslandsbesitzes gegenüber. So verloren deutsche Unternehmen in den USA unter Rückgriff auf den Trading with the Enemy Act von 1917 erneut zahlreiche Immobilien und geistiges Eigentum in Form von Marken, Urheberrechten und Patenten.65
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs führten die Ausbreitung des Kommunismus, die Entkolonialisierung und die damit einhergehende Zunahme von Beschränkungen für ausländische Unternehmen sowie die weit verbreitete Verstaatlichung ausländischer Investitionen zur Ausbeutung natürlicher Ressourcen in Entwicklungsländern zu einem dramatischen Rückgang ausländischer Direktinvestitionen außerhalb des Westens. Innerhalb der westlichen Welt setzten die USA sukzessive die Liberalisierung des Außenhandels und die Lockerung der bestehenden Devisenkontrollen durch, doch gab es auch starke Gegenkräfte. In den großen europäischen Volkswirtschaften, darunter Frankreich, Großbritannien und Italien, wurden weite Teile der Industrie verstaatlicht und der kapitalistischen Kontrolle entzogen. Zudem existierten auch in Westeuropa noch lange strenge Devisenkontrollen. Deutsche Auslandsinvestitionen blieben bis in die 1970er Jahre hinein auf einem international niedrigen Niveau, weil das knappe Kapital in den ersten Nachkriegsjahren für den Wiederaufbau im eigenen Land benötigt wurde. Die mit Abstand größten Direktinvestitionen in den 1950er und 1960er Jahren stammten aus den USA, deren Unternehmen ihren ausländischen Konkurrenten technologisch und organisatorisch weit überlegen waren und damit nach 1945 Großbritannien als international führenden Investor ablösten. Als Reaktion auf die „Dollar-Knappheit“ investierten US-Unternehmen insbesondere in großem Umfang in Westeuropa.66
Tabelle: Anteile ausländischer Direktinvestitionen nach Herkunftsland in Prozent (1938-1960)
| -1914- | -1938- | -1960- | |
|---|---|---|---|
| USA | 14,7 | 27,7 | 48,3 |
| Grossbritannien | 45,3 | 39,8 | 16,3 |
| Deutschland | 14,4 | 1,3 | 1,2 |
| Frankreich | 9,7 | 9,5 | 6,2 |
| Niederlande | k.A. | k.A. | 10,6 |
Quelle: John H. Dunning/Sarianna M. Lundan, Multinational Enterprises and the Global Economy, Cheltenham 22008, 174.
In den 1970er Jahren verloren westliche multinationale Unternehmen weltweit in großem Ausmaß ihre Zugriffsmöglichkeiten auf natürliche Ressourcen, da Regierungen im Nahen Osten und anderen Regionen entsprechende Vermögenswerte enteigneten. Die politische Feindseligkeit gegenüber multinationalen Unternehmen hielt die ausländischen Direktinvestitionen in weiten Teilen Afrikas und Asiens auf einem niedrigen Niveau. Vor 1979 gab es kaum ausländische Direktinvestitionen in China und nur wenige in Japan.67 Dennoch nahm der internationale Bestand ausländischer Direktinvestitionen seit den 1970er Jahren enorm zu und leitete damit einen zweiten Globalisierungsschub ein. Die Direktinvestitionen wuchsen nun schneller als die Weltwirtschaft und der Welthandel. Dabei verschob sich der Schwerpunkt von der Ausbeutung natürlicher Ressourcen auf Investitionen in die industrielle Fertigung und Dienstleistungen. Besonders innerhalb der westlichen Welt kam es zu einer starken Ausbreitung multinationaler Unternehmen, wobei Mergers & Acquisitions deutlich zunahmen.68 Infolgedessen wurden Forderungen zur Einhegung ihrer Macht immer lauter. Internationale Organisationen wie die OECD und die ILO legten daher bald die ersten internationalen Richtlinien zur Regulierung multinationaler Unternehmen fest, die aufgrund ihres unverbindlichen Charakters jedoch kaum Wirkung zeigten.69 Bis 1980 waren die sechs größten Empfängerländer für ausländische Direktinvestitionen die USA, Großbritannien, Kanada, Deutschland, Frankreich und die Niederlande. Brasilien folgte auf dem siebten Platz.70
In den 1990er Jahren überstiegen die Verkäufe ausländischer Tochterunternehmen erstmals die weltweiten Exporte, d.h. multinationale Unternehmen entwickelten sich zur wichtigsten Organisationsform für die Bereitstellung von Waren auf ausländischen Märkten. Sie nutzten die Leistungssteigerungen bei Transport (Containerisierung) und Kommunikation (Telefon, Satellit, Internet), um ihre globale Organisation zu steuern. Besonders Firmen westeuropäischer Herkunft hatten seit 1973 stark expandiert, so dass die späteren EU-Mitglieder die USA in den 1980er Jahren sogar beim Bestand ausländischer Direktinvestitionen überholten. Auf der Suche nach neuen Märkten, zur Abmilderung von Währungsschwankungen nach dem Zusammenbruch des Währungssystems von Bretton Woods und zur Umgehung verschärfter Umwelt- und Arbeitsschutzbestimmungen investierten Unternehmen aus westlichen Ländern neben Europa und Nordamerika auch zusehends in anderen Weltregionen. In Asien bildete sich neben Japan mit den asiatischen Tigerstaaten Taiwan, Hong-Kong, Singapur und Südkorea eine neue Wachstumsregion heraus, in der westliche Firmen präsent sein wollten.71
Tabelle: Weltweite ausländische Direktinvestitionen als Prozentsatz der weltweiten Produktion (1913–2021)
| -1913- | -1960- | -1980- | -1990- | -2010- | -2021- |
|---|---|---|---|---|---|
| 9,0 | 4,4 | 4,8 | 9,6 | 30,3 | 44,9 |
Quelle: Geoffrey Jones/Sabine Pitteloud, Multinationals in Historical Perspective, in: Geoffrey Jones/Sabine Pitteloud (Hg.), The Cambridge Companion to the History of Multinationals & Society, Cambridge 2026.
Während Deregulierung und Liberalisierung des Kapitalverkehrs in der westlichen Welt ausländische Direktinvestitionen beförderten, fand die auffälligste Veränderung Asiens in China statt, das seine Wirtschaft ab 1979 wieder für globale Unternehmen öffnete. Darüber hinaus schuf der Fall der Berliner Mauer und der Zusammenbruch der staatssozialistischen Systeme in Ost- und Ostmitteleuropa 1989/90 vollkommen neue Anlagemöglichkeiten für multinationale Unternehmen. Zudem empfahlen die Weltbank und der Internationale Währungsfonds den Entwicklungsländern, mehr ausländische Direktinvestitionen anzuziehen, um ihre Wirtschaft voranzubringen. Der Gesamtbestand ausländischer Direktinvestitionen kletterte daher von 211 Mrd. US-Dollar 1973 auf 6,6 Billionen 2001.72
Damit ging zugleich eine qualitative Veränderung des multinationalen Unternehmens einher, das bis in die 1970er Jahre vornehmlich die komparativen Vorteile der Muttergesellschaft ausgespielt hatte und fortan – angesichts weiter fallender Transportkosten – globale Wertschöpfungsketten aufbaute, Aufgabenbereiche außerhalb der Kernkompetenzen abspaltete (Outsourcing) und inländische Arbeitsplätze ins Ausland verlagerte (Offshoring).73 Dieser Globalisierungsprozess erlitt mit der Weltfinanzkrise 2008/09 einen massiven Schock, der teilweise das Ergebnis einer drei Jahrzehnte währenden Entwicklung war, in der die Finanzdienstleistungsbranche stark dereguliert worden war. In den darauffolgenden Jahren gingen Handelsströme und ausländische Direktinvestitionen zwar zurück, langfristig blieben dennoch zahlreiche globale Vernetzungen bestehen, so dass wenig auf eine neue Ära der Deglobalisierung hindeutet.74
Fazit
Multinationale Unternehmen haben sich von frühneuzeitlichen, staatlich privilegierten Handelsgesellschaften und Rohstoffprojekten zu komplexen, global integrierten Unternehmen entwickelt, die politische, wirtschaftliche und technologische Veränderungen mitprägten und von ihnen geprägt wurden. Ihre Entwicklung war von Phasen der Expansion, des Rückzugs und der Restrukturierung gekennzeichnet, ausgelöst durch Kriege, Krisen, institutionelle Umbrüche und Innovationen in Transport, Kommunikation und Management.
Wirtschaftswissenschaftliche Theorien, institutionenökonomische Ansätze und prozessorientierte Modelle bieten wertvolle Erklärungen zur Entstehung und Verbreitung multinationaler Unternehmen, die durch historische Befunde ergänzt und erweitert werden können. Managementorientierte Konzepte betonen das Spannungsverhältnis zwischen lokaler Anpassung und globaler Integration – ein bis heute bestehendes Kernproblem zur Führung multinationaler Unternehmen. Politisch gesehen sind sie sowohl Objekte staatlicher Regulierung als auch Akteure bei der Gestaltung von Marktbedingungen. Aktuelle Debatten über Steuervermeidung, ökologische Verantwortung und Lieferkettenethik knüpfen an frühere Konflikte an und verdeutlichen die enge Verflechtung von Wirtschaft und Politik.
Forschungslücken bestehen nach wie vor hinsichtlich der digitalen Transformation, globaler Wertschöpfungsketten, der Arbeitsbeziehungen in multinationalen Unternehmen, der Autonomie ausländischer Tochtergesellschaften sowie dem Verhältnis von Politik und Wirtschaft. Historisch fundierte Studien sind daher unerlässlich, um die Resilienz, Anpassungsfähigkeit und Verwundbarkeit multinationaler Unternehmen zu verstehen und sie als treibende Kräfte einer ungleichen, umkämpften und reversiblen Globalisierung zu begreifen.
Literaturliste
Referenzen
1 „Die größten MNU“, online: https://www.bpb.de/kurz-knapp/zahlen-und-fakten/globalisierung/52633/die-groessten-multinationalen-unternehmen-ohne-finanzbranche/ [letzter Zugriff 15.8.2025].
2 Hartmut Berghoff, Moderne Unternehmensgeschichte. Eine themen- und theorieorientierte Einführung, München 2016, 130. Vgl. zur Begrifflichkeit auch die Unterscheidung von Christopher A. Bartlett/Sumantra Goshal im Abschnitt „Motive und Theorien“ sowie John H. Dunning/Sarianna M. Lundan, Multinational Enterprises and the Global Economy, Cheltenham 22008, 3-5.
3 Mira Wilkins, The Emergence of Multinational Enterprise: American Business Abroad from the Colonial Era to 1914, Cambridge 1970; Mira Wilkins, The Maturing of Multinational Enterprise: American Business Abroad from 1914 to 1970, Cambridge 1974; Mira Wilkins, Multinational Enterprise to 1930. Discontinuities and Continuities, in: Alfred D. Chandler/Bruce Mazlish (Hrsg.), Leviathans. Multinational Corporations and the New Global History, Cambridge 2005, 45-80; Mira Wilkins/Frank Ernest Hill, American Business Abroad: Ford on Six Continents, Detroit 1964.
4 Mira Wilkins, The Free Standing Company 1870-1914. An Important Type of British Foreign Direct Investment, in: Economic History Review 2 (1988), 259-282; Mira Wilkins/Harm G. Schröter (Hrsg.), The Free-Standing Company in the World Economy, 1830-1996, Oxford 1998.
5 Mira Wilkins, Host to Transnational Investments - A Comparative Analysis, in: Hans Pohl (Hrsg.), Transnational Investment from the 19th Century to the Present, Stuttgart 1994, 25-69. Im Original: opportunity parameter, political parameter, familiarity parameter, third-country parameter, corporate parameter.
6 Geoffrey Jones, Multinationals and Global Capitalism: From the Nineteenth to the Twenty-First Century, Oxford 2005.
7 Robert Boyer, Hybridization and Models of Production: Geography, History, and Theory, in: Robert Boyer u.a.(Hrsg.), Between Imitation and Innovation. The Transfer and Hybridization of Productive Models in the International Automobile Industry, Oxford 1998, 23-56; Richard Whitley, How and why are international firms different? The consequences of cross-border managerial coordination for firm characteristics and behaviour, in: Glenn Morgan/Peer Hull Kristensen/Richard Whitley (Hrsg.), The multinational firm. Organizing across institutional and national divides, Oxford 2001, 27-68, hier 35-38.
8 Geoffrey Jones, The end of nationality?Global firms and "borderless worlds", in: Zeitschrift für Unternehmensgeschichte 2 (2006), 149-166, hier besonders 160-162.
9 Geoffrey Jones, Renewing Unilever: Transformation and Tradition, Oxford 2005; Geoffrey Jones, Learning to live with governments: Unilever in India and Turkey, 1950-1980, in: Entreprises et Histoire (2007), 78-101. Vgl. hierzu auch Geoffrey Jones/Christina Lubinski, Managing Political Risk in Global Business: Beiersdorf 1914–1990, in: Enterprise and Society 1 (2012), 85-119.
10 Neil Forbes/Takafumi Kurosawa/Ben Wubs (Hrsg.), Multinational Enterprise, Political Risk and Organisational Change: From Total War to Cold War, New York u.a. 2019; Willem de Haan, To know or not to know: Silent complicity in crimes against humanity in Argentina (1976–1983), in: Business History 8 (2020), 1279-1302; Christopher Kobrak/Jana Wüstenhagen, International investment and Nazi politics: The cloaking of German assets abroad, 1936-1945, in: Business History 3 (2006), 399-427; Ben Wubs, International Business and National War Interests: Unilever between Reich and Empire, 1939-1945, London 2008.
11 Sabine Pitteloud, Les multinationales suisses dans l’arène politique (1942-1993), Genf 2022; Sabine Pitteloud, Les multinationales comme catégorie politique : les années formatrices (1970-1990), in: Entreprises et Histoire 3 (2021), 93-110; Keetie Sluyterman/Ben Wubs, Multinationals as Agents of Change, in: Keetie Sluyterman (Hrsg.), Varieties of Capitalism and Business History. The Dutch Case, New York u.a. 2015, 156-182.
12 Sabine Pitteloud, Unwanted Attention: Swiss Multinationals and the Creation of International Corporate Guidelines in the 1970s, in: Business and Politics 4 (2020), 587-611; Francesco Petrini, Capital Hits the Road: Regulating Multinational Corporations during the Long 1970s, in: Knud Andresen/Stefan Müller (Hrsg.), Contesting Deregulation. Debates, Practices and Developments in the West since the 1970s, New York u.a. 2017, 185-198.
13 Janick Marina Schaufelbuehl, Crusading for Globalization. US Multinationals and Their Opponents Since 1945, Philadelphia 2025.
14 Vgl. zu umwelthistorischen Aspekten Ann-Kristin Bergquist, Renewing Business History in the Era of the Anthropocene, in: Business History Review 1 (2019), 3-24; Hartmut Berghoff/Adam Rome (Hrsg.), Green Capitalism? Business and the Environment in the Twentieth Century, Philadelphia 2017; Geoffrey Jones, Profits and Sustainability. A History of Green Entrepreneurship, Oxford 2019. Vgl. zur Besteuerung multinationaler Unternehmen Sébastien Guex/Hadrien Buclin (Hrsg.), Tax Evasion and Tax Havens since the Nineteenth Century, Cham 2023; Simon Mollan/Kristine Sævold, Private Empires: The Development of Offshore Commercial and Financial Services in Tax Havens, 1955-1979, in: Enterprise and Society Published online 2025:1-40. doi:10.1017/eso.2024.26 (2025); Vanessa Ogle, Archipelago Capitalism: Tax Havens, Offshore Money, and the State, 1950s-1970s, in: American Historical Review 5 (2017), 1431-1458.
15 Jones, Global Capitalism, besonders 147-155; Geoffrey Jones, Globalization, in: Geoffrey Jones/Jonathan Zeitlin (Hrsg.), The Oxford Handbook of Business History, Oxford 2008, 141-168.
16 Peter J. Buckley, Business history and international business, in: Business History 3 (2009), 307-333, hier 326.
17 Boris Gehlen/Christian Marx/Alfred Reckendrees, Ambivalences of nationality. Economic nationalism, nationality of the company, nationalism as strategy: An introductionin: Journal of Modern European History 1 (2020), 16-27; Boris Gehlen/Christian Marx/Alfred Reckendrees (Hrsg.), International Business, Multi-Nationals, and the Nationality of the Company, London u.a. 2024.
18 Alice Teichova/Maurice Lévy-Leboyer/Helga Nussbaum, Multinational Enterprise in Historical Perspective, Cambridge 1986.
19 Geoffrey Jones/Harm G. Schröter (Hrsg.), The Rise of Multinationals in Continental Europe, Aldershot 1993.
20 John H. Dunning/Peter Robson (Hrsg.), Multinationals and the European Community, New York 1988.
21 Alfred D. Chandler/Bruce Mazlish, Leviathans. Multinational Corporations and the New Global History, Cambridge 2005.
22 Geoffrey Jones/Sabine Pitteloud (Hrsg.), The Cambridge Companion to the History of Multinationals & Society, Cambridge 2026.
23 Exemplarisch: Christof Dejung, Die Fäden des globalen Marktes. Eine Sozial- und Kulturgeschichte des Welthandels am Beispiel der Handelsfirma Gebrüder Volkart 1851-1999, Köln 2013.
24 Geoffrey Jones, Britische multinationale Unternehmen und britische Unternehmensgeschichte seit dem 19. Jahrhundert, in: Zeitschrift für Unternehmensgeschichte 4 (1993), 234-260; Geoffrey Jones, Multinational Banking 1830-1990, Oxford 1993. Vgl. für den deutschsprachigen Raum Peter Borscheid/Robin Pearson (Hrsg.), Internationalisation and Globalisation of the Insurance Industry in the 19th and 20th Centuries, Marburg 2007.
25 Christina Lubinski/Jeffrey Fear/Paloma Fernández Pérez (Hrsg.), Family multinationals. Entrepreneurship, governance, and pathways to internationalization, London 2013.
26 Harm G. Schröter, Risk and Control in Multinational Enterprise: German Businesses in Scandinavia, 1918-1939, in: Business History Review 3 (1988), 420-443; Harm G. Schröter, Continuity and Change. German Multinationals since 1850, in: Geoffrey Jones/Harm G. Schröter (Hrsg.), The Rise of Multinationals in Continental Europe, Aldershot 1993, 28-48; Harm G. Schröter, Aufstieg der Kleinen.Multinationale Unternehmen aus fünf kleinen Staaten vor 1914, Berlin 1993. Vgl. hierzu auch Jan-Otmar Hesse, Die globale Verflechtung der Weimarer Wirtschaft. De-Globalisierung oder Formwandel?, in: Christoph Cornelißen/Dirk van Laak (Hrsg.), Weimar und die Welt. Globale Verflechtungen der ersten deutschen Republik, Göttingen 2020, 347-377; Frank J. Nellißen, Das Mannesmann-Engagement in Brasilien von 1892 bis 1995. Evolutionspfade internationaler Unternehmenstätigkeit aus wirtschaftshistorischer Sicht, München 1997.
27 Anika Biss, Die Internationalisierung der Bayerischen Motoren Werke AG. Vom reinen Exportgeschäft zur Gründung eigener Tochtergesellschaften im Ausland 1945-1981, Berlin 2017; Claudia Nieke, Volkswagen am Kap. Internationalisierung und Netzwerk in Südafrika 1950 bis 1966, Hannover 2010; Ulrich Kreutzer, Von den Anfängen zum Milliardengeschäft. Die Unternehmensentwicklung von Siemens in den USA zwischen 1845 und 2001, Stuttgart 2013; Christian Marx, Wegbereiter der Globalisierung. Multinationale Unternehmen der westeuropäischen Chemieindustrie in der Zeit nach dem Boom (1960er-2000er Jahre), Göttingen 2023. Vgl. ferner Götz Hanjo Borsdorf, Die Internationalisierung deutscher Unternehmen nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1973, Aachen 2007; Anna-Elisa Göke, Volkswagen in Australien von 1953 bis 1976. Erfolg und ökonomisches Scheitern im Prozess der Internationalisierung, Münster 2016; Elfriede Grunow-Osswald, Die Internationalisierung eines Konzerns. Daimler-Benz 1890-1997, Vaihingen 2006; Corinna Ludwig, Amerikanische Herausforderungen. Deutsche Großunternehmen in den USA nach dem Zweiten Weltkrieg, Frankfurt a.M. 2016; Sebastian Schief, Globalisierung. Entwicklungspfade der Internationalisierung deutscher Konzerne, Frankfurt a.M. 2003; Michael Wortmann, Komplex und Global. Strategien und Strukturen multinationaler Unternehmen, Wiesbaden 2008. Borsdorf, Internationalisierung.
28 Biss, Internationalisierung.
29 Marx, Globalisierung.
30 Vgl. exemplarisch Johannes Bähr/Paul Erker, Bosch. Geschichte eines Weltunternehmens, München 2013; Paul Erker, Vom nationalen zum globalen Wettbewerb. Die deutsche und amerikanische Reifenindustrie im 19. und 20. Jahrhundert, Paderborn 2005.
31 Stephen Hymer, The International Operations of National Firms: A Study of Direct Foreign Investment.Published posthumously, Cambridge 1960 (1976).
32 Raymond Vernon, International Investment and International Trade in the Product Cycle, in: Quarterly Journal of Economics 2 (1966), 190-207; Raymond Vernon, Sovereignty at Bay. The Multinational Spread of U.S. Enterprises, New York 1971.
33 Peter J. Buckley, The Limits of Explanation: Testing the Internalisation Theory of the Multinational Enterprise, in: Journal of International Business Studies 2 (1988), 181-193; Peter J. Buckley/Mark Casson, The Future of the Multinational Enterprise, London 1976. Buckley und Casson übertrugen damit im Grunde die Überlegungen von Ronald Coase auf international operierende Unternehmen. Vgl. Ronald H. Coase, The Nature of the Firm, in: Economica 16 (1937), 386-405.
34 John H. Dunning, Trade, Location of Economic Activity and the MNE. A Search for an Eclectic Approach, in: Bertil Ohlin/Per-Ove Hesselborn/Per Magnus Wijkman (Hrsg.), The International Allocation of Economic Activity, London 1977, 395-418; John H. Dunning, Multinational Enterprises and the Global Economy, Wokingham u.a. 1993. Einige Elemente des OLI-Paradigmas werden in ähnlicher Weise auch von anderen Autoren zur Erklärung der Globalisierung von Märkten und Produktion herangezogen; hierzu gehören beispielsweise die unternehmensspezifischen Vorteile des Unternehmens (O-Vorteile), die gewissermaßen die von Michael Porter identifizierten Wettbewerbsvorteile darstellen. Vgl. Dunning/Lundan, Multinational Enterprises, 109; Michael E. Porter, The Competitive Advantage of Nations, London 1990.
35 Dunning, Multinational Enterprises, besonders 263-286. Siehe hierzu auch: Oliver E. Williamson, Markets and Hierarchies.Analysis and Anti-Trust Implications. A Study in the Economics of Internal Organization, New York 1975.
36 Claudius Ruch, Akquisitionen als konstituierendes Merkmal der Unternehmensstrategie. Eine Untersuchung der Übernahmen der heutigen Henkel AG & Co. KGaA von der Nachkriegszeit bis in die 1980er-Jahre. Dissertation Philipps-Universität Marburg, Marburg 2019, 122-140.
37 Jones, Global Capitalism, 151.
38 Dunning/Lundan, Multinational Enterprises, 116-144.
39 Alfred D. Chandler, Strategy and Structure. Chapters in the History of the Industrial Enterprise, Cambridge 1962.
40 Howard V. Perlmutter, The Tortous Evolution of the Multinational Company, in: Columbia Journal of World Business 1 (1969), 9-18.
41 David A. Heenan/Howard V. Perlmutter, Multinational Organization Development.A Social Architectural Perspective, Reading/Mass. 1979. Der Ansatz wird gemäß der unterschiedlichen Orientierungssysteme auch als EPRG-Modell (Ethnozentrisch, Polyzentrisch, Regiozentrisch, Geozentrisch) bezeichnet.
42 Christian Kleinschmidt, Der produktive Blick. Wahrnehmung amerikanischer und japanischer Management- und Produktionsmethoden durch deutsche Unternehmer 1950-1985, Berlin 2002; René L. Olie, European Transnational Mergers, Maastricht 1996, 27-72. Vgl. zum Verhältnis von Nationalität und Kultur in Unternehmen ferner Éric Godelier, The Corporate Nationality: A Question of Culture and Community?, in: Journal of Modern European History 1 (2020), 28-47.
43 Christopher A. Bartlett/Sumantra Goshal, Managing Across Borders.The Transnational Solution, Boston 2002.
44 Ursula Mense-Petermann/Gabriele Wagner (Hrsg.), Transnationale Konzerne. Ein neuer Organisationstyp?, Wiesbaden 2006, 13-16.
45 Bartlett/Goshal, Managing.
46 Mense-Petermann/Wagner, Transnationale Konzerne, 16-22 ; Hartmut Wächter, "Global Players": Personalpolitik amerikanischer Multis zwischen Machtausübung und institutionellem Zwang, in: Andrea Maurer/Uwe Schimank (Hrsg.), Die Gesellschaft der Unternehmen - Die Unternehmen der Gesellschaft. Gesellschaftstheoretische Zugänge zum Wirtschaftsgeschehen, Wiesbaden 2008, 301-311.
47 Klaus Dörre, Globalisierung - eine strategische Option. Internationalisierung von Unternehmen und industrielle Beziehungen in der Bundesrepublik, in: Industrielle Beziehungen 4 (1997), 265-290; Richard Whitley, Divergent Capitalism. The Social Structuring and Change of Business Systems, Oxford 1999.
48 Anke Hassel u.a., Dimensionen der Internationalisierung: Ergebnisse der Unternehmensdatenbank »Internationalisierung der 100 größten Unternehmen in Deutschland«, Köln 2000.
49 Vgl. zur Internationalisierung als Lernprozess im OLI-Paradigma mit insgesamt fünf Phasen (Export; Marketing und Vertrieb; Auslandsproduktion; Vertiefung und Ausweitung; integriertes multinationales Netzwerk): Dunning/Lundan, Multinational Enterprises, 212-232.
50 Jan Johanson/Jan-Erik Vahlne, Learning in the Internationalisation Process of Firms. A Model of Knowledge Development and Increasing Foreign Market Commitments, in: International Business Studies 1 (1977), 23-32.
51 Johanson/Vahlne, Learning.
52 Vgl. exemplarisch Christina Lubinski, Liability of Foreignness in Historical Context: German Business in Preindependence India (1880-1940), in: Enterprise & Society 4 (2014), 722-758.
53 Jan Johanson/Jan-Erik Vahlne, The Uppsala Internationalization Process Model Revisited: From Liability of Foreignness to Liability of Outsidership, in: Journal of International Business Studies 9 (2009), 1411-1431.
54 Dunning/Lundan, Multinational Enterprises, 91-93.
55 Vgl. zum Problem mangelnder zeitlicher Kontextualisierung Buckley, Business history, hier 320-324.
56 Jones, Global Capitalism, 16-18; Wilkins, Multinational Enterprise to 1930, 46-51.
57 Berghoff, Moderne Unternehmensgeschichte, 134-135; Dunning/Lundan, Multinational Enterprises, 149-152.
58 Dunning/Lundan, Multinational Enterprises, 154-172; Jones, Global Capitalism, 18-27; Geoffrey Jones, Origins and Development of Global Business, in: Teresa Da Silva Lopes/Christina Lubinski/Heidi J.S. Tworek (Hrsg.), The Routledge Companion to the Makers of Global Business, New York 2020, 17-34.
59 Berghoff, Moderne Unternehmensgeschichte, 138-140.
60 Wilkins, Free Standing Company.
61 Jones, Global Capitalism, 21; Schröter, Aufstieg.
62 Jones, Global Capitalism, 27, 203; Wilkins, Multinational Enterprise to 1930, 77-78.
63 Dunning/Lundan, Multinational Enterprises, 176-185; Ryo Izawa, Corporate structural change for tax avoidance: British multinational enterprises and international double taxation between the First and Second World Wars, in: Business History 4 (2022), 704-726; Jones/Lubinski, Political Risk Vgl. für die NS-Zeit: Kobrak/Wüstenhagen, Cloaking.
64 Jones, Global Capitalism, 28-29; Geoffrey Jones, Multinationals from the 1930s to the 1980s, in: Alfred D. Chandler/Bruce Mazlish (Hrsg.), Leviathans. Multinational Corporations and the New Global History, Cambridge 2005, 81-104, hier 84-87.
65 Berghoff, Moderne Unternehmensgeschichte, 142.
66 Berghoff, Moderne Unternehmensgeschichte, 142-143; Dunning/Lundan, Multinational Enterprises, 185-189; Jones, Global Capitalism, 31-33; Jones, Multinationals from the 1930s to the 1980s, 88-90, 96.
67 Jones, Global Capitalism, 257-258.
68 Berghoff, Moderne Unternehmensgeschichte, 144-145; Dunning/Lundan, Multinational Enterprises, 189-196; Jones, Multinationals from the 1930s to the 1980s, 90-96; Marx, Globalisierung.
69 Petrini, Capital; Pitteloud, Unwanted Attention.
70 Jones, Origins and Development of Global Business, 23.
71 Berghoff, Moderne Unternehmensgeschichte, 144-146.
72 Berghoff, Moderne Unternehmensgeschichte, 145.
73 Berghoff, Moderne Unternehmensgeschichte, 147-148; Jones, Global Capitalism, 38-40.
74 Lukas Linsi/Ellie Gristwood, The Myth of Deglobalization: Multinational Corporations in an Era of Growing Geopolitical Rivalries, in: Politics and Governance (2024), 1-19.