Archive und Quellen der Wirtschaft
Wirtschaftshistorische Quellen in Deutschland sind aufgrund föderaler Strukturen und der freiwilligen Archivierung privater Unternehmen fragmentiert überliefert. Der Beitrag konzentriert sich auf die verschiedenen Archivtypen, in denen wirtschafts- und unternehmenshistorische Quellen bewahrt werden. Neben Beständen der Wirtschaft in Bundes-, Landes- und Kommunalarchiven stehen regionale Wirtschaftsarchive, Unternehmensarchive sowie Branchen- und Verbandsarchive im Mittelpunkt. Regionale Wirtschaftsarchive übernehmen seit dem frühen 20. Jahrhundert eine zentrale Sicherungsfunktion, insbesondere für kleinere und nicht mehr bestehende Unternehmen. Unternehmensarchive entstanden im Zuge der organisatorischen Ausdifferenzierung moderner Unternehmen und gewannen durch ihre Öffnung für die Forschung sowie durch die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit an Bedeutung. Institutionelle Vernetzung, digitale Rechercheangebote und ein verbesserter rechtlicher Schutz unterstreichen die gewachsene Relevanz wirtschaftshistorischer Archive.Die Hauptursache für die erratische Überlieferung von Quellen der Wirtschaft ist jedoch die Freiwilligkeit der Archivierung. Trotz der großen Bedeutung privatwirtschaftlicher Unternehmen seit der zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Deutschland einsetzenden Industrialisierung besteht keine rechtliche Verpflichtung, Quellen von historischer Relevanz zeitlich unbegrenzt aufzubewahren. Ausnahmen bilden sowohl jener Teil wirtschaftlicher Tätigkeit, der sich streckenweise in staatlichem Eigentum und staatlicher Regie befand – wie beispielsweise Bahn und Post vom Ende des 19. bis zum Ende des 20. Jahrhunderts –, als auch das Archivgut der volkseigenen Betriebe in der DDR. In diesen beiden Fällen ist Schriftgut der Wirtschaft auf der Grundlage der jeweils geltenden Archivgesetze in öffentlichen Archiven überliefert. Für Unternehmen in privatem Eigentum bestanden und bestehen hingegen keine Verpflichtungen, ihr Schriftgut unbegrenzt aufzubewahren. Sie archivieren auf rein freiwilliger Basis und aus Eigeninteresse.
Ursprünge und Anfänge
Wie im staatlichen Archivwesen gehen auch die ersten Archive privater Unternehmen auf das Motiv der Rechtesicherung zurück.1 Jakob Fugger ermahnte bereits 1560 seinen Nachfolger in der Unternehmensleitung, „die Papiere der Firma stets in tadelloser und leicht zugänglicher Ordnung“ aufzubewahren, um immer eine „Rüstkammer für Beweismittel“ zur Hand zu haben.2 Mit der Verschriftlichung und Verrechtlichung unternehmerischen Handels wurde es zunehmend wichtiger, getroffene Vereinbarungen, Verträge und Urkunden auffindbar und verfügbar zu halten. Archive waren und sind daher seit jeher kein „nice to have“, sondern ein Hilfsmittel vorausschauenden unternehmerischen Handelns. Mit dem Beginn moderner staatlicher Verwaltungen und der bis heute fortschreitenden Verrechtlichung aller Lebensbereiche hat das Ausmaß an potenziellem Archivgut mit rechtlichen Inhalten enorm an Umfang gewonnen.
Neben den Unterlagen, die zur Rechtesicherung aufbewahrt wurden, entwickelten Unternehmen zunehmend Interesse, ihre unternehmerischen Leistungen wie Innovationen, Markterfolge und gesellschaftliche Anerkennung in eigenen Archiven zu dokumentieren. Diese Sammlungen konnten der Öffentlichkeitsarbeit, dem Marketing und der internen Darstellung zur Stärkung der Corporate Identity dienen. Auf dieser Grundlage entstanden seit Beginn des 20. Jahrhunderts Unternehmerbiografien, Unternehmensfestschriften und Imagebroschüren. Die Bereitschaft von Unternehmen, ihre eigenen Archive auch für Externe, insbesondere für wissenschaftliche Forschende, zu öffnen, ist eine Entwicklung, die Mitte der 1970er-Jahre einsetzt. Dahinter steht die Erkenntnis, dass ein offener, transparenter Umgang mit der eigenen Unternehmensgeschichte der Glaubwürdigkeit in der Öffentlichkeit dient. Dies gilt insbesondere für die Geschichte von Unternehmen während der NS-Zeit. Der offene, regelbasierte Zugang zu Unternehmensarchiven ist jedoch längst nicht allgemeine Praxis. Insbesondere inhabergeführte Unternehmen und Familienunternehmen sind häufig zurückhaltend bei der Öffnung ihrer Archive für externe Benutzer. Sie fürchten Entdeckungen, die sich nicht nur negativ auf das Bild ihrer Unternehmen, sondern auf das Andenken ihrer Vorfahren auswirken könnten.
Archivbestände der Wirtschaft in öffentlichen Archiven
Archivbestände der Wirtschaft finden sich auf allen drei Ebenen des staatlichen Archivwesens, also im Bundesarchiv, in den Archiven der Länder und der Kommunen.3
Im Bundesarchiv sind Bestände zu wirtschaftlichen Themen in den drei folgenden Abteilungen anzutreffen.4
In der Abteilung Deutsches Reich (1871–1945) sind an erster Stelle die Bestände von Ministerien zu nennen, die sich mit Wirtschaftsfragen befassten. Hierzu zählen insbesondere die Reichsministerien für Wirtschaft, Finanzen und Verkehr. Hinzu kommen staatliche Institutionen wie die Reichsbahn, die Reichsbank, die Reichspost, die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung, das Reichsaufsichtsamt für Privatversicherung und zahlreiche weitere staatliche Verwaltungs- und Planungsbehörden auf Reichsebene. Das Bundesarchiv verfügt aber auch über Bestände einer Reihe halbstaatlicher und privater Wirtschaftsunternehmen, Verbände und Organisationen aus der Zeit des Deutschen Reichs. Die Akten dieser Institutionen befanden sich bei Kriegsende 1945 im sowjetischen Sektor Berlins oder in der sowjetischen besetzten Zone Deutschlands und gelangten später in die staatlichen Archive der DDR. Nach der Wiedervereinigung von 1990 gingen diese Bestände auf das Bundesarchiv über.
In der Abteilung Bundesrepublik Deutschland (ab 1949) des Bundesarchivs befinden sich ebenfalls Bestände der Ministerien für Wirtschaft, Finanzen, Verkehr (einschließlich Bundesbahn) und Post. In geringerem Maße verfügt diese Abteilung des Bundesarchivs auch über Bestände von Verbänden und Organisationen der Wirtschaft. Einen Sonderfall hinsichtlich der Archivüberlieferung wichtiger zentralstaatlicher Wirtschaftsinstitutionen in der Bundesrepublik bildet die Deutsche Bundesbank, die an ihrem Hauptsitz in Frankfurt am Main ein eigenes Historisches Archiv auf der Grundlage des Bundesarchivgesetzes unterhält.5 Dort befinden sich auch Akten der Vorgängerinstitution, der Bank deutscher Länder (1948-1957).
Die Abteilung Deutsche Demokratische Republik (DDR) ist verantwortlich für die Überlieferung derzentralen zivilen staatlichen Einrichtungen der ehemaligen DDR, wie zum Beispiel das Schriftgut der Ministerien (außer dem Ministerium für Staatssicherheit) und zentral geleiteter Betriebe. Deren Überlieferung findet sich vor allem in Archivbeständen der Staatlichen Plankommission, der Zentralverwaltung für Statistik, dem Ministerium für Materialwirtschaft, dem Volkswirtschaftsrat der DDR, dem Staatlichen Büro für die Begutachtung von Investitionsvorhaben und dem Ministerium für Wirtschaft. Ein zweiter zentraler Bestandskomplex bilden Finanzen, wozu die Bestände des Ministeriums für Finanzen, der Deutschen Notenbank, der Staatsbank der DDR, der Deutschen Außenhandelsbank, des Amts für Preise und weiterer Institutionen zählen.
Die Überlieferung der einzelnen volkseigenen Betriebe befindet sich nicht im Bundesarchiv, sondern vor allem in den Landesarchiven der ostdeutschen Bundesländer.
Für die Dokumentation der Überleitung der Planwirtschaft der ehemaligen DDR in eine Marktwirtschaft sind die 170.000 Akten der Treuhandanstalt (1995 umbenannt in Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben) im Bundesarchiv von großer Bedeutung.
Um einen Sonderfall unter den öffentlichen Archiven in Deutschland handelte sich beim Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz (GStA PK) in Berlin. Das GStA PK ist zuständig für die Überlieferung aus den zentralen Behörden und Einrichtungen Brandenburg-Preußens. Dazu gehören auch Archivbestände mit Bezug zur Wirtschaft, wie des Ministeriums für Handel und Gewerbe oder der Seehandlung (Preußische Staatsbank). Auch Dokumente zu den Anfängen der Kolonialpolitik Brandenburg-Preußens in Afrika werden im GStA PK aufbewahrt.
In den Staats- und Landesarchiven der westlichen Bundesländer befinden sich in der Regel Quellen zur Wirtschaft in Beständen verschiedener Ministerien wie für Wirtschaft, Finanzen, Verkehr und Tourismus. Hinzukommen Akten der Gewerbeaufsicht, der Handelsregister, der Kammern und der Unternehmen, die teilweise oder vollständig in staatlichem Besitz waren oder sind, wie die Staatsbanken, die Landesbanken des Sparkassensektors, Spezialbanken- und Förderbanken, Wohnungsbaugesellschaft und Energieversorger.
In den Staats- und Landesarchiven in Ostdeutschland sind die genannten Quellengattungen ebenfalls anzutreffen. Hinzu kommt aber eine umfangreiche Überlieferung von privaten Unternehmen aus der Zeit bis 1945 und von volkseigenen Betrieben in der DDR.6 Mit der Wiedervereinigung Deutschlands und der Privatisierung der DDR-Wirtschaft stellte sich die Frage, was mit den in den Betriebsarchiven aufbewahrten Unterlagen geschehen sollte, ging doch das Eigentum am Archivgut auf die privaten Erwerber über, die meist nur ein geringes Interesse an den Archivalien hatten. Im besten Fall gelang es, die in den Staatsarchiven vorhandene Bestände zu ergänzen. Insbesondere das Sächsische Staatsarchiv in Leipzig verfügt unter der Sammelbezeichnung „Wirtschaft“ über zahlreiche Bestände u.a. von Unternehmen der Textilindustrie, des Maschinenbaus, der Banken, des Buchhandels und des polygrafischen Gewerbes sowie von DDR-Kombinaten und volkseigenen Betrieben.7 Eine ähnliche Überlieferung zu privatwirtschaftlichen Unternehmen vor 1945 und zu DDR-Betrieben befinden sich allen ostdeutschen Landesarchiven. Im Brandenburgischen Landeshauptarchiv sind außerdem die Bestände der Devisenstelle Berlin und des Oberfinanzpräsidenten Berlin-Brandenburg aus der NS-Zeit von besonderer Bedeutung für Forschungen zur wirtschaftlichen Verfolgung, Erfassung und Einziehung von Vermögen jüdischer Privatpersonen und Firmen.8

Auch die Kommunalarchive verfügen über zahlreiche Quellen zur Wirtschaft. Häufig überliefert sind Bestände von Unternehmen, die sich ganz oder teilweise in städtischem Eigentum befinden. Dazu zählen Nahverkehrsunternehmen, Energieversorger, Sparkassen, Wohnungsbaugesellschaften, Messe- und Flughafengesellschaften. Daneben ist in Kommunalarchiven eine nicht geringe Zahl an Beständen von Unternehmen vorhanden, die kein eigenes Archiv unterhalten oder in der Folge von Konkursen oder Übernahme aus dem Wirtschaftsleben ausgeschieden sind. Häufig befinden sich diese Bestände als Deposita in den Kommunalarchiven und unterliegen Einschränkung des Eigentümers bei der öffentlichen Nutzung. Wichtige Unternehmensbestände, wie zum Bankhaus Bethmann und der BHF-Bank (und deren Vorgängerinstitute Frankfurter Bank und Berliner Handels-Gesellschaft), befinden sich beispielsweise im Wirtschaftsarchiv des Instituts für Stadtgeschichte in Frankfurt am Main.9 Das Archiv der Hansestadt Lübeck verwahrt 154 Bestände von Geschäfts- und Firmenarchiven darunter der Metallhüttenwerke, der Lübeck-Linie AG, der Lübecker Hypothekenbank und der Deutschen Bank Lübeck AG - vorm. Handelsbank.10 Ein weiteres Beispiel ist das Stadtarchiv Augsburg, wo sich Bestände der Mechanischen Baumwollspinnerei und Weberei Augsburg und der Neuen Augsburger Kattunfabrik befinden.
Auch öffentliche Museen verfügen teilweise über bedeutende wirtschafts- und technikhistorische Sammlungen. Beispielsweise verwahrt das Archiv des Deutschen Museums in München auf 4,7 Regalkilometern Bestände von Firmen und wissenschaftlichen Institutionen, seltene Firmenschriften, Einzelhandschriften, Grafiken, Porträts, Karten, Plakate, technische Zeichnungen, Dokumentationen zur Luft- und Raumfahrt sowie rund 1,4 Millionen Fotografien.11 Auch das Historische Archiv im Deutschen Technikmuseum verfügt mit über 7,5 Regalkilometern Bestände von mehr als 125 Firmen und Verbänden und mehr als 400 Nachlässe und Sammlungen von Persönlichkeiten aus den Bereichen der Natur- und Ingenieurswissenschaften, der Technik und des Verkehrs. Der bedeutendste Bestand ist zweifellos der von AEG-Telefunken.12
Regionale Wirtschaftsarchive
Regionale Wirtschaftsarchive sind öffentliche Archive, aber ihre Rechtsform variiert. Sie sind nicht durchgehend öffentlich-rechtliche Körperschaften, sondern meist als Stiftungen oder eingetragene Vereine organisiert und dokumentieren die Wirtschaftsgeschichte einer bestimmten Region. Sie übernehmen, erschließen und bewahren Unterlagen von Unternehmen, Kammern und Verbänden. Ihre Entstehung begann Anfang des 20. Jahrhunderts, als Archivare und Wissenschaftler erkannten, dass Unternehmen der frühen Industrialisierungsphase über wichtige historische Quellen verfügten, in vielen Fällen aber nicht für deren archivische Aufbewahrung eintraten oder bereits nicht mehr existierten. Zunächst gelang 1906 in Köln die Gründung eines Rheinisch-Westfälischen Wirtschaftsarchivs (RWWA), das die Aufgabe erhielt, Quellenmaterial des Wirtschaftslebens im 19. Jahrhundert zu sammeln, zu ordnen und der Forschung zur Verfügung zu stellen.13 Unterstützt von den anderen Handelskammern der preußischen Westprovinzen Rheinland und Westfalen übernahm die Handelskammer Köln (ab 1924 die IHK Köln) die Personalkosten und die Bürounterbringung des RWWA in Köln. 1962 wechselte die Trägerschaft auf einen eingetragenen Verein, der aber personell eng mit der IHK Köln verbunden blieb. Heute nehmen die Archivalien des RWWA fast 20 Regalkilometer ein, die über 660 Bestände der rheinischen Wirtschaft enthalten.14
Kurz nach dem RWWA waren mit dem Südwestdeutschen Wirtschaftsarchiv in Saarbrücken und dem Archiv für Wirtschaftsgeschichte in Leipzig, ähnliche Einrichtungen gegründet worden, die jedoch keine große Wirkung entfalten konnten. Auch traf ein Kreis Gleichgesinnter 1913 in Köln zum 1. Allgemeinen Wirtschaftsarchivtag zusammen, doch der im Jahr darauf beginnende Weltkrieg verhinderte nicht nur ein für 1914 geplantes Folgetreffen in Berlin, sondern auch die Etablierung weiterer regionaler Wirtschaftsarchive in Deutschland.15 Erst in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Gedanke wiederbelebt, mit der Unterstützung der Kammern für Handel und Industrie regionale Wirtschaftsarchive zu schaffen.
Die regionalen Wirtschaftsarchive verstehen sich heute als Rettungsstationen für historisch bedeutendes Schriftgut der Wirtschaft, das sie sichern, erschließen und der Forschung zur Verfügung stellen. Ohne die regionalen Wirtschaftsarchive wäre die Quellenlage gerade bei kleinen und mittleren Unternehmen noch viel schwieriger, als sie sich ohnehin häufig darstellt. Der Grund dafür ist, dass viele dieser Unternehmen nicht mehr existieren und keine Rechtsnachfolger besitzen. Wäre die Wirtschaftsgeschichte nur auf die Überlieferung der dauerhaften Unternehmen angewiesen, entstünde leicht ein verzerrtes Bild. Oft sind die Erkenntnisse, die sich aus dem Scheitern eines Unternehmens ziehen lassen, erhellender, als der Frage nach der Resilienz erfolgreicher Firmen nachzugehen.16
Eine weitere wichtige Aufgabe der regionalen Wirtschaftsarchive ist, Unternehmen, Verbände und Kammern unentgeltlich beim Aufbau und Erhalt unternehmenseigener Archive und in historischen Fragen als fachlich und regional kompetenter Ansprechpartner zu beraten.
Regionales Schwesterarchivs des RWWA im heutige Bundesland Nordrhein-Westfalen ist das Westfälische Wirtschaftsarchiv in Dortmund. Das Archiv wurde 1941 von der Wirtschaftskammer für Westfalen und Lippe gegründet und arbeitete nach dem Krieg als Abteilung der Industrie- und Handelskammer Dortmund. Seit 1969 besteht es als Stiftung privaten Rechts. Der Gesamtumfang der Akten und Geschäftsbücher beträgt über 11.000 laufende Meter, gegliedert in über 650 Firmen- und Verbandsbestände, die die wirtschaftliche Entwicklung Westfalens vom 17. Jahrhundert bis heute dokumentieren.17
Es ist sicher kein Zufall, dass die beiden ersten regionalen Wirtschaftsarchive in den Industriezentren Westdeutschlands an Rhein und Ruhr entstanden. Mit der wachsenden Bedeutung weiteren Industriezentren insbesondere im Süden der alten Bundesrepublik erhielt der Gedanke, auch dort regionale Wirtschaftsarchive einzurichten, Auftrieb. Den Anfang machte Baden-Württemberg, wo 1980 das Wirtschaftsarchiv Baden-Württemberg als Stiftung von den zwölf Industrie- und Handelskammern Baden-Württembergs und dem Land Baden-Württemberg gegründet wurde. Untergebracht wurde das WABW in den Räumen der Universität Hohenheim in Stuttgart. Seit seinem Bestehen hat das WABW über 14.000 laufende Meter archivwürdige Unterlagen von 768 Firmen, Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern, Verbänden und Privatpersonen übernommen.18
Das Bayerische Wirtschaftsarchiv in München hat seinen Ursprung im IHK-Wirtschaftsarchiv, das 1986 von der IHK München und Oberbayern gegründet wurde. Das Archiv war damals ausschließlich für den Kammerbezirk München zuständig. Aus diesem IHK-Wirtschaftsarchiv ging 1994 das Bayerische Wirtschaftsarchiv als Gemeinschaftseinrichtung aller bayerischen Industrie- und Handelskammern hervor. Es verfügt über rund 200 Archivbestände von Unternehmen und Verbänden und der bayerischen IHKs.19
Das Hessische Wirtschaftsarchiv wurde 1992 von den hessischen Industrie- und Handelskammern mit Sitz in Darmstadt gegründet. Die Finanzierung des Archivs erfolgt durch den Trägerverein Hessisches Wirtschaftsarchiv e.V.20 Seit seiner Gründung hat das HWA historische Unterlagen von mehr als 200 Kammern, Verbänden und Unternehmen übernommen.21 Der jüngste bedeutende Neuzugang des HWA ist das Archiv von Wintershall Dea, das im Frühjahr 2025 vom bisherigen Firmensitz in Kassel nach Darmstadt umgezogen wurde.22
Nahezu zeitgleich mit dem Hessischen Wirtschaftsarchiv wurde am 5. April 1993 von den sächsischen Industrie- und Handelskammern das Sächsische Wirtschaftsarchiv e.V. (SWA) in Leipzig gegründet. Damit entstand zweieinhalb Jahre nach der Wiedervereinigung erstmals ein regionales Wirtschaftsarchiv im Osten Deutschlands.23 Es erhielt den Auftrag das wirtschaftliche Archivgut aller Regionen des Freistaates Sachsen zu sichern, zu bewerten und zu bewahren. Im Rahmen der sächsischen Archivgesetzgebung liegt der Überlieferungsschwerpunkt auf der Zeit vor 1945 und nach 1990 sowie bei Beständen von Unternehmen, die sich zwischen 1945 und 1990 in privater oder genossenschaftlicher Rechtsform befanden. Entsprechend finden Nutzer im SWA ergänzend zu den Überlieferungen in den Staatsarchiven Unterlagen kleiner und handwerklicher Betriebe. Das SWA verwaltet ca. 330 Bestände von Unternehmen, Vereinen und Verbänden, Nachlässe sowie Dokumentationen mit einem Gesamtumfang von etwa 3,5 Kilometern.24
Das Niedersächsische Wirtschaftsarchiv (NWA) in Wolfenbüttel ist eine Stiftung bürgerlichen Rechts, die vom Land Niedersachsen, der NORD/LB, der Öffentlichen Versicherung Braunschweig und der Industrie- und Handelskammer Braunschweig getragen wird. Der heutigen Stiftung ging die Stiftung Niedersächsisches Wirtschaftsarchiv Braunschweig voraus, die 2005 gegründet würde. Daneben bestand seit 2009 das Wirtschaftsarchiv Nord-West-Niedersachsen mit Sitz in Emden. 2015 trat die Stiftung Wirtschaftsarchiv Nord-West-Niedersachsen dem Niedersächsischen Wirtschaftsarchiv Braunschweig bei und bildet seitdem das NWA. Das NWA verfügt über 114 Bestände, die sich auf 1145 Regalmeter verteilen. Umfangreichster Bestand ist der des Salzgitter Konzerns, der ehemaligen Reichswerke Hermann Göring.25 Die Bestände ostfriesischer Firmen aus dem früheren Wirtschaftsarchiv Nord-West-Niedersachsen befinden sich heute im Niedersächsischen Landesarchiv in Aurich.26
Die Stiftung Hanseatisches Wirtschaftsarchiv wurde 2008 von der Handelskammer Hamburg gegründet. Das Archiv betreut Archivgut von Unternehmen, Kammern, Verbänden, Stiftungen und Persönlichkeiten der Wirtschaft. Den Grundstock der Bestände bildet der historische Bestand der Commerzbibliothek,27 der mit über 275 Jahren ältesten privaten Wirtschaftsbibliothek der Welt. Diese Überlieferung wird ergänzt durch die Bestände Hamburger und norddeutscher Unternehmen. Das Archiv der Handelskammer Hamburg verwahrt insbesondere die Geschäftsakten der Handelskammer.28
Mit Unterstützung des Landesarchivs Berlin gründeten Historiker und Archivare 2004 den Förderverein Berlin-Brandenburgisches Wirtschaftsarchiv. 2009 eröffnete der zum Trägerverein gewandelte Förderverein das Berlin-Brandenburgische Wirtschaftsarchiv (BBWA) in Berlin-Reinickendorf.29 Das BBWA verwaltet zurzeit 163 Bestände, Sammlungen und Nachlässe.30 2017 wurde die Bilddokumentation des Bauunternehmens Philipp Holzmann übernommen, bis 2020 digitalisiert und online gestellt.31
Der Kreis der regionalen Wirtschaftsarchive wurde zuletzt durch das Thüringische Wirtschaftsarchiv für Nord- und Mittelthüringen e.V. (TWA) erweitert, das 2010 bei der Industrie- und Handelskammer Erfurt gegründet wurde. Das Archiv verfügt über Bestände von Thüringer Unternehmen und Verbänden – insbesondere aus Nord- und Mittelthüringen –, außerdem Nachlässe sowie Dokumentationen.32
Auch wenn die Deutschlandkarte der regionalen Wirtschaftsarchive in den letzten Jahrzehnten weitgehend flächendeckend gefüllt werden konnte, so gibt es noch immer einige „weiße Flecken“. Im Norden konnten in den Bundesländern Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anstalt noch keine regionalen Wirtschaftsarchive etabliert werden. Ebenso wird im Saarland und in Rheinland-Pfalz, trotz wiederholter Bemühungen, eine solche Einrichtung schmerzlich vermisst.33
Unternehmensarchive
Die Etablierung eigener Unternehmensarchive ist Teil der Entwicklung der Organisationstruktur moderner Unternehmen im 19. Jahrhundert. Sie ist geprägt durch eine organisatorische Ausdifferenzierung und Professionalisierung in allen Unternehmensbereichen wie der Unternehmensführung, dem Ein- und Verkauf, dem Rechnungswesen, der Revision und der Rechts- und Personalabteilung.34 Eine wesentliche Rolle spielte auch die unternehmensrechtliche Entwicklung. Das Allgemeine Deutsche Handelsgesetzbuch von 1861 und das Aktiengesetz des jungen Kaiserreichs von 1871 bestimmten nicht nur die Organe eines Unternehmens und deren Funktion, sie setzten auch Regeln hinsichtlich der Eintragungspflicht in das Handelsregister, der Buchführung und der Aufbewahrungspflicht von Handelsbriefen. Um Unterlagen, die aus rechtlichen oder betriebsinternen Gründen längerfristig aufbewahrt werden sollten, sachgerecht zu lagern und wiederauffindbar zu halten, entstanden nicht nur Registraturen, sondern auch erste Unternehmensarchive.
Als ältestes Unternehmensarchiv in Deutschland kann sich das Historische Archiv Krupp bezeichnen.35 Die Archivgründung 1905 stand im Zusammenhang mit der Vorbereitung des bevorstehenden 100-jährigen Firmenjubiläums des 1811 entstandenen Unternehmens. Margarethe Krupp begann ebenfalls 1905 mit der Sicherung der privaten Familienunterlagen. Familien- und Werksarchiv wurden 1958 unter dem Namen Historisches Archiv mit Sitz in der Villa Hügel in Essen zusammengefasst. Das Historische Archiv Krupp, das seit 1998 Eigentum der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung ist, umfasst rund 10.000 Regalmeter. Bedeutend sind auch die Bildbestände mit ca. 2,5 Millionen Fotografien und rund 5.000 Filmrollen.36 Mit dem Zusammenschluss der Firmen Thyssen und Krupp übernahm das ehemalige Thyssen-Archiv in Duisburg 1999 die Funktion als zentrales Konzernarchiv von thyssenkrupp.37
Neben den ersten Unternehmensarchiven in der Eisen- und Stahlindustrie wurden fast zeitgleich Archive in der Elektroindustrie, so bei Siemens in Berlin 1907,38 und im gleichen Jahr in der chemischen Industrie, bei Bayer in Leverkusen,39 gegründet. Zu den in der Zwischenkriegszeit entstandenen Unternehmensarchiven zählen die von Bosch und Mercedes-Benz, die 1933 bzw. 1936 in Stuttgart errichtet wurden. Zu einer Gründungswelle von Unternehmensarchiven kam es in den frühen Nachkriegsjahren, als viele Unternehmen die Kriegsschäden beseitigt und sich betriebswirtschaftlich konsolidiert hatten. Insbesondere in der chemischen Industrie kam es zu Archivgründungen bei bedeutenden Unternehmen wie bei den Chemischen Werken Hüls40 (1948) und der Degussa (1959) – heute beide Teil von Evonik Industries –, Henkel (1954) und BASF (1950er-Jahre).
In mehreren großen deutschen Banken entstanden zwar Ende des 19. Jahrhunderts nach dem Vorbild französischer Großbanken sogenannte Archive, doch dabei handelte es sich um Sammlungen von Geschäftsberichten, Börsenprospekten und Zeitungsausschnitten möglichst vieler Unternehmen. In den 1920er-Jahren entwickelten sich aus diesen „Archiven“ die volkswirtschaftlichen Abteilungen der Banken. Historische Archive zur langfristigen Aufbewahrung wichtiger Geschäftsakten wurden im Bankenbereich erst nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet. Die Deutsche Bank beschloss 1961 den Aufbau eines Historischen Archivs in ihrer Frankfurter Zentrale, um Material für die zum 100-jährigen Jubiläum geplante Firmengeschichte verfügbar zu haben.41 Das Historische Archiv der Commerzbank in Frankfurt am Main nahm 1988 seine Tätigkeit auf. Im Zuge der Übernahme der Dresdner Bank 2008/09 wurde deren 1999 eingerichtetes Historisches Archiv mit dem Archiv der Commerzbank zusammengeführt.42 Das Historische Archiv der UniCredit Bank in München ging 1998 aus der Fusion der Bayerische Vereinsbank mit der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank zur Bayerische Hypo- und Vereinsbank hervor. Beide Vorgängerbanken verfügten bereits über historische Sammlungen. Seit 2005 ist die Bank ein Teil der italienischen UniCredit-Gruppe.43 Die öffentlich-rechtliche Förderbank KfW (1948 als Kreditanstalt für Wiederaufbau gegründet) begann 1974 mit dem Aufbau eines historischen Archivs. Mit der Übernahme der Staatsbank Berlin, dem Nachfolgeinstitut der ehemaligen Staatsbank der DDR, kam im Oktober 1994 ein weiterer bedeutender Bestand ins Historische Archiv der KfW.44 Sitz des Archivs ist in Berlin.
Während zu den Großbanken eine umfangreiche archivische Überlieferung besteht, verfügen nur wenige Sparkassen und Genossenschaftsbanken über eigene Archive. Vor dem Hintergrund ihres großen Marktanteils im Bankensektor stellt dies eine bedeutende Überlieferungslücke dar.
Was Bankarchive von Archiven der Industrie unterscheidet, ist der große Anteil an Quellen, die die gesamte Volkswirtschaft und Unternehmenslandschaft, insbesondere die eigene Firmenkundschaft, dokumentieren. Diese Quellen zu Industrieunternehmen, Verbänden und Wirtschaftsorganisationen, die häufig an anderer Stelle nicht überliefert sind, bieten Forschungsansätze für breitere unternehmens- und wirtschaftshistorische Themen.45
Auch in der deutschen Versicherungswirtschaft haben sich in den letzten Jahrzehnten eigene historische Unternehmensarchive etabliert, so bei der Allianz in München, beim Rückerversicherer Munich Re in München und deren Tochtergesellschaft der ERGO Versicherungsgruppe in Düsseldorf sowie bei der SV SparkassenVersicherung in Karlsruhe.
Ein wichtiger Impuls, der Ende der 1990er- und Anfang der 2000er-Jahre zur Einrichtung von Unternehmensarchiven führte, war die Debatte um die NS-Vergangenheit führender deutscher Firmen. Im Mittelpunkt stand die Zwangsarbeit, die Millionen während des Zweiten Weltkriegs zu leisten hatten, aber auch die Enteignung jüdischer Bank- und Versicherungskunden spielte eine wichtige Rolle. Insbesondere US-Klagen zwangen die Bundesregierung und die deutsche Wirtschaft zum Handeln. Dies führte im Jahr 2000 zur Gründung der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“, die in den folgenden Jahren 5,2 Milliarden Euro an ehemalige Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter vor allem in Osteuropa auszahlte. Zugleich beauftragte eine Reihe von Unternehmen unabhängige Historikerkommissionen ihre Geschichte in der NS-Zeit zu untersuchen. Aus den intensiven Recherchen und Quellensammlungen gingen unmittelbar mehrere Unternehmensarchive hervor. Dazu zählen u.a. die historischen Archive von VW46 (1997), der Dresdner Bank (1999) und von Bertelsmann (2002).
Zusammenfassend lässt sich konstatieren, dass heute nahezu alle seit längerer Zeit bestehenden Unternehmen des DAX 40 und eine Reihe von MDAX-Unternehmen über eigene Unternehmensarchive bzw. Fachabteilungen für die historische Unternehmenskommunikation verfügen. Wesentlich heterogener ist die Situation bei Unternehmen des Mittelstands und bei Familienunternehmen. Hier sind Unternehmensarchive wesentlich seltener anzutreffen und häufig nicht oder nur sehr eingeschränkt für die wirtschaftshistorische Forschung zugänglich.

Branchenarchive und Verbandsarchive
Branchenarchive dokumentieren die Geschichte ganzer Wirtschaftszweige. Das Bergbau-Archiv Bochum, integriert in das Montanhistorische Dokumentationszentrum des Deutschen Bergbau-Museum Bochum, wurde 1969 von den Spitzenverbänden des deutschen Bergbaus als erstes überregionales Branchenarchiv der Bundesrepublik Deutschland für den Bereich der Montanindustrie gegründet. Es verfügt über 330 Bestände auf rund 7000 Regalmetern.47
Das Zentrale Archiv für die Deutsche Porzellanindustrie (ZADP) wurde 1991 eröffnet und im Porzellanikon in Selb angesiedelt. Es verwahrt rund 550 laufende Meter an Firmenunterlagen, Nachlässen, sozialgeschichtlichen Dokumenten und Bildquellen.48
Das Zentrale Archiv des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Göttingen verwahrt vor allem Unterlagen aus der Zeit nach 1969, als durch den Zusammenschluss der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt (DVL), der Aerodynamischen Versuchsanstalt (AVA) und der Deutschen Forschungsanstalt für Luftfahrt (DFL) das DLR entstand.49
Verbandsarchive dokumentieren die Tätigkeit von Wirtschaftsverbänden und Kammern. Ihre Überlieferung beinhaltet wichtige Quellen insbesondere für die Interessenvertretung der Wirtschaft gegenüber der Politik.
Mit dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) in Berlin verfügt einer der bedeutendsten Wirtschaftsverbände seit 1987 über ein eigenes historisches Archiv.50 Kern der Überlieferung sind die Akten aus den Abteilungen und Fachbereichen der BDI-Geschäftsführung.
Das in Bonn ansässige Sparkassenhistorische Dokumentationszentrum des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) dokumentiert seit 1977 die über 200-jährige Geschichte der Sparkassen und der Sparkassen-Finanzgruppe. Den Schwerpunkt der Bestände bilden Unterlagen der Organe, Ausschüsse und Arbeitskreise des DSGV seit seiner Wiedererrichtung in den späten 1940er-Jahren.51
Die 2004 gegründete Stiftung GIZ – Genossenschaftshistorisches Informationszentrum in Berlin hat die Aufgabe, das kulturelle Erbe von Genossenschaften in Deutschland langfristig zu sichern. Stifter sind neben dem Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken, die DZ BANK AG und die Akademie Deutscher Genossenschaften.52 Mit dem Schwerpunkt auf den bayerischen Genossenschaften pflegt der Historische Verein bayerischer Genossenschaften e.V. in München das Historische Archiv des Genossenschaftsverbands Bayern e.V. und dessen Firmenbibliothek.53
Die Vereinigung der Wirtschaftsarchivarinnen und Wirtschaftsarchive und das Wirtschaftsarchivportal
Seit 1957 ist die Vereinigung der Wirtschaftsarchivarinnen und Wirtschaftsarchivare e.V., (VdW), ursprünglich Vereinigung Deutscher Werksarchivare e.V., der Fach- und Interessenverband für das Archivwesen der Wirtschaft in Deutschland und im deutschsprachigen Ausland. Ihre Gründung markierte einen wichtigen Schritt zur Professionalisierung der Wirtschaftsarchive. Bildeten zu Beginn Archive der nordrhein-westfälischen Eisen- und Stahlindustrie einen Schwerpunkt in der VdW, so sind heute unter den rund 400 Mitgliedern (darunter ca. 170 Unternehmen und Institutionen und 230 persönliche Mitglieder) alle Unternehmens- und Wirtschaftszweige vertreten. Seit 1967 organisiert die VdW an wechselnden Orten Jahrestagungen, die der Fortbildung und Diskussion zu aktuellen Entwicklungen des Wirtschaftsarchivwesens und des persönlichen Austauschs der Archivarinnen und Archivare dienen. Ebenfalls 1967 wurde „Archiv und Wirtschaft“ begründet. Diese vierteljährlich erscheinende „Zeitschrift für das Archivwesen der Wirtschaft“ wird von der VdW herausgegeben und beschäftigt sich mit organisatorischen, technischen, rechtlichen und inhaltlichen Themen des Archivwesens der Wirtschaft.54
Gemeinsam mit der Gesellschaft für Unternehmensgeschichte (GUG) und dem Institut für Bank- und Finanzgeschichte (IBF) unterhält die VdW das Wirtschaftsarchivportal (WAP).
Das WAP ist ein durchsuchbares Online-Verzeichnis der Wirtschaftsarchive im deutschsprachigen Raum und dient als archiv- und unternehmensübergreifendes Rechercheangebot. Das Portal bietet Kontaktdaten von Unternehmens- und Wirtschaftsarchiven sowie einen Überblick zu deren wichtigen historischen Quellen. Neben Bestandsübersichten bietet das Wirtschaftsarchivportal sowohl den Archiven als auch der Wirtschafts- und Unternehmensgeschichte eine Plattform, forschungsrelevante Themenbereiche und Fragestellungen online zu stellen. Somit haben interessierte Nutzer, aber auch Studierende die Möglichkeit, einen leichteren Zugang zu wirtschaftshistorischen Themen zu erhalten.55
Zusammenfassend lässt sich konstatieren, dass Wirtschaftsarchive seit ihrer Entstehung Anfang des 20. Jahrhunderts sich permanent professionalisiert haben und unverzichtbar für die wirtschaftshistorische Forschung und die Bewahrung des wirtschaftskulturellen Erbes geworden sind. Dieser Bedeutungszuwachs ist auch in der Novelle des deutschen Kulturgutschutzgesetzes deutlich geworden, das im August 2016 in Kraft trat. Waren bis dahin private Archive, die in das Verzeichnis national wertvoller Archive eingetragen waren, lediglich vor der Ausfuhr ins Ausland geschützt, so ist nun ausdrücklich verboten, ein eingetragenes Archiv „zu zerstören, zu beschädigen oder dessen Erscheinungsbild nicht nur unerheblich und nicht nur vorübergehend zu verändern“.56 Durch das neue Kulturgutschutzgesetz sind Archive der Wirtschaft, die in das Verzeichnis national wertvollen Kulturgutes eingetragen sind, deutlich besser geschützt als zuvor.57
Literaturliste
Referenzen
1 Zur historischen Entwicklung der Wirtschaftsarchive in Deutschland Angela Toussaint, Entwicklung und Typologie der Wirtschaftsarchive, in: Handbuch für Wirtschaftsarchive. Theorie und Praxis, München 22005, 9-20.
2 Artur Zechel, Aufgaben und Probleme des Werksarchivs, in: Tradition. Zeitschrift für Firmengeschichte und Unternehmerbiographie 4/5 (1960), 202.
3 Liste staatlicher Archive (ohne Kommunalarchive), https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_staatlicher_Archive
4 Tektonik der Bestände des Bundesarchivs, https://invenio.bundesarchiv.de/invenio/login.xhtml [letzter Zugriff 6.10.2025].
5 Historisches Archiv der Deutschen Bundesbank, https://www.bundesbank.de/de/bundesbank/bibliothek-und-archiv/historisches-archiv/historisches-archiv-604232 [letzter Zugriff 6.10.2025].
6 Toussaint, Entwicklung und Typologie der Wirtschaftsarchive, 15.
7 Beständeübersicht - Archivgut nutzen im Sächsischen Staatsarchiv, https://www.archiv.sachsen.de/archiv/bestand.jsp?oid=09.&syg_id=&bestandid= [letzter Zugriff 6.10.2025].
8 Hinweise zur Recherche in den Akten Rep. 36A Oberfinanzpräsident Berlin Brandenburg, https://blha.brandenburg.de/sixcms/media.php/9/Rechercheleitfaden_OFPII.pdf [letzter Zugriff 6.10.2025].
9 Sylvia Goldhammer, Unternehmensarchive im Wirtschaftsarchiv des Instituts für Stadtgeschichte, in: Archiv und Wirtschaft 1 (2017), 23-30, https://www.wirtschaftsarchive.de/site/assets/files/19138/auw_2017_1_23-30.pdf [letzter Zugriff 6.10.2025]; Bestandsübersicht zum Frankfurter Wirtschaftsarchiv auf der Website des Archivinformationssystem Hessen, https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/showItemsList.action?nodeId=g268667 [letzter Zugriff 6.10.2025].
10 Beständeübersicht der Geschäfts- und Firmenarchive im Archiv der Hansestadt Lübeck, https://www.stadtarchiv-luebeck.findbuch.net/php/main.php#30352e33 [letzter Zugriff 6.10.2025].
11 Archiv des Deutschen Museums, https://www.deutsches-museum.de/forschung/ [letzter Zugriff 6.10.2025].
12 Archiv des Deutschen Technikmuseums, https://technikmuseum.berlin/sammlung/historisches-archiv/ [letzter Zugriff 6.10.2025].
13 Zur Geschichte des RWWA vgl. Ulrich S. Soénius, Zukunft im Sinn - Vergangenheit in den Akten. 100 Jahre Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln (Schriften zur rheinisch-westfälischen Wirtschaftsgeschichte, 45), Köln 2006.
14 Beständeübersicht des RWWA, https://www.rwwa.de/recherche/ [letzter Zugriff 6.10.2025].
15 Zum 1. Allgemeinen Wirtschaftsarchivtag vgl. Ulrich Soénius, Vor 100 Jahren: Der 1. Allgemeine Wirtschaftsarchivtag 1913, in: Archiv und Wirtschaft 4 (2018), 9-18.
16 Zur Bedeutung der regionalen Wirtschaftsarchive vgl. Werner Plumpe, Das Schatzkästlein der regionalen Wirtschaft, in: Archiv und Wirtschaft 2 (2018), 9-18, https://www.wirtschaftsarchive.de/site/assets/files/19193/auw_2018_2_9-18.pdf [letzter Zugriff 6.10.2025].
17 Beständeübersicht auf dem Portal „Archive in Nordrhein-Westfalen“, https://www.archive.nrw.de/archivsuche [letzter Zugriff 6.10.2025].
18 Beständeübersicht über die Archivdatenbank ACTApro, https://benutzung.wa-bw.de/actaproweb/archive.xhtml [letzter Zugriff 6.10.2025].
19 Beständeübersicht des Bayerischen Wirtschaftsarchivs, wirtschaftsarchiv.bihk.de/bestaende-recherche/bestandsuebersicht.html [letzter Zugriff 6.10.2025].
20 Ulrich Eisenbach, Das Hessische Wirtschaftsarchiv. Gründung, Organisation und Bestände, in: Archiv und Wirtschaft 3 (1998), 109–115.
21 Beständeübersicht des HWA, https://hessischeswirtschaftsarchiv.de/Recherche/Unternehmen/index.php/ [letzter Zugriff 6.10.2025].
22 https://wintershalldea.de/de/newsroom/unternehmensarchiv-der-wintershall-dea-wird-fuer-die-zukunft-gesichert [letzter Zugriff 6.10.2025].
23 Veronique Töpel, Entstehung und Funktion regionaler Wirtschaftsarchive auf dem Gebiet der ehemaligen DDR, in: Archiv und Wirtschaft 3 (2013), 117-126.
24 Veronique Töpel, "Gründet Wirtschaftsarchive!" Das Sächsische Wirtschaftsarchiv und seine Bestände, in: Der Archivar 3 (2022), 238-240. Beständeübersicht des SWA, https://www.swa-leipzig.de/best%C3%A4nde.html [letzter Zugriff 6.10.2025].
25 Bestände in Wolfenbüttel, https://www.arcinsys.niedersachsen.de/arcinsys/list.action?nodeid=g175&page=1&sorting=43&reload=true [letzter Zugriff 6.10.2025].
26 Bestände in Aurich, https://www.arcinsys.niedersachsen.de/arcinsys/list.action?nodeid=g173&page=1&sorting=43&reload=true [letzter Zugriff 6.10.2025].
27 Online-Zugang der Commerzbibliothek: https://www.ihk.de/hamburg/servicemarken/ueber-uns/hk-gruppe/commerzbibliothek [letzter Zugriff 6.10.2025].
28 Zu den Quellen der Handelskammer Hamburg, https://www.ihk.de/hamburg/ueber-uns/geschichte-handelskammer-hamburg-1140580 [letzter Zugriff 6.10.2025].
29 Zur Vorgeschichte des Berlin-Brandenburgischen Wirtschaftsarchivs vgl. Klaus Dettmer/Björn Berghausen, Auf dem Weg zu einem Berliner Wirtschaftsarchiv, in: Archiv und Wirtschaft 2 (2009), 59–65. Online verfügbar: https://www.wirtschaftsarchive.de/site/assets/files/18824/auw_2009_2_59-65.pdf [letzter Zugriff 6.10.2025].
30 Beständeübersicht des BBWA, https://wirtschaftsarchiv.berlin/bestaende/archivierung.html [letzter Zugriff 6.10.2025].
31 Bilddokumentation Philipp Holzmann, https://holzmann-bildarchiv.de/ [letzter Zugriff 6.10.2025].
32 Beständeübersicht des TWA, https://www.twa-thueringen.de/bestaende/ [letzter Zugriff 6.10.2025].
33 Andrea Grosche-Bulla, 59. Fachtagung rheinland-pfälzischer und saarländischer Archivarinnen und Archivare am 10. Mai 2004 in der Handwerkskammer Koblenz − Protokoll –, in: Unsere Archive. Mitteilungen aus den rheinland-pfälzischen und saarländischen Archiven 50 (Juni 2005) 5f., https://lav.rlp.de/fileadmin/lav/Downloads/Publikationen/Unsere_Archive/heft_50.pdf [letzter Zugriff 6.10.2025].
34 Zur Unternehmensorganisation als Voraussetzung zur Entstehung von Unternehmensarchiven vgl. Horst A. Wessel, Die Organisation der Unternehmen und ihre Auswirkungen auf das Schriftgut der Wirtschaft, in: Handbuch für Wirtschaftsarchive, 24-54.
35 Zur Geschichte des Historischen Archivs Krupp vgl. Ralf Stremmel, Historisches Archiv Krupp. Entwicklungen, Aufgaben und Bestände, Berlin u.a. 42023.
36 Archivgeschichte und Beständeübersicht des Historischen Archivs Krupp auf der Website von ThyssenKrupp, https://www.thyssenkrupp.com/de/unternehmen/historie/archive [letzter Zugriff 6.10.2025].
37 thyssenkrupp, thyssenkrupp Corporate Archives, https://www.thyssenkrupp.com/de/unternehmen/historie/thyssenkrupp-corporate-archives [letzter Zugriff 6.10.2025].
38 Siemens AG, Siemens Historical Institute, https://www.siemens.com/de/de/unternehmen/konzern/geschichte/siemens-historical-institute.html [letzter Zugriff 6.10.2025].
39 Bayer AG, Bayer Unternehmensarchiv, https://www.bayer.com/de/unternehmensgeschichte/unternehmensarchiv [letzter Zugriff 6.10.2025].
40 Christoph Kießling, Ad acta: 70 Jahre Evonik-Konzernarchiv, in: Archiv und Wirtschaft 2 (2018), 4-8.
41 Martin L. Müller, 50 Jahre Historisches Institut der Deutschen Bank, in: Archiv und Wirtschaft 4 (2011), 160-170, https://www.wirtschaftsarchive.de/site/assets/files/18932/auw_2011_4_160-170.pdf [letzter Zugriff 6.10.2025]; Historisches Institut der Deutschen Bank, https://www.db.com/who-we-are/history/historical-institute?language_id=3 [letzter Zugriff 6.10.2025].
42 Historisches Archiv der Commerzbank, https://www.commerzbank.de/konzern/wer-wir-sind/geschichte/uebersicht-archivbestaende.html [letzter Zugriff 6.10.2025].
43 Historisches Archiv der UniCredit, https://www.hypovereinsbank.de/hvb/ueber-uns/das-unternehmen/geschichte/historisches-archiv [letzter Zugriff 6.10.2025].
44 Historisches Konzernarchiv der KfW, https://www.kfw.de/%C3%9Cber-die-KfW/F%C3%B6rderauftrag-und-Geschichte/Geschichte-der-KfW/Historisches-Konzernarchiv/ [letzter Zugriff 6.10.2025].
45 Martin L. Müller, Vom „Finanzstudienbüro“ zum „Archiv der Deutschland AG“. Zur Genese und Bestandsstruktur des Historischen Instituts der Deutschen Bank, in: Archiv und Wirtschaft 4 (2021), 168-175.
46 Ulrike Gutzmann, AutoMuseum – Unternehmensarchiv – ZeitHaus: Volkswagen-Geschichte in Wolfsburg von A bis Z, in: Archiv und Wirtschaft 3 (2001), 123-129.
47 Evelyn Kroker, Das Bergbau-Archiv Bochum und seine Bestände, Bochum 2001.
48 Beständeübersicht des Porzellanikons, https://www.porzellanikon.org/fileadmin/datenverzeichnis/museum/Wissenschaft/Archiv/ZADP_Herr_Barth.pdf [letzter Zugriff 6.10.2025].
49 Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Zentrales Archiv, https://www.dlr.de/de/das-dlr/ueber-uns/organisation/wissenschaftliche-information/das-zentrale-archiv-des-dlr [letzter Zugriff 6.10.2025].
50 Susanne Witschaß-Beyer, Das Archiv des Bundesverbandes der Deutschen Industrie e. V. (BDI) – Aus einer „Sammlung“ erwächst ein lebendes Verbandsarchiv, in: Archiv und Wirtschaft 1 (2017), 13-23.
51 Sparkassenhistorisches Dokumentationszentrum, https://www.dsgv.de/verband/einrichtungen/sparkassenhistorisches-dokumentationszentrum.html [letzter Zugriff 6.10.2025].
52 Genossenschaftshistorisches Informationszentrum, https://www.stiftung-giz.de/ [letzter Zugriff 6.10.2025].
53 Historisches Archiv des Genossenschaftsverbands Bayern, https://www.gv-bayern.de/verband/unser-netzwerk/historischer-verein/archiv.html [letzter Zugriff 6.10.2025].
54 Zur Geschichte der VdW, https://www.wirtschaftsarchive.de/ueber-uns/vision-und-mission/geschichte-der-vdw/ [letzter Zugriff 6.10.2025] und ausführlichere Darstellung zum 50-jährigen Bestehen vgl. Britta Leise, Die Vereinigung Deutscher Wirtschaftsarchivare e.V. (VdW). Aspekte zur Entwicklung des Archivwesens der Wirtschaft in der Bundesrepublik Deutschland bis 1990, Köln 2007.
55 Wirtschaftsarchivportal, https://www.wirtschaftsarchivportal.org/ [letzter Zugriff 6.10.2025].
56 Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, Gesetze im Internet, Gesetz zum Schutz von Kulturgut (Kulturgutschutzgesetz - KGSG) § 18 Beschädigungsverbot, https://www.gesetze-im-internet.de/kgsg/__18.html [letzter Zugriff 6.10.2025].
57 Zum neuen Kulturgutschutzgesetz und Archiven vgl. Martin L. Müller, Das neue deutsche Kulturgutschutzgesetz und seine Bedeutung für die Wirtschaftsarchive, in: Archiv und Wirtschaft 1 (2018), 29f., https://www.wirtschaftsarchive.de/site/assets/files/19178/auw_2018_1_29-30.pdf [letzter Zugriff 6.10.2025].; und Andrea Hohmeyer, Wie gelangt ein Unternehmensarchiv ins Verzeichnis national wertvollen Kulturgutes?, in: Archiv und Wirtschaft 1 (2018), 30f., https://www.wirtschaftsarchive.de/site/assets/files/19179/auw_2018_1_30-31.pdf [letzter Zugriff 6.10.2025].